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Mark Zuckerberg will mit der Offline-Werbekampagne „Dein Facebook“ neue Zielgruppen erschließen.

Das Imageproblem einer Weltmarke

Das steckt wirklich hinter der neuen Facebook-Kampagne

München - Der Riesenkonzern Facebook schaltet erstmals Offline-Werbung - in Tageszeitungen, Zeitschriften und sogar auf Plakaten. Was will Zuckerberg damit bezwecken?

Auch rund 20 Jahre nach seiner Gründung gilt das soziale Netzwerk Facebook noch immer als eine der revolutionärsten und erfolgreichsten Innovationen der Geschichte - tatsächlich überlebte der unangefochtene Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken die größten Krisen (in Form von immer neuen Manipulationsvorwürfen und etlichen Datenschutz-Klagen, die irgendwann in stagnierenden Userzahlen gipfelten) relativ unbeschadet. Dass die schärfsten Konkurrenten wie Instagram oder Snapchat kurzerhand aufgekauft wurden, hat dazu sicher einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Gründer Mark Zuckerberg muss also eigentlich nicht um die bequeme Vormachtstellung seines riesigen Imperiums bangen. Doch trotz oder gerade wegen des ungebrochenen Einflusses des Konzerns, der ganz offensichtlich nach dem Motto „ohne Rücksicht auf Verluste“ gesichert wurde, hat die Marke Facebook durchaus gelitten und vor allem hierzulande an enormer Beliebtheit verloren. Hinzu kommt, dass die Deutschen nicht nur von Grund auf misstrauisch sind - sie haben auch ein völliges anderes Verständnis von Datenschutz als beispielsweise die US-Amerikaner, was die Skepsis gegenüber dem Portal zusätzlich verstärkt.

Die neue Kampagne: Eine überraschende Charme-Offensive

Um sein Image aufzupolieren und damit das Vertrauen seiner deutschen User zurückzugewinnen, setzt Facebook nun auf eine groß angelegte Werbekampagne. "Deutschland ist uns wichtig. Die Deutschen sind uns wichtig", erklärte ein Mitarbeiter dazu bei einer Vorabpräsentation. Deshalb habe man bei circa 850 Deutschen nachgefragt, um herauszufinden, mit welchen Schwierigkeiten Deutsche bei der tagtäglichen Facebook-Nutzung wirklich zu kämpfen haben. 

Bei der Kampagne greift der Konzern, der normalerweise mit hochmodernem Fortschritt punktet, überraschenderweise auf Offline-Methoden zurück: Ob in Tageszeitungen, Zeitschriften oder auf Plakaten - die Werbekampagne, die unter dem Motto „Mache Facebook zu deinem Facebook“ steht, ist allgegenwärtig. 

31 von den 850 befragten Gesprächspartnern avancierten dabei zu Protagonisten der Initiative: Da ist zum Beispiel eine hübsche junge Frau, die von Plakaten auf Passanten herabblickt und mit folgendem Satz zitiert wird: „Ich hab mal etwas gepostet, was ich nie, nie, nie hätten teilen sollen.“ Anschließend wird mit ein paar wenigen Worten erklärt, dass Inhalte auf Facebook ganz einfach, schnell und vor allem sicher gelöscht werden können. Auch eine bessere Kenntnis der Privatsphäre-Funktionen und die generelle Löschung des Kontos sind zentrale Themen der Kampagne.

Wichtige Fragen bleiben unbeantwortet

Die Botschaft dahinter ist simpel: Du kannst uns vertrauen, denn du hast die Kontrolle und entscheidest, was passiert. Bis zu einem gewissen Grad ist das natürlich sinnvoll, weil Fragen, die eine adäquate Facebook-Nutzung betreffen, nicht oft genug beantwortet werden können und es nicht schaden kann, hinreichend darüber informiert zu sein, wie wir uns schützen können. 

Trotzdem wirft der Konzern mit seiner Initiative zum jetzigen Zeitpunkt mehr Fragen auf, als dass er sie beantwortet: Wie kann es sein, dass eine nackte Brust von Facebook noch immer als schwerwiegenderer Verstoß gewertet wird als üble Nachrede in Form eines virtuellen Shitstorms? Wieso reagiert Facebook langsam oder gar nicht auf strafbare Posts? Wie viele deutsche Facebook-Mitarbeiter kümmern sich wirklich um gemeldete Hasskommentare? 

Ein Funken Hoffnung bleibt

Es sind jene Fragen, die enttäuschte Facebook-Nutzer wohl am meisten interessieren dürften - doch genau die fallen auch in der aktuellen Kampagne unter den Tisch. Damit verfestigt sich der Eindruck, dass Facebook mit dieser Initiative zwar versucht, sich von seinem unglaubwürdigen Image zu distanzieren, allerdings noch immer nicht begonnen hat, die eigentliche Ursache zu bekämpfen. 

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Kampagne deshalb nur ein schwacher Versuch der Ablenkung - doch es besteht noch Hoffnung: Facebook wurde in Anlehnung an die aktuelle Kampagne bereits mit schweren Vorwürfen konfrontiert, woraufhin erklärt wurde,dass man mit der Kampagne erst am Anfang stehe. Natürlich wolle man sich in Zukunft ausgiebig mit Aspekten wie wie Hassrede, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auseinandersetzen - aber das Thema sei eben sehr komplex.

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