Satellitenbilder aus dem Nordosten Nigerias zeigen eine Spur der Verwüstung. Langsam wird das Ausmaß der jüngsten Gräueltaten der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram klarer. Foto: Michah Farfour/Digital Globe/Amnesty International
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Satellitenbilder aus dem Nordosten Nigerias zeigen eine Spur der Verwüstung. Langsam wird das Ausmaß der jüngsten Gräueltaten der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram klarer.

Katastrophale Verwüstung

Boko-Haram-Massaker: Terroristen töten Schwangere

London - Der Großangriff der islamistischen Terrororganisation Boko Haram auf die Stadt Baga im Nordosten Nigerias hat Amnesty International zufolge ein "katastrophales Ausmaß der Verwüstung" hinterlassen. 

Vor und nach der Offensive aufgenommene Satellitenbilder zeigen der Menschenrechtsorganisation zufolge, dass in den Orten Baga and Doron Baga mehr als 3700 Gebäude verwüstet oder beschädigt wurden. "Einer der Orte wurde in vier Tagen fast komplett von der Landkarte gelöscht", sagte Amnestys Nigeria-Experte Daniel Eyre.

Die Satellitenbilder und Berichte von geflohenen Augenzeugen legen Amnesty zufolge nahe, dass die Zahl der Opfer wesentlich höher sein muss als die von der Regierung genannte Zahl von 150 Toten. Örtliche Beamte hatten nach den Angriffen, die am 3. Januar begannen, von Hunderten Toten gesprochen. Etwa 20.000 Menschen sind vor den Kämpfen in Nachbarländer geflohen, rund 150.000 Menschen in andere Landesteile Nigerias. Der Angriff sei der bislang schlimmste Terrorakt der Gruppe in dem ölreichen westafrikanischen Land. "Er stellt einen absichtlichen Angriff auf die Zivilbevölkerung dar, deren Häuser, Kliniken und Schulen jetzt bis auf die Mauern ausgebrannt sind", sagte Eyres. 

Augenzeugen berichteten Amnesty zufolge, dass die Kämpfer der sunnitischen Fundamentalisten wahllos um sich schossen und dabei auch Kinder und mindestens eine schwangere Frau töteten. Die Straßen seien voller Leichen gewesen. Nach Aussage einer Zeugin nahmen die Terroristen in Baga auch viele junge Frauen als Geiseln. Boko Haram hat mehrfach Mädchen und junge Frauen entführt, um sie zwangsweise zu verheiraten oder als Sklaven zu halten. Die Entführung von über 200 vorwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok führte im vergangenen Jahr zu einem internationalen Aufschrei. Von den Mädchen fehlt jedoch weiter jede Spur.   

Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch analysierte Satellitenbilder von Baga und sprach von einem erschreckenden Ausmaß der Zerstörung. Eine Schätzung zur Zahl der Opfer in der abgelegenen und weiterhin umkämpften Region sei kaum möglich, "der seriöse Einsatz von Satellitenbildern ist das, was der Wahrheit momentan am nächsten kommt." Die nigerianischen Streitkräfte versuchen derzeit, Baga und den eingenommenen Militärstützpunkt in Doron Baga zurückzuerobern.

Boko Haram will im überwiegend muslimischen Norden Nigerias und den angrenzenden Gebieten in Kamerun und dem Tschad einen sogenannten Gottesstaat errichten. Bei Terroranschlägen der Gruppe wurden allein im vergangenen Jahr Tausende Menschen getötet. 

Amnesty-Bericht

Human Rights Watch Bericht

dpa

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