Angela Merkel
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Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundesregierung berät über Fall der Fälle

Merkel glaubt doch noch an Griechenland-Lösung

Berlin - Die Bundesregierung bereitet sich laut einem Zeitungsbericht auf die Möglichkeit einer Staatspleite Griechenlands vor.

Es gebe konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite Athens zu tun sei, berichtete die "Bild"-Zeitung am Freitag unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen. Demnach sei unter anderem im Gespräch, bei einer Staatspleite Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland einzuführen. Außerdem werde ein Schuldenschnitt für das Euro-Land diskutiert.

Regierungsbeamte stünden darüber in einem engen Austausch auch mit Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank (EZB), schrieb die Zeitung. Einen konkreten Plan, wie im Falle einer griechischen Staatspleite zu reagieren sei, habe die Bundesregierung allerdings nicht, hieß es demnach. Vieles müsse ad-hoc entschieden werden. "Auch die Kanzlerin weiß jetzt, dass die Zeit nicht mehr reichen wird", um Griechenland bis zum 30. Juni zu retten, sagte laut "Bild" ein hochrangiger Diplomat.

Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Kreditgebern über die Bedingungen, zu denen zurückgehaltene Hilfsgelder von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden sollen. Die Zeit ist nun knapp, weil das Hilfsprogramm für Athen Ende Juni ausläuft. Die EU gab der Athener Regierung am Donnerstag noch eine Woche, um mit den Gläubigern zu einer Einigung im Schuldenstreit zu kommen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte mehr Tempo: "Es zählt jetzt jeder Tag."

Athen hält Einigung mit Gläubigern bis zum 18. Juni für möglich

Eine Einigung Athens mit den Gläubigern ist nach Einschätzung der griechischen Regierung bis zur Tagung der Eurogruppe am kommenden Donnerstag möglich. „Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenland weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre“, sagte der griechische Staatsminister Alekos Flambouraris am Freitag im Staatsfernsehen ERT. Flambouraris gilt als einer der engsten Berater des linken griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras. Die Eurogruppe berät am 18. Juni in Luxemburg erneut über die Finanzkrise.

Merkel setzt weiter auf Griechenland-Lösung: "Wo ein Wille ist..."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht in den festgefahrenen Griechenland-Verhandlungen weiter von einer Lösung aus. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, bekräftigte Merkel am Freitag in Berlin auf einer Veranstaltung der Familienunternehmen. „Aber der Wille muss von allen Seiten kommen“, betonte die Kanzlerin zugleich. „Deshalb finde ich es auch richtig, dass wir immer und immer wieder miteinander sprechen.“

Gabriel hofft weiter auf Einigung mit Griechenland

Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel setzt weiter auf eine Einigung zwischen Griechenland und den Gläubigern. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass die Vernunft sich durchsetzt“, sagte der SPD-Chef am Freitag in München auf der Jahresversammlung des Ifo Instituts. Ein Ausscheiden aus dem Euro wäre für das Land eine „mittlere Katastrophe“ und würde auch Europa tief erschüttern.

Meiste Deutsche für Ausscheiden Griechenlands aus Euro-Zone

Die meisten Deutschen befürworten inzwischen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" sprachen sich nur noch 41 Prozent dafür aus, dass das Land den Euro behält, 51 Prozent befürworteten dagegen den sogenannten "Grexit". Zu Jahresbeginn waren noch 55 Prozent für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone gewesen. Eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent der Befragten lehnte in der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen auch weitere Zugeständnisse der EU-Partner an Griechenland ab. Nur 24 Prozent sprachen sich dafür aus. Von den Anhängern der Linkspartei befürworteten allerdings 48 Prozent weitere Zugeständnisse, von den Grünen-Anhängern 39 Prozent. Falls es zu einer Staatspleite in Griechenland kommen sollte, erwarten 28 Prozent einen starken oder sehr starken ökonomischen Schaden für Deutschland. Im März waren es noch 33 Prozent gewesen. 65 Prozent gehen jetzt von einem nicht so starken oder überhaupt keinem wirtschaftlichen Schaden für Deutschland aus.
AFP/dpa

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