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Wandern statt abfahren: In vielen deutschen Skigebieten herrscht Schneemangel.

Cocktail statt Glühwein

Der Kalender sagt: Winter. Der Blick nach draußen zeigt: grüne Hänge. Nichts ist’s mit Skifahren vor der Haustür und so müssen in den meisten deutschen Skigebieten wegen fehlendem Weiß kurzerhand Alternativen her.

Sommerrodeln statt Schlittenfahren, Schnee auf dem Bildschirm statt unter den Skiern und Caipirinha statt Glühwein – so sieht es derzeit in manch’ einem deutschen Skigebiet aus. Das Wetter tut sein Bestes, um Winterurlaubern den Spaß zu verderben. Doch Tourismuszentren und Skibetreiber halten dagegen: Sie haben Alternativen in petto.

Am Brocken im Harz zum Beispiel haben die Winterurlauber die zahlreichen Wanderwege für sich entdeckt. „Anstatt Glühwein müssten wir Caipirinha servieren“, sagt Gerhard Müller, der Betreiber der Skiarena Silbersattel im Thüringer Wald. „Damit die Gäste wenigstens ein bisschen Eis kriegen.“ Dabei ist sogar eine von insgesamt acht Pisten geöffnet – Kunstschnee sei Dank. Allerdings kommen statt rund 1500 Besucher pro Tag im Moment nur etwa 100. Für sie hat sich Müller etwas Besonderes ausgedacht: In einem Panoramazelt flirren Bilder von verschneiten Landschaften über den Bildschirm – digitaler Ersatz für den analogen Schneemangel.

In Hessen laufen wegen des milden Wetters im größten Skigebiet des Bundeslandes in Willingen und auf der Wasserkuppe in der Rhön die Sommerrodelbahnen. Die Lifte sind zwar auch geöffnet, sie bringen allerdings nur Wanderer auf den Berg. Die Skihütten sind trotzdem voll – Après Ski ohne Skifahren. Selbst auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe (950 Meter), liegt derzeit kein Schnee. Die Gäste können nur mit der Sommerrodelbahn Rhönbob den Berg hinunterrasen. Als Alternative veranstaltet das Rhön-Info-Zentrum in Gersfeld zunehmend Sturm- und Nebelwanderungen.

Im ostdeutschen Ski-Mekka Oberwiesenthal im Erzgebirge verleiht Eckhard Gahler Rollski. „Das ist ja ähnlich wie Skaten, wie mit den Inlinern, bloß halt mit Stecken.“ Normalerweise halten sich so die Biathleten und Langläufer im Sommer fit.

Und wie sieht es im nordrhein-westfälischen Winterberg aus? Regenwetter, sechs Grad plus und der Lift läuft. Allerdings nur einer. Talwärts geht es für Skifahrer und Snowboarder nur auf einem von Tag zu Tag schmaler werdenden Kunstschnee-Streifen. Für die Gäste lässt man dort das Sommerprogramm weiterlaufen: geführte Wanderungen, Sommerrodelbahn und Fahrrad-Verleih. Trotz Alternativprogramm in den Skigebieten rund um Winterberg sind durch den fehlenden Schnee 2,5 Millionen Euro Umsatz-Einbußen entstanden, weil kaum Tagesgäste kamen.

Im Bilsteintal in Warstein profitiert man währenddessen vom bisher grünen Winter. „Im Vergleich zu schneereichen Wintern haben wir zurzeit ein Vielfaches an Besuchern“, sagte Stefan Enste von der Bilsteinhöhle, einem Höhlensystem im Naturpark Arnsberger Wald.

Hunderte Kilometer weiter südlich, im Schwarzwald, ist die Wetterlage ähnlich. Einzig in den Höhenlagen über 1200 Metern um den Feldberg lassen sich hier Skier und Snowboard unter die Füße schnallen. „Alle wollen in den Schnee“, sagt Volker Haselbach von der Hochschwarzwald Touristik GmbH. „Entsprechend viel ist hier in diesen Tagen los.“

Schwieriger sei es für die niedriger gelegenen Wintersportorte. „In Hinterzarten hat kein Lift geöffnet und kein Meter Loipe ist gespurt“, sagte Haselbach. Nicole Stichling von der Baiersbronn Touristik macht der fehlende Schnee kreativ: „Es gibt dann eben Fackel- statt Schneeschuhwanderungen.“ Und: „Pferde kann man ja nicht nur vor den Schlitten spannen, auch eine Kutschfahrt hat ihren Reiz. Und der Ausblick auf Wälder und Seen ist zu jeder Zeit schön.“

Solch’ Optimismus ist gut, denn die Aussichten für die kommenden Tage bleiben für die Skigebiete relativ hoffnungslos. Laut Deutschem Wetterdienst in Offenbach sollen in der Nacht zum Sonntag einige Flocken im Bergland fallen. Zum Skifahren reicht das aber nicht.

Lea Sibbel

So schaut es in den bayerischen Skigebieten aus

In vielen deutschen Wintersportgebieten sind die Pisten grün - in Bayern dagegen sind die Bedingungen ordentlich. Folgende Skigebiete melden laut der Internet-Seite www.skiresorts.de geöffnete Lifte:

OBERBAYERN Bayrischzell/Sudelfeld, Garmisch-Classic, Gmund-Ostin/Ödberg, Inzell, Königssee, Kreuth, Lenggries-Brauneck, Mittenwald, Oberammergau/Kolbensattel, Oberau/Rossfeld, Oberaudorf/Hocheck, Obersalzberg, Rottach-Egern/Wallberg, Spitzingsee-Tegernsee, Unterammergau/Steckenberg, Unternberg/Ruhpolding, Waidring/Steinplatte-Reit im Winkl/Winklmoosalm, Zugspitze.

ALLGÄU Balderschwang, Bolsterlang/Hörnerbahn, Eschach, Fischen, Grasgehren, Jungholz, Nesselwang/Alpspitze, Oberjoch/Bad Hindelang, Oberstaufen, Oberstdorf/Fellhorn/Nebelhorn/Kanzelwand/Söllereck, Steibis, Ofterschwang, Pfronten/Steinach, Rettenberg/Grünten.

BAYERISCHER WALD Großer Arber, Bischofsmais/Geisskopf, Hauzenberg, Mauth-Finsterau, Mitterfirmiansreuth-Mitterdorf, Neuschönau-Waldhäuser, Zwiesel.

HALLENSKI In Deutschland gibt es überdies mehrere Hallen, in denen ganzjährig Ski gefahren werden kann, wie beispielsweise in Bispingen im Snow Dome, im Alpincenter Bottrop, in der Jever Fun Skihalle in Neuss und in SnowTropolis in Senftenberg

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