Frauke Petry findet Bernd Luckes Rückzug konsequent. Foto: Maja Hitij/Archiv
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Frauke Petry findet Bernd Luckes Rückzug konsequent.

Massenhafte Mitglieder-Flucht

Nach Lucke-Rückzug: AfD-Chefin Petry tritt nach

Berlin - Nimmt der AfD-Gründer Bernd Lucke nach seinem Austritt ein neues Parteiprojekt in Angriff? Rivalin Frauke Petry findet seinen Schritt konsequent - und greift Lucke noch einmal an.

AfD-Gründer Bernd Lucke lässt weiterhin offen, ob er eine neue Partei gründet. Er wolle den Schritt „nicht übers Knie brechen“ sagte Lucke am Donnerstag dem Sender MDR-Info. „Zur Zeit treten die Mitglieder scharenweise aus der AfD aus. Je stärker dieser Exodus ist, desto wahrscheinlicher wird die Gründung einer neuen Partei.“

Seine Mitstreiter haben dazu eine Umfrage in dem von Lucke mitbegründeten Verein "Weckruf 2015" gestartet. Deren Ergebnisse sollen am Donnerstag vorliegen. Der parteinahe Verein hat derzeit etwa 4000 Unterstützer. Er war im Mai als Reaktion auf rechte Strömungen in der Partei entstanden.

Massenhafte Mitglieder-Flucht bei AfD

Vor dem Parteigründer hatten zahlreiche Mitglieder von Landesvorständen und mehrere AfD-Landesvorsitzende ihren Austritt angekündigt. Nach Auskunft der Bundesgeschäftsstelle vom Mittwoch traten nach dem Parteitag rund 600 der zuletzt rund 21 000 Mitglieder aus der AfD aus.

Eine Gruppe von AfD-Mitgliedern aus dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf erklärte am Donnerstag den Bruch mit der Partei. In einer Erklärung hieß es: „Die AfD ist nicht mehr die Partei, für die wir uns begeistert und eingesetzt haben.“ Man hoffe auf einen Neuanfang gemeinsam mit Lucke außerhalb der Alternative für Deutschland.

Auch mehrere Unternehmer gaben ihren Rückzug aus der 2013 gegründeten Partei bekannt. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ wollen unter anderem der Gründer der auf Außenwerbung spezialisierten Wall AG, Hans Wall, und der Aufsichtsratschef der Nanofocus AG aus Oberhausen, Hans Hermann Schreier, die Partei verlassen.

Petry: Lucke-Austritt konsequent

AfD-Chefin Frauke Petry hofft nach dem Rückzug von Parteigründer Bernd Lucke auf eine Befriedung der zerstrittenen Alternative für Deutschland. "Wenn durch den Austritt die Streitigkeiten jetzt beigelegt werden können, ist das genau das richtige Signal für uns", sagte Petry der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. "Der Austritt ist nur konsequent." So sieht das auch Hamburgs AfD-Vorsitzender und -Fraktionschef Jörn Kruse. Durch Luckes Abwahl und den Rechtsruck sei die Partei eine völlig andere geworden, so der erklärte Lucke-Anhänger.

Nach seiner Abwahl als AfD-Vorsitzender auf dem Bundesparteitag in Essen hatte Lucke am Mittwochabend seinen Parteiaustritt angekündigt. Die Partei sei "unwiederbringlich in die falschen Hände gefallen", sagte er mit Blick auf den am Wochenende verlorenen Machtkampf mit dem nationalkonservativen Flügel. Über die mögliche Gründung einer neuen Partei habe er noch nicht entschieden, erklärte der 52-jährige Europaabgeordnete.

Zu den Gründen für seinen Austritt sagte Lucke, er wolle nicht als "bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht werden", die er aus tiefster Überzeugung ablehne. Zu diesen Vorstellungen, die in der AfD inzwischen weit verbreitet seien, zählten eine antiamerikanische Grundhaltung, ausländerfeindliche Ansichten und fundamentale Systemkritik.

Petry zeigte sich empört über diese Äußerungen. "Ich empfinde es als anmaßend, dass er die verbleibende AfD ins antibürgerliche Lager stellen will." Der dpa sagte sie weiter, Lucke habe seinen Austritt und auch die Neugründung einer Partei schon mit Gründung des "Weckruf"-Vereins vorbereitet.

Die nationalkonservativen Kräfte in der AfD hatten sich auf dem Parteitag in Essen klar durchgesetzt. Lucke gehört dem neuen Bundesvorstand nicht mehr an. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberalkonservative Ansichten steht.

Gauland prophezeit Einbrüche bei kommenden Wahlen

Der zum Petry-Lager zählende AfD-Vize Alexander Gauland kritisierte Lucke. Dieser sei "wirklich kein guter Parteiführer", sagte der Brandenburger Landesvorsitzende. "Er hat nur immer sich im Mittelpunkt gesehen und nicht die Partei, und dieser Fehler wird ihm wahrscheinlich auch wieder passieren, wenn er eine neue Partei gründet."

Gauland erwartet nach dem Rückzug von Parteigründer Bernd Lucke kurzfristige Rückschläge. „Es wird eine Delle, es wird einen gewissen Einbruch geben bei den Wahlen“, sagte Gauland am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Aber es hat auch einen Vorteil: Dass die Partei jetzt sozusagen geschlossener auftritt. Und von daher kann es auch sehr positive Effekte haben.“ Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an.

„Bei 20 000 Leuten würde ich nicht für jeden die Hand ins Feuer legen“, sagte Gauland. „Aber entscheidend ist doch: Die Parteiführung und die Gesamtpartei sind weder islamfeindlich noch rechtsradikal noch sonst irgendwas.“ Wenn eigene Leute wie Lucke den Vorwurf verbreiteten, könne er anderen und Journalisten keinen Vorwurf machen, wenn sie diese aufgriffen. Das nenne man Selbstzerstörung.

Video-Ausschnitt Bundesparteitag Essen

Homepage AfD Bremen

Lucke im Europäischen Parlament

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