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Riesige Anteilnahme: Papst Franziskus rief bei James Foleys Eltern an und bekundete sein Beileid.

E-Mail der IS veröffentlicht

James Foley: Papst ruft Eltern an

Washington - Die Anteilnahme am Tod des enthaupteten US-Journalisten ist riesig: Jetzt wurde bekannt, dass Papst Franziskus bei Foleys Eltern anrief und sein Beileid aussprach.

Papst Franziskus hat am Donnerstagabend die trauernden Eltern des getöteten US-Reporters James Foley angerufen und ihnen seine Anteilnahme ausgedrückt. Beeindruckt gewesen sei der Papst bei dem Gespräch von dem starken Glauben, den die katholische Mutter Foleys bewiesen habe, teilte der Vatikan am Freitag mit. Franziskus sprach in Englisch und Spanisch auch mit dem Vater und einem weiteren Familienangehörigen. Alle hofften, dass solche tragischen Ereignisse sich nicht wiederholten. Auch der getötete Reporter war gläubig. Er hatte bei Jesuiten studiert.

Foley war vor laufender Kamera von Dschihadisten im Irak enthauptet worden. Die Ermordung des US-Journalisten zeigt das Dilemma der westlichen Staaten im Umgang mit derartigen Geiselnahmen: Durch die Ablehnung von Lösegeld-Zahlungen wie im Falle Foleys riskieren Staaten wie die USA das Leben ihrer Landsleute. Andere Länder wie Frankreich zahlen hingegen hohe Summen und finanzieren damit die brutalen Islamisten-Gruppen - und ermutigen sie zu weiteren Entführungen.

Die USA und Großbritannien haben schon vor langem beschlossen, jegliche Geldzahlungen für verschleppte Landsleute abzulehnen. Frankreich bestreitet solche Zahlungen zwar offiziell, zahlt aber - oft über Vermittler - tatsächlich hohe Lösegelder.

Im Falle von Foley hatte dessen Familie nach Monaten der Ungewissheit per E-Mail eine schwindelerregend hohe Lösegeldforderung erhalten: 100 Millionen Dollar (umgerechnet rund 75 Millionen Euro), wie es aus Kreisen von Unterhändlern heißt, die an den Versuchen beteiligt waren, den im November 2012 im Nordwesten Syriens verschleppten US-Bürger freizubekommen. Die US-Regierung blieb hart: Eine Zahlung kam nicht in Frage, es wurde sogar verboten, überhaupt darüber zu verhandeln.

Letzte Mail der IS-Terroristen am 13. August

Die Familie des Journalisten erhielt diesen Angaben zufolge am 13. August die letzte Nachricht von den Entführern. Darin kündigen die Extremisten die Bluttat als Vergeltung für die US-Luftangriffe im Nordirak an. Das berichtete die amerikanische Nachrichtenseite Globalpost am Donnerstagabend (Ortszeit).

Der getötete US-Fotograf James Foley

Die Familie habe der Veröffentlichung zugestimmt, schreibt die Nachrichtenseite. Die Mail sei als „Botschaft an die amerikanische Regierung“ deklariert. Darin heiße es: „Ihr habt viele Möglichkeiten bekommen, über die Freilassung eurer Bürger gegen Geldtransaktionen zu verhandeln, so wie es andere Regierungen akzeptiert haben.“ Weniger als eine Woche später wurde das grausame Video mit der Enthauptung Foleys ins Internet gestellt.

"Washington kann über andere Sachen verhandeln, das hat man kürzlich in Afghanistan gesehen, wo sie im Austausch gegen einen gefangenen Soldaten Guantanamo-Häftlinge freigelassen haben", berichtet Alain Chouet, der früher beim französischen Auslandsgeheimdienst leitend tätig war. Bei Geld aber seien die Amerikaner wie die Briten und Israelis unnachgiebig.

"In jedem Fall sind die Geiseln ein echtes Dilemma", fügt Chouet hinzu. Einerseits müssten die eigenen Landsleute beschützt werden, andererseits würden die Bürger der Staaten weniger zum Ziel, die nicht zahlten. "Wir aus den Ländern, die zahlen, werden manchmal von den Terrorbewegungen als die Melkkühe angesehen."

120 Millionen Dollar Lösegeld für Terroristen - in acht Jahren

Bei einer Konferenz in London im Jahr 2012 hatte der Terrorismusexperte im US-Finanzministerium, David Cohen, den Betrag auf 120 Millionen Dollar (rund 90 Millionen Euro) geschätzt, der zwischen 2004 und 2012 weltweit als Lösegeld an Terrorgruppen gezahlt worden sei. "Die Zahlung von Lösegeld führt zu neuen Entführungen, und neue Entführungen haben neue Lösegeldzahlungen zur Folge, stärken die terroristischen Organisationen", mahnte er. "Der Teufelskreis muss durchbrochen werden." Geiselnehmer würden bei der Auswahl ihrer Opfer teils berücksichtigen, ob ein Land bezahlt oder nicht.

Der Unterschied wird freilich auch bei den Geiseln selbst spürbar. Der französische Journalist Nicolas Hénin, der zusammen mit Foley in Syrien Geisel war und freikam, hebt hervor, den Entführten aus Ländern wie den USA sei "bewusst, dass ihr Fall schwieriger ist". Eine andere französische Ex-Geisel, die anonym bleiben will, fügt hinzu: "Bei ihnen ist die Angst sehr viel größer."

Eine einheitliche Linie der westlichen Staaten bei Lösegeld-Forderungen verlangt der US-Journalist David Rohde, der 2009 monatelang in der Gewalt der Taliban in Afghanisten war und schließlich flüchten konnte. In der Wochenzeitschrift "The Atlantic" schrieb er nun, der Tod Foleys zeige, dass der unterschiedliche Umgang der USA und europäischer Länder mit Lösegeld-Forderungen "die europäischen Geiseln rettet, den amerikanischen aber keine Chance lässt".

Um dennoch ihren Einsatz für eine Rettung Foleys nachzuweisen, machte die US-Regierung am Mittwoch publik, dass ein Befreiungsversuch für den US-Journalisten im Sommer unternommen worden war. Die Aktion von US-Elitesoldaten scheiterte: Die Geiseln waren nicht mehr an dem erwarteten Ort.

USA wollte Foley und weitere Geiseln befreien

Eine Befreiungsaktion des US-Militärs zur Rettung Foleys und weiterer Geiseln in der Hand der Islamisten war kürzlich gescheitert. Spezialeinheiten hätten bei dem "kürzlichen" Einsatz keine Geiseln gefunden, teilte Pentagonsprecher John Kirby in der Nacht zum Donnerstag mit. Zu der Befreiungsaktion sei es "in diesem Sommer" gekommen, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Regierungskreise, die "New York Times" sprach von "Frühsommer". Wo genau die Aktion stattgefunden hat, blieb zunächst unklar.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, zwei Dutzende Elitesoldaten seien "in einer "komplizierten Aktion" per Hubschrauber in einer abgelegenen Gegend im Norden Syriens abgesetzt worden. Man haben den von der Terrormiliz enthaupteten US-Journalisten James Foley und andere von den Militanten festgehaltene Geiseln befreien wollen. Im Verlauf der Operation seien sie in ein Feuergefecht mit den Terroristen verwickelt worden. Die Regierungsvertreter gingen davon aus, dass dabei mehrere Dschihadisten dabei getötet worden seien.

Mit Blick auf die Enthauptung des US-Journalisten Foley signalisierte Kirby, dass die USA weitere Rettungsversuche unternehmen könnten. Trotz der IS-Drohung, weitere Amerikaner zu töten, flogen US-Militärs erneut Luftangriffe im Irak. US-Präsident Barack Obama nannte den Terrorismus ein Krebsgeschwür, das entfernt werden müsse.

USA plant, 300 weitere Soldaten in den Irak zu schicken

An dem Befreiungsversuch seien Luft- und Bodeneinheiten beteiligt gewesen. Einzelheiten teilte Kirby allerdings nicht mit. "Unglücklicherweise war die Mission nicht erfolgreich, weil die Geiseln nicht an dem Ort waren." Unklar ist, wie viele Amerikaner derzeit in Syrien und im Irak festgehalten werden. Die Zeitung "Washington Post" schrieb, es könnten vier sein. Laut "New York Times" hatten die IS-Dschihadisten für Foley ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert. Die US-Regierung habe die Zahlung abgelehnt.

Im Irak gerieten die zunächst schnell vorgerückten IS-Extremisten zunehmend in die Defensive. Kurden und die irakische Armee konnten die IS-Kämpfer mit US-Luftunterstützung nach eigenen Angaben weiter zurückdrängen.

Nach Angaben der US-Militärzeitung "Stars and Stripes" forderte das Außenministerium in Washington die Entsendung weiterer knapp 300 US-Soldaten in den Irak. Sie sollten in und um Bagdad stationiert werden. Das Pentagon berate derzeit über die Anfrage, es sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden, hieß es. Bisher habe Washington etwa 850 Soldaten in den Irak geschickt, offiziell wird dabei von "Beratern" gesprochen.

AFP/dpa

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