+
Dicke Buddys: Jack und seit Titan BT.

Spieletest

Titanfall 2 im Test: Riesenspaß im Riesenrobot

Passt zwischen "Battlefield 1" und "Infinite Warfare" noch ein weiterer Ego-Shooter? Wir wollen es schwer hoffen! Denn "Titanfall 2" ist eine der Spielüberraschungen des Jahres.

Die wirklich schlechten Tage, sie beginnen meistens ganz angenehm. Ich bin Jack Cooper und es sieht ganz danach aus, als ob mein Traum wahr werden würde. Der Traum davon, ein Pilot zu sein. Es herrscht Krieg. Krieg zwischen der Frottier Militia, einem Rebellenbündnis, und dem bösen Konzern IMC. Irgendwo weit draußen im Weltall beutet letzterer schonungs- und rücksichtslos die Ressourcen der Planeten, auf denen wir leben, aus. Und wir wehren uns dagegen. Mit allem, was wir haben.

Dazu gehören auch die Titans, riesige Roboter mit massig Feuerkraft. Doch jeder Titan ist nur so gut wie der Pilot, der ihn steuert. Und die Piloten, das sind nicht irgendwelche Nerds, die am Steuer sitzen und ein paar Knöpfchen drücken. Sie sind auch außerhalb ihres Mechs wirklich harte Typen. Typen, die mit Jetpacks Riesensprünge hinlegen, die so schnell laufen können, dass sie auch für kurze Zeit an Wänden entlang flitzen, Typen, die sich für kurze Zeit so tarnen können, dass sie quasi unsichtbar werden.

Genau so ein Typ will ich werden. Und es sieht ganz genau so aus, als ob das klappen könnte. Zu Beginn von „Titanfall 2“ nimmt mich nämlich einer dieser Haudegen unter seine Fittiche und lässt mich in der virtuellen Realität die ersten Trainings absolvieren - selten wurde ein Tutorial so schlüssig in ein Spiel integriert. Wenig später allerdings wird klar, dass das ein wirklich gänzlich schlechter Tag ist. Ich bin auf einem fremden Planeten gestrandet, mein Mentor ist tot. Zwar hat er mir kurz vor seinem Ableben noch die Zugriffsrechte auf seinen Titan BT-7274 übertragen. Aber der ist mangels aufgeladener Batterien nicht viel mehr als ein besonders klobiger Briefbeschwerer.

Also mache ich mich auf die Suche nach den Batterien. Leichter gesagt als getan. Denn wahre Söldnerhorden machen Jagd auf mich. Und die Fauna des Planeten sieht in mir auch nicht mehr als einen Proteinlieferanten im Overall.

Ab sofort mit echter Story

Titanfall 2 beginnt mit einem Paukenschlag. Und schafft es, den Spieler fortan für die knapp achtstündige Kampagne bestens bei der Stange zu halten. Das war so nicht zu erwarten. Als 2013 „Titanfall“ exklusiv für die damals nagelneue Xbox One und PC erschien, war es ein reiner Multiplayershooter. Was damals frech als „Kampagne“ bezeichnet wurde, war nicht viel mehr als ein kurzes Tutorial auf einer Multiplayerkarte.

Nun allerdings präsentiert Entwickler Respawn ein vollwertiges Spiel mit allem drum und dran. Und es ist einfach großartig. Kein Wunder, stecken hinter Respawn doch die Köpfe hinter absoluten Shooterklassikern wie Call of Duty Modern Warfare 1 und 2. Die Lust am filmischen Erzählen, am Riesigen, am Spektakulären, ist geblieben. Was zum Glück verschwunden ist, sind amerikanischer Hurrapatriotismus und die teils übertriebene Gewalt.

Statt dessen ist ein fast schon heiterer Grundton eingezogen. Was zu erheblichen Teilen ausgerechnet am wahnwitzig humorlosen Titan BT, wie wir unseren Blechkumpel nennen, liegt. Es ist tatsächlich eine Leistung, eine künstliche Intelligenz ohne jeden Sinn für Wortspiele zu entwickeln. Doch gerade dadurch wächst einem im Lauf der Kampagne der Riesenroboter ans Herz. Lustvoll klicke ich bei den Dialogen mit BT immer wieder auf die wahlweise ironischen oder sarkastischen Antwortmöglichkeiten, und sitze anschließend kichernd auf der Couch, wenn BT einräumt, dass er den Begriff „Abkürzung“ in Zukunft neu definieren wolle.

Ein Füllhorn neuer Ideen im Shooter-Einheitsbrei

Im Kern ist „Titanfall 2“ dennoch ein sehr schick aussehender und hervorragend vertonter Shooter und gehört nicht in Kinderhände. Entwickler „Respawn“ gelingt es aber, das ausgelutschte Genre durchaus mit neuen Impulsen zu versehen. Statt stupide in die nächste Ecke zu rennen und wie beim Moorhuhn auf alles zu ballern, was uns vor die (zahlreichen und unterschiedlichen) Flinten kommt, ist „Titanfall“ weit mehr „Mirrros Edge“ als „Call of Duty“. Immer kniffliger werden die Sprungpassagen, die es zu bewältigen gilt, um zurück zu unserem Kumpel BT zu kommen.

Faszinierend und innovativ sind auch die einzelnen Levels, die wir durchstreifen. Das Zeug zum echten Klassiker hat beispielsweise die gigantische, vollautomatische Fabrik, die ich durchstreife, weil BT eben jene zuvor erwähnte Abkürzung nehmen wollte. Riesige Pressen, kippende und schwebende Plattformen, dazu jede Menge - zum Glück mäßig clever agierende - Gegner bringen Jack und mich ganz schön zum Schwitzen. Und doch spielt man immer weiter, will wissen, was hinter der nächsten Sprungpassage wartet, will das nächste Loadout für seinen Titan. Das sind vorkonfigurierte Ausrüstungen, die die Spielweise mit dem Roboter drastisch verändern. Eben noch ein flinker Robot mit Schild und Raketen, schon ein feuerspeiendes Ungetüm oder ein bombenwerfender Stahlritter. Ganz einfach kann man jederzeit per Mausklick wechseln.

Das erinnert nicht von ungefähr daran, dass die Einzelspielerkampagne, so gut sie auch ist, nur das Vorspiel für die Multiplayergefechte sind, die man anschließend angehen sollte. Die sind - wie schon bei Titanfall 1 - fordernd, schnell und spannend. Bleibt zu hoffen, dass ihnen nicht wie bei Titanfall 1 auch schnell die Spieler ausgehen. Publisher EA und „Respawn“ haben sicherheitshalber bereits angekündigt, dass alle Erweiterungen, für die man bei nahezu jedem anderen Titel, der in diesem Jahr erscheint, schwer löhnen muss, bei „Titanfall 2“ kostenlos sein werden. Das ist nicht zu unterschätzen: Bei einem „Battlefield“ oder „Call of Duty“ kommen allein durch die Erweiterungen zum Preis von 70 Euro gut und gerne noch einmal 40 Euro dazu.

Fazit

Was für eine Überraschung! Nachdem „Titanfall 1“ mit seinem Multiplayer-Fokus nicht so recht mein Ding war, ist der Nachfolger für mich bislang die absolute Entdeckung des Spieleherbstes. Wo Battlefield 1 eine deprimierende Geschichtsstunde in matschgrau ist und mittlerweile auch der letzte schon beim Namen „Call of Duty“ ein Gähnen nicht mehr unterdrücken kann, ist „Titanfall 2“ ein charmantes, buntes, stellenweise wirklich lustiges Game, das man gern auch ein zweites Mal durchspielt. Und dessen Multiplayer es schafft, dass selbst Online-Muffel wie ich ein paar Runden auf den Karten drehen. Schade nur, dass „Titanfall 2“ genau zwischen „Battlefield 1“ und „CoD Infinite Warfare“ erscheint. Es besteht die Gefahr, dass die Titans zwischen den Giganten zerdrückt werden. Und das wäre jammerschade.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mit diesen Prepaid-Handytarife sparen Sie viel Geld

München - Wer auf der Suche nach einem günstigen Handy-Tarif ist, sollte die Angebote von Supermärkten und Discountern nicht vergessen. Allerdings haben Billigangebote …
Mit diesen Prepaid-Handytarife sparen Sie viel Geld

Zynga will mit "Dawn of Titans" Durststrecke beenden

Ein neues Spiel fürs Smartphone soll es richten: Der amerikanische Spielehersteller Zynga ist mit Spielen wie "Farmville" großgeworden. Und dann boomten Handyspiele. Das …
Zynga will mit "Dawn of Titans" Durststrecke beenden

Deutsche senden Weihnachtsgrüße am liebsten digital

Die Post hat vor Weihnachten offenbar nicht mehr ganz so viel zu tun. Denn laut einer Umfrage benutzen die Deutschen für ihre Grüße zum Fest lieber Messenger-Dienste. …
Deutsche senden Weihnachtsgrüße am liebsten digital

Wenn Spam persönlich wird: Geldwäschern auf der Spur

Unzählige Spam-Mails sind im Umlauf. Aber was, wenn plötzlich eine mit persönlicher Ansprache dabei ist? Mit Name, Adresse, Telefonnummer und einem Job-Angebot? Dann ist …
Wenn Spam persönlich wird: Geldwäschern auf der Spur

Kommentare