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Konrad Adam (l.), Frauke Petry und Bernd Lucke (r.) auf dem Gründungsparteitag der AfD im Jahr 2013.

Kritiker treffen sich mit Lucke

Öffentlicher Streit: AfD-Spitze zieht Reißleine

Berlin - Ein schriller Führungsstreit droht der AfD nach dem Aufstieg des Vorjahres die Wahlen in Hamburg und Bremen zu verhageln. Nun zieht die Parteispitze die Reißleine - man will noch mal miteinander reden.

Die Parteispitze der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) will sich nach ihrem öffentlich ausgetragenen Machtkampf wieder zusammenraufen. „Bei einer Telefonkonferenz wurde besprochen, dass man sich noch vor der für den 18. Januar geplanten Kreisvorsitzenden-Konferenz treffen will“, sagte AfD-Sprecher Christian Lüth am Montag.

Auslöser des auch ins Persönliche gehenden Streits war ein Vorstoß von AfD-Parteichef Bernd Lucke. Er hatte gegen den Willen einiger Mitglieder des Bundesvorstands für den 18. Januar nach Frankfurt/Main eingeladen, um noch vor dem Bremer Parteitag Ende Januar über geplante Satzungsänderungen zu sprechen. Lucke will so erreichen, dass die AfD künftig nicht mehr drei, sondern nur noch einen Vorsitzenden hat - nämlich ihn selbst.

Das missfällt den bisherigen Co-Parteichefs Konrad Adam und Frauke Petry sowie dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Alexander Gauland. Adam sprach vor der Telefonkonferenz von einer brisanten Stimmung in der Partei. „Das ist riskant, das kann das Fass auseinanderreißen“, sagte er den Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“. In einem Schreiben an Lucke hatten sich Petry, Adam und andere Unterzeichner beschwert über Luckes Führungsstil „nach Gutsherrenart“ sowie dessen Versuche, Parteifreunde „auf Linie zu bringen“.

Die sächsische AfD-Fraktionschefin Petry sagte der „Saarbrücker Zeitung“, sie hoffe, dass Lucke auch weiter dabei sei. „Das möchte ich. Ich wünsche mir umgekehrt, dass er auch diejenigen, die die Partei ebenso mitgeprägt haben, mehr respektiert.“

Liberale AfD-Mitglieder befürchten, dass die Partei ohne Lucke weiter nach rechts abdriften könnte. So war Brandenburgs AfD-Vorsitzender Gauland am Rande einer Demonstration der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Dresden aufgetreten. Petry hat für diesen Mittwoch (7.) die Pegida-Organisatoren zu einem Gedankenaustausch in ihr Büro im Dresdner Landtag eingeladen.

Henkel sieht keinen Rechtsruck der AfD

Die AfD war mit Erfolgen in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und bei der Europawahl der Polit-Aufsteiger des Jahres 2014. Auch bei den diesjährigen Landtagswahlen in Hamburg und Bremen hofft die neue Partei auf den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.

Der stellvertretende AfD-Sprecher Hans-Olaf Henkel will, dass Lucke alleiniger Parteichef wird. „Ausgelöst wurde der Ärger von den beiden Mit-Sprechern, die um ihren Einfluss bangen“, sagte Henkel dem „Handelsblatt“ (Dienstag) mit Blick auf Petry und Adam. Er wies den Eindruck zurück, dass die AfD nach rechts gerückt sei. Er kämpfe für ein liberales Programm, sagte der frühere Industrie-Präsident.

Gauland erwartete vor der Telefonkonferenz keinen Rücktritt Luckes wegen des Machtkampfs. Das seien Drohgebärden. „Wir wollen ja mit ihm weiterarbeiten“, sagte er im ZDF und fügte hinzu: „Wir halten es für falsch, dass Bernd Lucke die Spitze verengen will, während wir die Themen an der Basis verbreitert haben.“

Der Hamburger AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sei sauer über den öffentlichen Streit. „Wir haben dadurch sicherlich Nachteile im Wahlkampf.“ Kruse unterstützte Luckes Kurs: „Ich würde mir wünschen, dass er den alleinigen Vorsitz übernimmt.“

dpa

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