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Hier kommentiert Georg Anastasiadis, Vize-Chefredakteur. 

Kommentar von Georg Anastasiadis

Kanzlerin auf Kurswende: Merkel wagt mehr CSU

München - Das Wort "Kurswechsel" wollen die CDU und Kanzlerin Angela Merkel nicht in den Mund nehmen - und doch erklingen etwa in Sachen Flüchtlingskrise eindeutig neue Töne. Ein Kommentar. 

Einen Kurswechsel verkündet man nicht. Man macht ihn einfach. Und zwar so auffällig, dass die Bürger die Richtungsänderung hoffentlich spüren. Aber auch so diskret, dass das eigene Gesicht gewahrt bleibt. Angela Merkel ist längst dabei. In der Flüchtlingspolitik spricht sie, mögen die Bilder aus Idomeni noch so grausam sein, nicht mehr vom „humanitären Imperativ“. Sondern davon, dass Deutschland bei den Abschiebungen „besser werden muss“. 

Beim Thema Grenzsicherung verblüffte sie kürzlich Parteifreunde, die vor einem Wiederanschwellen der Migrantenströme über Italien warnten, mit dem beruhigend gemeinten Hinweis, dass dann ja Österreich den Brenner dichtmache. Nur das „zum Glück“ verkniff sich die Kanzlerin – sie, die bisher keine Gelegenheit ausließ, die Politik der Grenzschließungen anzuprangern. Sogar über den von Bayern geforderten stärkeren Schutz der weiß-blauen Grenzen lässt sie neuerdings mit sich reden.

Hat Merkel also im CDU-Vorstand die Kurswende ausgerufen, wie eine ihr eng verbundene Zeitung schrieb? Die Dementis aus der CDU-Spitze sind mit Vorsicht zu genießen. Denn der aus der Sitzung nachgeschobene Hinweis, es gelte, in der Union Gegensätze zu überwinden und Brücken zu (zur AfD) abgewanderten Wählern zu bauen, sagt ja in anderen Worten dasselbe. 

Auch der Kanzlerin ist nicht entgangen, dass Seehofers CSU in Umfragen noch immer über 45 Prozent steht, während ihre eigene CDU nur noch knapp jenseits der 25-Prozent-Marke taxiert wird. „Mehr CSU wagen“ könnte Merkels Antwort auf den Liebesentzug durch ihre Wähler und das Erstarken der AfD sein – und zugleich der Schlüssel zu einer erneuten Kanzlerkandidatur 2017, die angesichts der Entfremdung zwischen den beiden Schwesterparteien schon Gegenstand heftiger Spekulationen war. In Bayern, wo sich die Brieffreunde Merkel und Seehofer zuletzt nur noch wenig Liebevolles zu sagen hatten, wird man’s mit Genugtuung vernehmen.

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