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Er versucht es jetzt bei den Afroamerikanern: Donald Trump.

Auftritt vor Detroiter Kirchengemeinde

Trump buhlt jetzt um schwarze Wählerstimmen

Detroit - "Ich bin heute hier, um Eure Botschaft zu hören", sagte Donald Trump in einer afroamerikanischen Kirchengemeinde in Detroit. Bisher war der Rechtspopulist für rassistische Kommentare bekannt.

Bei seinem ersten Besuch in einer afroamerikanischen Kirchengemeinde in seinem Wahlkampf hat der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump um das Vertrauen schwarzer Wähler geworben. Vor der Kirche in Detroit demonstrierten etwa hundert Menschen gegen den rechtspopulistischen Immobilienmilliardär. Detroit ist die US-Großstadt mit dem höchsten Schwarzenanteil in der Bevölkerung

"Unsere Nation ist zu gespalten", sagte Trump, der selbst für provokante Äußerungen und rassistische Ausfälle bekannt ist. Und: "Wir reden aneinander vorbei, nicht zueinander, und diejenigen, die nach einem Amt streben, tun nicht genug, um in die Gemeinde zu gehen und zu erfahren, was vor sich geht." Es gebe "viel Unrecht, das wieder gut gemacht werden muss".

"Ich bin heute hier, um Eure Botschaft zu hören, und ich hoffe, dass meine Anwesenheit hier auch dazu beitragen wird, dass Eure Stimme neue Zuhörer in unserem Land findet", versicherte Trump.

Gemischte Gefühle nach Trumps Rede

Die Kirchgänger bewerteten Trumps Auftritt unterschiedlich. Carletta Griffin sagte, sein Mitgefühl mit den Schwarzen sei "echt". Denaria Torn sagte, Trump habe sie nicht auf seine Seite gebracht. Sie habe von ihm "eine Entschuldigung erwartet" für seine harschen Töne gegen Minderheiten.

Afroamerikaner machen zwölf Prozent der US-Wählerschaft aus, sie stimmen traditionell eher für die Demokraten. Trump, der in Umfragen mittlerweile deutlich hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton zurückliegt, bemüht sich seit kurzem verstärkt um diese Wählergruppe.

Der Immobilienmilliardär folgte einer Einladung von Wayne Jackson, dem Pastor der Detroiter Gemeinde Great Faith Ministries International. Laut Jackson war es Trumps erster Besuch in einer afroamerikanischen Kirche. Anschließend führte Jackson mit ihm ein Interview, das am Donnerstag gesendet werden soll.

Trump wählte Detroit mit Hintergedanken

Von seinem früheren Rivalen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, dem Afroamerikaner Ben Carson, ließ Trump sich das bescheidene Haus zeigen, in dem Carson aufgewachsen war. Mit Detroit wählte Trump einen symbolträchtigen Ort, denn mit über 80 Prozent ist der Anteil von Schwarzen an der Bevölkerung hier so hoch wie in keiner anderen US-Großstadt. Zugleich ist Detroit ein Sinnbild für wirtschaftlichen Niedergang und hohe Arbeitslosigkeit.

"Nichts ist trauriger, als wenn wir junge schwarze Männer mit erheblichem Potenzial ausgrenzen", sagte Trump dazu. "Unser ganzes Land verliert ohne die Energie dieser Leute. Wir sind eine Nation." Er werde die Dinge für die Schwarzen in Bewegung bringen, für Detroit versprach Trump "überall Fabriken, Schulen".

Höflicher Empfang in der Kirche

In der Kirche war Trump höflich empfangen worden, gelegentlich erntete er Applaus. Vor seinem Auftritt hatten allerdings etwa hundert Demonstranten versucht, Absperrungen vor der Kirche zu durchbrechen. Die Polizei drängt sie zurück. "Der Teufel ist auf der Kanzel", rief ein Demonstrant. Teilnehmer Rick McGowan kritisierte, Trump habe sich bisher nie für Schwarze eingesetzt. "Warum sollten wir ihm jetzt glauben?"

Kritik äußerte auch Detroits Bürgermeister Mike Duggan, der die demokratische Präsidentschaftskandidatin Clinton unterstützt. "Wenn Sie es ernst meinen, sagen Sie uns konkret, was Sie tun werden, und darauf warten wir noch immer", sagte Duggan auf CNN an Trump gerichtet.

AFP

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