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Beate Zschäpe hat ihre Aussage verlesen lassen.

Nach der Erklärung

Tochter von NSU-Opfer: "Zschäpe-Aussage eine Frechheit"

München - Nach zweieinhalb Jahren Prozess hat die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe vor dem Oberlandesgericht in München ausgesagt. Sie bestritt ihre Mitgliedschaft beim NSU und entschuldigte sich bei Opfern und Angehörigen.

Das sind Beate Zschäpes wichtigste Aussagen

  • Beate Zschäpe bestreitet, an den NSU-Morden beteiligt gewesen zu sein.
  • Sie bestreitet auch, Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gewesen zu sein.
  • Beate Zschäpe sagte, sie fühle sich moralisch schuldig: "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern."
  • Die Polizistin Michèle Kiesewetter sei ermordet worden, damit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ihre Waffen stehlen konnten.
  • Das alles hat Beate Zschäpe nicht selbst ausgesagt, sondern ihren Anwalt Mathias Grasel in einer Erklärung, die 53 Seiten umfasste, vortragen lassen.
  • Vor ihrer Aussage hatte die Angeklagte einen neuen Pflichtverteidiger beantragt.

Wie geht es im NSU-Prozess nach der Zschäpe-Aussage weiter?

+++ Ungewiss ist, wie das Gericht auf den Antrag von Zschäpe-Verteidiger Mathias Grasel reagieren wird, der die Abberufung seiner drei Kollegen Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm beantragte. Ebenso ist offen, ob sich das Gericht auf das von Zschäpe gewünschte Prozedere bei der Beantwortung von Nachfragen einlassen wird. Zschäpe hatte mitteilen lassen, sie werde Fragen des Gerichts und von Mitangeklagten beantworten, aber nur schriftlich.

+++ Nach der Aussage der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe will das Münchner Oberlandesgericht den Prozess zunächst planmäßig fortsetzen. Den Verhandlungstag am Donnerstag strich der Senat allerdings. Die nächste Sitzung finde kommenden Dienstag statt, kündigte Richter Manfred Götzl an. Als Zeuge sei ein Mann aus der rechtsextremen Szene geladen, der dem NSU-Trio 1998 beim Untertauchen geholfen haben soll. In der Aussage Zschäpes findet sich der Name dieses Mannes.

Erste Reaktionen auf Beate Zschäpes Aussage

+++ „Wenn sie geschwiegen hätte, wäre es besser gewesen.“ Mit Enttäuschung und Wut haben Angehörige von Mordopfern des NSU auf die Aussage von Beate Zschäpe im Prozess vor dem Oberlandesgericht München reagiert. „Es ist schrecklich. Ich hab keine Worte dafür“, sagte Abdulkerim Simsek, Sohn des ersten NSU-Mordopfers Enver Simsek, am Mittwoch nach dem Ende des Verhandlungstages. Er wünschte sich, Zschäpe hätte weiter geschwiegen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagte er. „Diese Erklärung war so erbärmlich, einfach nur lächerlich.“

+++ Die Anwältin Gül Pinar, die die Familie des Hamburger Opfers Süleyman Tasköprü vertritt, zeigte sich ebenfalls enttäuscht von Zschäpes Erklärung. „Ihre Aussage war sehr detaillos. Insbesondere zu Hamburg hat sie überhaupt nichts gesagt, also nicht einmal den Namen Süleyman Tasköprü in den Mund genommen“, sagte Pinar dem Radiosender NDR 90,3. „Ich finde, dass der Zeitpunkt einer Entschuldigung so spät kommt, das ich ihr das nicht abnehmen kann.“ Das sehe nach Taktik aus.

+++Grasel warf den drei Altverteidigern Zschäpes zudem vor, sie verhielten sich ihm gegenüber „unkooperativ und unkollegial“. So habe er vergeblich versucht, Mitschriften früherer Prozesstage von ihnen zu bekommen. Grasel wurde erst im August 2015 als vierter Pflichtverteidiger Zschäpes bestellt. Die Beweisaufnahme hatte er bis dahin nicht verfolgt.

+++ Zschäpe sei von den drei Anwälten blockiert worden, das Vertrauen sei erschüttert, sagte Grasel. Es sei Zschäpe nicht möglich gewesen, ihr langes Schweigen im Prozess aus eigener Kraft zu brechen. Sie habe sich 2011 nicht gestellt, um dann zu schweigen, sei aber von ihren alten Pflichtverteidigern dazu gedrängt worden.

+++ Der Prozess geht vorerst weiter, viel scheint aber nicht mehr zu passieren. Beate Zschäpes Verteidiger Mathias Grasel möchte noch den Antrag stellen, die Verteidiger Heer, Stahl und Sturm zu entlassen

+++ Gamze Kubasik, die Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik, weist die Entschuldigung von Beate Zschäpe zurück. Sie sei "eine Frechheit, vor allem wenn sie dann noch verbunden wird mit der Ansage, keine unserer Fragen zu beantworten. Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort".

+++ "Wir werden diese Einlassung natürlich genauestens prüfen", kündigte Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler an. "Die Einlassung ist wie alle anderen Beweise, die wir erhoben haben in der Hauptverhandlung ein Beweismittel unter vielen. Das ist für meine Mandantschaft ganz ganz bitter. Meine Mandantschaft wollte erfahren, warum ihre Väter, Ehemänner, Brüder sterben mussten. Davon hat Frau Zschäpe heute nichts gesagt. Es war einfach eine Geschichte zum eigentlich Verzweifeln." Und weiter: "Ich habe ihr heute kein Wort geglaubt."

+++ Auch Nebenklage-Anwalt Stephan Lucas hat sich zur Erklärung geäußert: "Heute hat man sehr gut verstehen können, warum es manchmal klug ist, einfach den Mund zu halten. Wenn das alles ist, was Frau Zschäpe uns zu sagen hatte, dann hätte sie besser gar nichts gesagt."

+++ Reporter Andreas Thieme hat sich unter den Zuhörern im Gerichtssaal umgehört. "Ich dachte von Anfang an, dass Beate Zschäpe alles leugnet", sagt Jasmina Agic (23), Studentin aus dem Hasenbergl. "Ihre Aussage war eine große Enttäuschung. Als einzige Überlebende kann sie natürlich sehr einfach behaupten, dass sie es nicht war und auch nichts gewusst hat. Die Erklärung des Verteidigers wirkte auf mich zu konstruiert. So wie ein perfekter Plan." 

+++ Andrea Röhmhildt (22), Studentin aus Moosach: "Ich fand die Aussage sehr konstruiert. Es ist natürlich die bestmögliche Verteidigung zu behaupten, dass sie unschuldig ist und von nichts wusste. Aber sie hat versucht, jeden einzelnen Punkt zu rechtfertigen - so, als hätte sie nichts gemacht. Meine Hoffnung war, dass die Aussage zur Aufklärung beiträgt. Jetzt stellt sie sich aber selbst ein Opfer dar."

+++ Taha Kahyo (62), Diplom-Kaufmann aus Berlin: "Ich empfand die Aussage als ziemlich künstlich, auch die Entschuldigung war eher pro forma. Ich nehme Frau Zschäpe die Reue nicht ab, denn vorher hat sie diese auch nie geäußert. Es ist für mich nicht glaubhaft, dass sie nie etwas mitbekommen hat, weil sie mit den beiden Männern zusammengelebt hat. Es gibt ein türkisches Sprichwort, das besagt: Schweigen heißt bejahen. Frau Zschäpe hätte viele Morde verhindern können."

Lesen Sie Zschäpes Erklärung im Ticker nach

+++ 11.20 Uhr +++ Die Verlesung der Erklärung ist zu Ende - dauerte fast genau 90 Minuten. Um 12.30 Uhr geht's weiter.

+++ 11.19 Uhr +++ "Ich weise den Vorwurf der Anklage, ich sei ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung namens NSU gewesen, zurück." Sie fühlt sich moralisch schuldig. "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern."

+++ 11.12 Uhr +++ Beate Zschäpe hat sich nie mit den Taten identifiziert und sagt, sie sei auch nie Mitglied einer Terror-Organisation gewesen. "Ich war auch kein Gründungsmitglied der Organisation, weil es keine Organisation gab." Eine Gründung habe nie stattgefunden. Die Bekenner-DVD von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos habe sie dann als letzten Willen der beiden Männer verschickt an dem Tag, an dem der NSU aufflog: "Der Tag, vor dem ich mich immer gefürchtet hatte, war gekommen. Ich hatte nur den Gedanken: Ich bin alleine, ich habe alles verloren. Ich muss ihren letzten Willen erfüllen. Ich nahm meine Katzen, rannte hinaus. Als ich draußen war, hörte ich einen lauten Knall." Die Videos selbst habe sie im Prozess zum ersten Mal gesehen und bestreitet, den Inhalt der Paulchen-Panther-Videos gekannt zu haben.

Beate Zschäpe scheint am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht bester Laune zu sein. Hier begrüßt sie ihren Anwalt Mathias Grasel.

+++ 11.05 Uhr +++ Zu dem Mord der Polizistin Michèle Kiesewetter sagt sie, dass sie auch davon nichts gewusst hat. Damit bestreitet sie auch, an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen beteiligt gewesen zu sein, die die Bundesanwaltschaft der Terrorgruppe NSU vorwirft: "Ich war unglaublich enttäuscht darüber, dass sie erneut gemordet hatten. Ich hatte mit dem Morden nichts zu tun. Aber das würde mir wohl niemand glauben." Sie sei einfach nur fassungslos gewesen. Der Mord sei nur begangen worden, um an die Pistolen zu kommen.

+++ 10.52 Uhr +++ Während die Erklärung verlesen wird, sitzt Beate Zschäpe regungslos auf ihrem Stuhl.

+++ 10.43 Uhr +++ Beate Zschäpe lässt erklären, dass sie nichts gewusst hat und entsetzt von den Taten war. Böhnhardt und Mundlos waren ihre Familie - doch sie drohten damit, sich zu töten, wenn sie sich der Polizei stellen würde. Davor hatte Beate Zschäpe mehr Angst als vor dem Knast und fand keinen Ausweg aus diesem emotionalen Dilemma: Einerseits war sie von den Taten abgestoßen, andererseits fühlte sie sich vor allem zu Böhnhardt hingezogen. "Ich ergab mich meinem Schicksal."

+++ 10.35 Uhr +++ Über Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sagt sie: "Bis heute weiß ich nicht, was ihre wahren Motive waren." Und: "Mir war klar, dass es keinen Rückweg ins bürgerliche Leben gab."

+++ 10.25 Uhr +++ Von ersten Überfällen will Beate Zschäpe nichts gewusst haben. Sie schildert sich vor dem Oberlandesgericht als Ahnungslose, die wieder auftauchen wollte. Doch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wollten das nicht, wie es in der Erklärung heißt.

Erklärung von Beate Zschäpe zur Anfangsphase des Nationalsozialistischen Untergrundes 

+++ 10.11 Uhr +++ "Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass es einen politischen Gegenpol zu den Linken gibt", lässt Beate Zschäpe über Grasel vortragen.

+++ 10.03 Uhr +++ Durch Uwe Böhnhardt kam Beate Zschäpe immer mehr mit dessen Freunden in Verbindung - "sie hatten eine intensive nationalistische Einstellung". In ihn war sie sehr verliebt, wie in der Erklärung deutlich wird.

+++ 9.54 Uhr +++ Es geht los mit Beate Zschäpes Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel verliest: "Ich bekam von der Mutter so gut wie kein Geld, so dass ich mich an kleineren Diebstählen beteiligten musste." Zunächst geht es um ihre Kindheit und Jugend. Uwe Mundlos lernte Beate Zschäpe zuerst kennen und war mit ihm zusammen. Später traf sie Uwe Böhnhardt und ging auch mit ihm eine Beziehung ein - auch als ihr klar war, dass er schon mehrfach straffällig geworden war.

+++ 9.44 Uhr +++ Jetzt sind auch die Richter und Beate Zschäpe selbst da. Die Angeklagte begrüßt sehr freundlich ihre Verteidiger und plaudert ein bisschen mit ihnen. Die Angeklagte trägt einen schwarzen Hosenanzug und ihre Haare offen. Nina Gut berichtet: Sie lacht, wirkt locker.

Vor dem NSU-Prozess: Warum bricht Beate Zschäpe gerade jetzt ihr Schweigen?

+++ Auch Beate Zschäpes Anwälte sind nun da. Hermann Borchert tritt zum ersten Mal auf und begrüßt alle per Handschlag, wie Reporterin Nina Gut berichtet. Die Angeklagt wird zwischen ihren Verteidigern sitzen.

Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer und Anja Sturm.

+++ Beate Zschäpes Alt-Verteidiger Wolfang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm sind mittlerweile auch da.

+++ Der Anwalt der Nebenklage im Münchner NSU-Prozess, Mehmet Daimagüler, sieht die Verteidigungsstrategie der Hauptangeklagten Beate Zschäpe als gescheitert an. Zschäpe stehe "vor einem Scherbenhaufen ihrer Verteidigung", sagte Daimagüler am Mittwochmorgen im RBB-Inforadio. Die Strategie zu schweigen sei nicht aufgegangen und "jetzt wird gerettet, was noch zu retten ist", sagte Daimagüler weiter.

+++ Der Saal ist nun geöffnet, erste Journalisten (etwa 20) sichern sich schon ihre Plätze im NSU-Prozess, berichtet Reporter Andreas Thieme, der schon vor Ort am Oberlandesgericht ist. Um die 120 Zuschauer stehen momentan draußen. Einer von ihnen sagt: "Für mich ist sie kein Monster."

Das Oberlandesgericht München am Mittwochmorgen.

+++ Morgens um kurz nach 7 Uhr ist schon eines los vor dem Oberlandesgericht München: Journalisten und Zuschauer stehen Schlange, um Beate Zschäpes Aussage zu hören. Viele werden se nicht in den Saal schaffen.

+++ Warum bricht Beate Zschäpe gerade jetzt, nach über zwei Jahren Prozess, ihr Schweigen? Ein Grund könnte sein, weil sie sich erhoffte, die Bundesanwaltschaft werde die Vorwürfe gegen sie nicht überzeugend beweisen können.

+++ Beate Zschäpe will sich zu allen Anklagepunkten äußern, wie ihr Verteidiger Mathias Grasel zum BR sagte. Die umfangreiche Erklärung wird er im Namen seiner Mandantin verlesen - das soll zwischen einer und eineinhalb Stunden dauern und sich damit befassen, was Zschäpe gewusst hat und worin sie involviert gewesen ist, erklärte Grasel. Danach wird das Gericht Fragen stellen dürfen. Die werden aber wohl nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihren Anwälten beantwortet.

+++ Vor der mit Spannung erwarteten Aussage der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe im NSU-Prozess hat die Tochter eines Mordopfers die Erwartungen gedämpft. Sie habe keine große Hoffnung, „weil ich einfach glaube, dass da nicht die Wahrheit gesagt wird“, sagte Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik, am Dienstag am Rande des Prozesses in München. Auf die Frage, was sie sich von Zschäpes Erklärung erhoffe, sagte sie: „Natürlich ist mein Wunsch eine hundertprozentige Aufklärung. Aber ich weiß, das wird niemals geschehen.“

Vor ihrer Aussage: Beate Zschäpe will weiteren Pflichtverteidiger

Nach mehrwöchigen Verzögerungen will Zschäpe an diesem Mittwoch ihr jahrelanges Schweigen brechen. Ihr Anwalt Mathias Grasel will ihre Aussage verlesen. Fragen des Gerichts sollen aber erst später und nur schriftlich beantwortet werden, wie Grasel am Dienstag vor dem Oberlandesgericht mitteilte. Er bat das Gericht deshalb um einen schriftlichen Fragenkatalog. Eine unmittelbare Beantwortung von Fragen werde wohl nicht möglich sein, sonst müsste er sich nach jeder Frage erst mit seiner Mandantin besprechen.

+++ Unmittelbar vor ihrer angekündigten Aussage im NSU-Prozess hat Beate Zschäpe in einem handschriftlichen Brief an das Gericht die Beistellung eines fünften Pflichtverteidigers beantragt. Dabei handelt es sich um Hermann Borchert, den Kanzleipartner von Mathias Grasel, der seit dem Sommer Zschäpes vierter Pflichtverteidiger ist. „Seit unserem Kennenlernen im Juli 2014 genießt Dr. Borchert mein vollstes Vertrauen“, schreibt Zschäpe. Der Brief ging am Montag im Gericht ein und liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Dagegen seien die Differenzen mit ihren bisherigen drei Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm „zu groß“. Eine weitere Begründung enthält das Schreiben nicht. Mehrere Prozessbeteiligte schätzten Zschäpes Chancen gering ein, Borchert als weiteren Pflichtverteidiger zu bekommen. Derzeit ist er als Wahlverteidiger tätig. Damit wird er nicht aus der Staatskasse bezahlt. Stattdessen muss Zschäpe sein Honorar aufbringen.

Borchert trägt nach eigener Auskunft den Titel „JUDr“. Dieser Titel ist in Tschechien und der Slowakei als Berechtigung für den Erwerb eines Doktortitels üblich. Auf mehreren Anwalts-Suchseiten ist Borchert gleichwohl als „Dr. Hermann Borchert“ verzeichnet. Wie das komme, könne er sich nicht erklären, sagte Borchert. Er werde die „Änderung veranlassen“.

NSU hinterließ blutige Spur des Terrors in Deutschland

+++ Die Chronologie der Gewalt: Eine blutige Spur hinterließ der Terror der NSU in Deutschland. Zehn Menschen haben die Attentäter laut den Ermittlungen umgebracht, rund zwei Dutzend Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt.

Beate Zschäpe soll am Mittwoch aussagen.

+++ Die Tochter eines NSU-Mordopfers hat die Erwartungen an die mit Spannung erwartete Aussage der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe gedämpft. Sie habe keine große Hoffnung, „weil ich einfach glaube, dass da nicht die Wahrheit gesagt wird“, sagte Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik, am Dienstag am Rande des NSU-Prozesses in München. Auf die Frage, was sie sich von Zschäpes Erklärung erhoffe, sagte sie: „Natürlich ist mein Wunsch eine hundertprozentige Aufklärung. Aber ich weiß, das wird niemals geschehen.“

+++ Nun ist es offiziell: Im Münchner NSU-Prozess will sich die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe an diesem Mittwoch erstmals äußern - aber Fragen erst später und nur schriftlich beantworten. Das teilte ihr Verteidiger Mathias Grasel am Dienstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) mit. Er bat das Gericht nach der Erklärung, die er verlesen will, um einen schriftlichen Fragenkatalog. Eine unmittelbare Beantwortung werde wohl nicht möglich sein, sonst müsste er sich nach jeder Frage erst mit seiner Mandantin besprechen. Zugleich bat er darum, nach Zschäpes Erklärung den Prozesstag am Donnerstag ausfallen zu lassen. „Ich denke, dass die Belastung nach der Einlassung einigermaßen groß sein wird.“

+++ Wenige Tage vor der geplanten Aussage hat Beate Zschäpe einen Zusammenbruch erlitten. Die 40-Jährige hat demnach schwere gesundheitliche Probleme. Die für diesen Mittwoch geplante Aussage Zschäpes vor dem Oberlandesgericht München sei nicht in Gefahr, sagte ihr Verteidiger Mathias Grasel. Er sei mit seiner Mandantin „übereingekommen, dass wir das jetzt hinter uns bringen möchten“.

+++ Anfang Dezember teilte Zschäpes Verteidiger mit, dass er ihre Erklärung verlesen will und kündigte eine umfassende Stellungnahme an.

+++ Die Aussage von Beate Zschäpe ist verschoben worden. Richter Manfred Götzl hat den NSU-Prozess bis zum kommenden Dienstag, 17. November, unterbrochen. Wann die mutmaßliche Neonazi-Terroristin nun aussagen wird, ließ der Vorsitzende Richter offen. Am Montag hatte der neue Anwalt Beate Zschäpes angekündigt, die Erklärung seiner Mandantin am Mittwoch verlesen zu wollen.

Während sich Beate Zschäpe nach fast zweieinhalb Jahren NSU-Prozess nun offenbar dazu entschieden hat, eine Aussage vor Gericht zu machen und sogar Fragen zu beantworten, wollen ihre Alt-Verteidiger von ihren Mandaten entbunden werden.

NSU-Prozess: Verteidigung "nicht mehr im Sinne unserer Mandantin"

Die Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm begründeten ihren Antrag damit, dass eine Verteidigung "im Sinne der Interessen unserer Mandantin" mehr möglich sei. "Unsere Verteidigerbestellungen sind nur noch Fassade und dienen erkennbar nur der Aufrechterhaltung des Scheins einer ordnungsgemäßen Verteidigung", sagte Heer vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Offenbar hatten auch die Anwälte am Montag aus den Medien erfahren, dass Zschäpes vierter Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch eine Erklärung der mutmaßlichen NSU-Terroristin verlesen wollte. Damit hätte Beate Zschäpe ihr Schweigen gebrochen, das sie mehr als zweieinhalb Jahre aufrecht erhalten hatte. Und damit nicht genug: Ihr Verteidiger Grasel kündigte sogar an, dass man auch auf Nachfragen eingehen werde - allerdings nur auf Fragen des Senats, nicht auf die der Opfer-Anwälte. Wer auf die Nachfragen antworten wird - Beate Zschäpe persönlich oder er - ließ Grasel offen.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl unterbrach die Verhandlung nach dem Antrag der drei Verteidiger für rund eine Stunde, um den anderen Prozessbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Vor dem Antrag hatte es vor allem ein Wortgefecht zwischen Heer und Götzl gegeben.

Beate Zschäpe: Der Streit mit ihren Anwälten tobt seit Monaten

Der Streit zwischen Beate Zschäpe und den drei Anwälten tobt bereits seit Monaten. Zschäpe hat schon mehrfach vergeblich versucht, die drei loszuwerden. Aber auch Heer, Stahl und Sturm scheiterten im Juli schon einmal mit einem Antrag, von ihren Pflichtmandaten entbunden zu werden.

Bisher - seit dem Auffliegen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) vor fast genau vier Jahren - hatte Beate Zschäpe beharrlich geschwiegen, auch an den fast 250 Verhandlungstagen vor Gericht. Nachdem ihr das Gericht im Juli Grasel als vierten Verteidiger an die Seite gestellt hatte, rückte eine Aussage dann immer näher: Der vorsitzende Richter Götzl berichtete am Dienstag, er sei bereits am 31. August von Grasels Kanzleikollegen Hermann Borchert darüber informiert worden, Beate Zschäpe habe "angedacht, sich schriftlich zu äußern". Bis es soweit sei, werde es aber noch einige Zeit dauern.

Dem NSU werden unter anderem neun Morde an Migranten und die Ermordung einer Polizistin vorgeworfen. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, steht seit Mai 2013 in München vor Gericht - zusammen mit vier Mitangeklagten. Die Anklage wirft Beate Zschäpe Mittäterschaft an allen Taten des NSU vor. 

Vor Ort im Oberlandesgericht München sind Nina Gut und Andreas Thieme.

Merja Schubert

Merja Schubert

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Nina Gut

Nina Gut

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Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

Michael Sapper

Michael Sapper

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Ute Wessels

Ute Wessels

E-Mail:info@merkur.de

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