+
Der Angeklagte Kreshnik B. vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem jungen Mann die Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat im Ausland vor.

Anwalt liest Erklärung vor

Angeklagter im IS-Prozess gesteht Kampf in Syrien

Frankfurt - Der erste angeklagte Syrien-Kämpfer vor einem deutschen Gericht hat am dritten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen. Allerdings sprach der IS-Anhänger nicht selbst.

Im ersten deutschen Prozess gegen einen Syrien-Rückkehrer hat der Angeklagte die Teilnahme an Kampfeinsätzen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gestanden. „Ich habe es als meine Pflicht angesehen, nach Syrien zu gehen, um mich gegen die Unterdrückung und Tyrannei dort zu stellen“, heißt es in einer Erklärung, die der Anwalt des 20-Jährigen am Freitag vor dem Staatsschutzsenat in Frankfurt/Main vorlas.

„Die unfassbare Gewalt, die das alawitische Assad-Regime gegen die sunnitische Mehrheit anwendete, hat mich wütend und fassungslos zugleich gemacht“, so die Begründung von Kreshnik B. „Keiner wollte den Menschen dort helfen.“

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Deutschen mit Wurzeln im Kosovo die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Der 20-Jährige räumte in der Erklärung vor dem Oberlandesgericht (OLG) ein, dem IS einen Treueeid geleistet, sich dem Willen der Vereinigung unterworfen und sich ihrer Befehlsgewalt unterstellt zu haben.

Er sei im Juli 2013 über die Türkei nach Syrien gereist und dort an der Pistole und dem Sturmgewehr ausgebildet worden, habe aber bei seinen drei Einsätzen von dem „Kampfgeschehen fast gar nichts mitbekommen“. Europäer wie er seien in Syrien beim Kämpfen nicht richtig ernst genommen worden. Er sei daher zum Sanitätsdienst oder zum Bewachen von Häusern abkommandiert worden. Er habe auch an Straßensperren kontrolliert.

Als es zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Rebellengruppen kam, seien ihm „die ersten Zweifel gekommen“. „Ich habe das nicht verstanden, weshalb man sich jetzt untereinander bekämpfte, anstatt gemeinsam gegen den Tyrannen Assad zu kämpfen.“

Im Dezember 2013 sei er mit Hilfe seines Onkels von Syrien in die Türkei gelangt und mit seiner Schwester und einem Cousin nach Frankfurt zurückgeflogen. Bei der Ankunft wurde er festgenommen und sitzt seither in U-Haft.

Syrien-Rückkehrer will nach Haft "normales Leben führen"

Die Bedeutung von Frieden wertschätze er inzwischen und sei dankbar dafür, heißt es in der Erklärung. „Ich möchte nach meiner Haftzeit, wie man so schön sagt, ein ganz normales Leben führen.“

Kreshnik B. kann nach dem Jugendstrafrecht mit einer Haftstrafe von dreieinviertel bis viereinviertel Jahren rechnen, wenn er sich ausreichend zu den Fragen von Senat und Bundesanwaltschaft zu der verlesenen Erklärung äußert. Darauf hatten sich das Gericht, die Vertreter des Generalbundesanwalts und der Verteidiger des 20-Jährigen zu Beginn des dritten Verhandlungstags am Freitag verständigt. Diese Befragung ist für den 30. Oktober vorgesehen.

Vermutlich sind 450 radikalisierte Muslime nach Syrien ausgereist

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass inzwischen rund 450 radikalisierte Muslime aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist sind, um sich dort am Kampf des IS zu beteiligen oder die Miliz zu unterstützen. Etwa 150 davon sind zwischenzeitlich zurückgekehrt.

dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vermächtnis der Zeitzeugen

München - Zum Tod des KZ-Überlebenden Max Mannheimer kommentiert Merkur-Redakteurin Katrin Woitsch.
Vermächtnis der Zeitzeugen

Noch eine Rolle rückwärts

München - Das Ergebnis des Balkan-Gipfels kommentiert Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.
Noch eine Rolle rückwärts

Grenzschutz statt Willkommensgruß

Wien - Österreich versucht, in der Flüchtlingskrise zu einer treibenden Kraft zu werden. Seine neue Anti-Willkommenspolitik garniert es mit diplomatischen Versuchen, …
Grenzschutz statt Willkommensgruß

CDU-Generalsekretär begrüßt Sexismus-Debatte 

Berlin - Eine junge Berliner CDU-Politikerin hat Sexismus in ihrer Partei angeprangert. Generalsekretär Peter Tauber reagierte positiv und forderte mehr Sensibilität bei …
CDU-Generalsekretär begrüßt Sexismus-Debatte 

Kommentare