In der AfD fliegen hin und wieder auch die Fetzen. Allerdings herrscht vor den Landtagswahlen eine ungewohnte Einigkeit.
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In der AfD fliegen hin und wieder auch die Fetzen. Allerdings herrscht vor den Landtagswahlen eine ungewohnte Einigkeit.

Streithähne vermeiden aufeinandertreffen

AfD: Wie Streitigkeiten vermieden werden

Berlin - „Alles, nur kein Streit“, lautet die Losung bei der AfD im Endspurt vor den drei Landtagswahlen. Das klappt trotz einiger Irritationen ganz gut. Dahinter steckt ein einfaches Erfolgsgeheimnis.

Politiker der AfD wittern an jeder Ecke Verschwörer, die mit schmutzigen Tricks versuchen, den kometenhaften Aufstieg ihrer Partei zu bremsen. Dabei haben die vergangenen zwölf Monate gezeigt: Oft sind es die eigenen Spitzenfunktionäre, die mit schrillen Äußerungen und internem Streit den größeren Flurschaden anrichten. Um den von Wahlforschern prognostizierten Erfolg der Alternative für Deutschland nicht zu gefährden, haben die Streithähne beschlossen, einander bis zu den drei Landtagswahlen an diesem Sonntag aus dem Weg zu gehen.

Wie Parteisprecher Christian Lüth bestätigt, hat es seit dem 15. Januar keine Sitzung des AfD-Bundesvorstandes mehr gegeben. Das nächste Treffen der Führungsriege in Berlin soll wohl am Freitag nach dem Wahlsonntag stattfinden.

Auch im Wahlkampf wurden brisante Konstellationen bewusst vermieden. Das bedeutet: Die Parteivorsitzende Frauke Petry tourte zwar fleißig durch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. In Sachsen-Anhalt, wo ihr rechtsnationaler Gegenspieler - der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke - eine große Anhängerschaft hat, ließ sich Petry dagegen nicht blicken.

Meuthen und Petry meiden Höcke

Auch der zweite Parteichef, Jörg Meuthen, geht Höcke aus dem Weg. Meuthen ist Spitzenkandidat der AfD in Baden-Württemberg. Der Professor für Volkswirtschaft gilt als bürgerlich-liberales Aushängeschild seiner Partei. Bei den wenigen Auftritten, die Höcke in Baden-Württemberg absolvierte, ließ sich Meuthen nicht blicken. Er hatte sich in den vergangenen Wochen über „inakzeptable“ Äußerungen Höckes beklagt. Seine Gegner werfen ihm allerdings vor, er distanziere sich immer nur sehr vorsichtig von den AfD-Hardlinern.

„Der Meuthen, der steht doch für gar nichts, der steht nur für sich selbst“, ätzt Hans-Olaf Henkel. Der frühere Industriefunktionär ist ehemaliges AfD-Mitglied und heute Mitglied der von Erfolglosigkeit geplagten neuen Partei Alfa.

Bis zum Wahlabend wird der Burgfrieden der AfD-Spitze wohl halten. Dafür sorgt schon die feinjustierte Aufteilung des Führungspersonals auf die verschiedenen Standorte. Der mächtige Vize-Parteichef Alexander Gauland aus Brandenburg folgt einer Einladung Meuthens zur Wahlparty in Stuttgart. Petry will zusammen mit den beiden Bundesvorstandsmitgliedern Beatrix von Storch und Georg Pazderski in Berlin auf die ersten Hochrechnungen warten. Höcke wird zur Wahlparty in Magdeburg erwartet. Hier ist André Poggenburg Spitzenkandidat, der 2015 gemeinsam mit Höcke den rechtsnationalen „Flügel“ der AfD gegründet hatte.

Führende AfD-Politiker sind sauer auf Petry

Dass es vor dem Mitgliederparteitag Ende April noch einmal gehörig krachen wird, ist allerdings nicht ausgeschlossen. Denn einige führende AfD-Politiker sind wütend auf Petry. Sie sagen, nach den Äußerungen der Parteichefin über einen möglichen Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge an der Grenze hätten einige Landesverbände Mitglieder verloren.

Allerdings hegen einige AfD-ler die leise Hoffnung, dass der von Wahlforschern prognostizierte Erfolg bei den Landtagswahlen die Wogen glätten könnte. Für Baden-Württemberg werden der AfD elf Prozent vorhergesagt, in Rheinland-Pfalz neun. In Sachsen-Anhalt lagen die rechten „Alternativen“ zuletzt knapp unter 20 Prozent.

Zwei Dinge schaden der AfD

Carsten Koschmieder, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, glaubt, dass Vorwürfe des politischen Gegners der AfD derzeit kaum schaden können. Er sagt: „Damit verunsichert man vielleicht einige bürgerliche Protestwähler.“ Würden diese Vorwürfe als überzogen wahrgenommen, förderten sie dagegen eher noch die „Wagenburgmentalität“ der AfD-Anhänger.

Wirklich schädlich seien für die AfD dagegen vor allem zwei Dinge: Interner Streit und glaubwürdig belegte Berichte über berufliche oder private „Verfehlungen“ - von den unbezahlten Rechnungen des Geschäftsmannes Poggenburg bis zur Liebesbeziehung zwischen Petry und dem Vorsitzenden der AfD in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell.

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