Durchblick auf der Piste: Beate Winterer testet die Datenskibrille am Hochkönig.
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Durchblick auf der Piste: Beate Winterer testet die Datenskibrille am Hochkönig.

Digitaler Skiguide

Mit der Wunderbrille auf der Piste

Die GoPro auf dem Helm, den Chip-Skipass in der Jacke: Seit Jahren lassen sich Ausrüster und Skigebiete immer neue Hightech-Ausrüstung einfallen...

...um das Skifahren bequemer und spannender zu machen. Der neuste Trend: die Datenskibrille. Als erster europäischer Verbund hat Ski amadé eine App dafür entwickelt. Unsere Autorin Beate Winterer hat die Wunderbrille am Hochkönig getestet.

Es ist 10.08 Uhr, als ich an der Bergstation Mühlbach aus der Gondel steige. Die Temperatur liegt bei minus sechs Grad. Es weht ein Westwind mit 19 Kilometern pro Stunde. Woher ich das weiß? Unter meinem Helm sitzt die neueste Technik: eine Datenskibrille. Dank eines GPS-Senders weiß sie, wo ich bin und versorgt mich mit Infos. Ich teste die Erfindung am Hochkönig. Denn der Verbund Ski amadé im Salzburger Land ist der erste in Europa, der die Datenbrille mit einer App um Auskünfte über das Skigebiet ergänzt.

Ich will mich von diesem System über die 32 Kilometer lange Königstour führen lassen. Meine erste Anlaufstelle ist die Gondel Kings Cab. Über die Fernbedienung an meinem Arm starte ich die Ski amadé App. Dank der großen Tasten lässt sich die Steuerung auch mit Handschuhen bedienen. Im rechten unteren Eck meiner Brille erscheint ein Menü mit Pisten, Liften und Hütten. Ich klicke mich zur Kings Cab durch. Auf dem Display erscheint ein Pfeil nach links und die Angabe „1,5 Kilometer“.

Doch links von mir ist Wald. Die Brille zeigt lediglich an, in welcher Richtung das Ziel liegt und nicht den Weg dorthin. „Wir haben uns gegen eine klassische Navigation entschieden. Es bestünde die Gefahr, dass jemand zu früh oder zu spät abbiegt und von der Piste abkommt“, erklärt Manuel Schnell, der bei Ski amadé für IT-Projekte verantwortlich ist.

Er hat die Daten aus der Handy-App für die Datenbrille aufbereiten lassen. Mit 500 bis 700 Euro ist das System für die meisten Sportler jedoch ein zu teuerer Spaß. Deshalb verleihen 20 Intersport-Filialen die Brillen für 19 Euro pro Tag. Ganz ohne analoge Wegweiser und Pläne kommt das Wundergerät aber nicht aus. Zum Glück ist der Weg zur Kings Cab einfach. Ich schnalle meine Brettl an und fahre los.

Nach wenigen Schwüngen wechselt die Anzeige auf dem Bildschirm. Jetzt sehe ich einen Tacho: 24 Stundenkilometer. Ich habe mich immer gefragt, wie schnell ein Skifahrer unterwegs ist. Ich lasse die Ski laufen. Die Anzeige klettert bis auf 52. Selbst auf Ziehwegen schaffe ich Tempo 30 – obwohl ich mir furchtbar langsam vorkomme. Wenn ich nach vorne schaue, lenkt der Bildschirm überhaupt nicht ab.

Ganz ungefährlich ist die Funktion trotzdem nicht. Als ich höre, dass der Tacho ab 60 rot wird, gehe ich auf flach auslaufenden Pisten in Hocke, um den Schwung mitzunehmen. Der Blick klebt am Display: 57, 58, 59, 57, 54 ... Knapp gescheitert. Erst an der Liftstation fällt mir auf, dass ich kaum auf die Piste geachtet habe.

Bevor ich einen Sturz riskiere, kehre ich in die Steinbockalm ein, laut Brille sechs Kilometer entfernt. Sie besteht aus zwei urigen Hütten, die mit einem modernen Bau verbunden sind. Durch die hohen Scheiben entsteht drinnen das Gefühl, mitten auf der Piste zu sein. Auf der Speisekarte stehen Klassiker wie Kasnockn und Germknödel, aber auch Pizza und Burger. Unbedingt Platz für eine Nachspeise lassen. Die Buchteln schmecken wunderbar.

Nach so deftigem Essen muss ich mich ausruhen. Mit Hilfe der Skibrille suche ich nach dem nächsten Fünf-Sinne-Punkt und finde ihn in Hintermoos. Zeit für Erinnerungsfotos. Am Aussichtspunkt steht eine Bank mit Bilderrahmen. Sechs solcher Logenplätze bietet das Skigebiet. Sie eignen sich auch für ein Sonnenbad.

Zu lang hält es mich nicht dort. Schließlich gibt es auf den Pisten einiges zu entdecken. Voll wird es nicht so schnell. Viele Abfahrten kommen mir breiter vor als in anderen Skigebieten. Am Rand ist oft ein Streifen für Tiefschneefahrer unpräpariert.

Im Tal klicke ich mich durch die Aufzeichnungen auf meiner Datenbrille. 33,9 Pistenkilometer habe ich zurückgelegt und 6203 Höhenmeter überwunden. Und ohne es zu bemerken, doch noch die 60-Stundenkilometer-Marke geknackt. Tempo 61 steht da als Höchstgeschwindigkeit.

So funktioniert die Datenskibrille

Das kleine Modul mit Display ist unten rechts in die Skibrille eingebaut. Durch die Nähe zum Auge lässt sich die Anzeige gut lesen.

Die Datenskibrille (Smart Goggles) ist mit GPS-Sender, WLAN und Bluetooth ausgestattet, um Informationen zu empfangen. Skifahrer können damit in jedem Skigebiet Wetterbericht, Geschwindigkeit und Höhenmeter abrufen.
Der Skitag kann direkt auf Facebook gepostet werden. Außerdem lässt sich die Brille mit dem Smartphone verbinden. Dann werden auf dem Bildschirm eingehende Nachrichten oder die Playlist angezeigt. Der Akku hält bei Kälte etwa sechs Stunden. Wer die Brille über eine USB-Schnittstelle an den Computer anschließt, erhält auf der Seite des Herstellers Recon Instruments Statistiken und Höhenprofile. Eine Datenskibrille mit Recon-Modul kostet etwa 500 bis 700 Euro. Der Mini-Computer kann für rund 350 Euro auch einzeln gekauft und in Brillen verschiedener Hersteller eingebaut werden, die den Hinweis „Recon Ready“ tragen.

Beate Winterer

Die Reise-Infos zum Skigebiet Hochkönig

Das Hotel Bergheimat.

Skigebiet: Das Skigebiet Hochkönig besteht aus den Orten Mühlbach, Dienten und Maria Alm und liegt auf 900 bis 1900 Metern. Die 120 Pistenkilometer verteilen sich auf 55 Kilometer blaue, 44 Kilometer rote und 21 Kilometer schwarze Abfahrten. Highlight ist die 32 Kilometer lange Königstour, auf der 6700 Höhenmeter überwunden werden. Der Hochkönig gehört zum Salzburger Skiverbund Ski amadé, der aus fünf Regionen mit 760 Pistenkilometern besteht. Ein Tagesskipass für den Hochkönig kostet für Erwachsene 46,50 Euro, für Jugendliche (bis Jahrgang 1996) 35,50 Euro und für Kinder (bis Jahrgang 1999) 23,50 Euro. Mehrtageskarten sind für das gesamte Gebiet von Ski amadé gültig.

Anreise: Das Skigebiet Hochkönig ist von München in rund zwei Stunden mit dem Auto zu erreichen. Wer mit dem Zug anreisen möchte, nimmt den EC nach Bischofshofen und von dort den Bus oder ein Taxi zum Skigebiet. Die Hin- und Rückfahrt mit der Bahn gibt es als Europa-Spezial ab 38 Euro.

Kulinarisch: Die Hüttenvielfalt am Hochkönig ist groß. Von der Aprés-skiSchirmbar bis zur Gourmethütte ist im Skigebiet alles zu finden. Ski amadé vergibt den Titel Genuss-Partner an Hütten mit Bedienung, regionalen Schmankerln und einer hochwertigen Weinauswahl. Am Hochkönig tragen Steinbockalm, Wiesenstadl, Karbachalm und Tiergartenalm diese Auszeichnung.

Wohnen: Am Hochkönig gibt es 16 Hotels mit vier und 25 Hotels mit drei Sternen. Wer günstiger übernachten möchte, findet aber auch eine große Auswahl an Ferienwohnungen, Frühstückspensionen und Bauernhöfen.

Hoteltipp: Das Hotel Bergheimat liegt in Mühlbach auf 1200 Meter, abseits der anderen Hotels. Einige Zimmer sind mit Kachelöfen ausgestattet. Ein Linienbus bringt die Urlauber ins Skigebiet. Am Ende des Tages können sie im Wellnessbereich mit Sauna entspannen. Übernachtung mit Frühstück, Nachmittagsjause und Abendmenü ab 102 Euro pro Person. Info und Buchung unter Telefon 0043/64 67 72 26 oder im Internet www.bergheimat.com.

Mehr Infos: Hochkönig Tourismus in Maria Alm, Telefon 0043/6 58 42 03 88, Internet www.hochkoenig.at. Ski amadé: Telefon 0043/6452/403 33 60, Internet www.skiamade.com.

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