Neue Details zum Fall

BND-Spion informierte USA besser, als gedacht

Berlin - Der vor zwei Monaten enttarnte BND-Agent Markus R. hat einem Zeitungsbericht zufolge noch brisantere Informationen an die USA weitergeleitet als bisher bekannt.

Der Anfang Juli beim Bundesnachrichtendienst (BND) enttarnte Spion hat nach einem Medienbericht weitreichendere Informationen an die USA weiter geleitet als bisher bekannt. So sollen sich in den Unterlagen auch Verlaufs- und Ergebnisprotokolle von Gesprächen befunden haben, die BND-Präsident Gerhard Schindler und sein Stellvertreter mit den Geheimdienstchefs anderer Länder führten. Das berichtet die „Mitteldeutsche Zeitung“ vom Dienstag unter Berufung auf Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestages, das für die Geheimdienste zuständig ist.

Demnach gab es in den Materialien ferner eine Übersicht der BND-Residenzen mit den Namen und Adressen der jeweiligen Agenten sowie Konzepte zur Gegenspionage. Das weitergegebene Auftragsprofil des Auslandsgeheimdienstes habe nicht allein die Namen von Ländern aufgeführt, die der BND im Auftrag des Bundeskanzleramtes überwachen sollte. Es habe auch detaillierte Anweisungen beinhaltet, was genau in den Ländern auszuforschen sei. Im Zuge der Affäre war bekanntgeworden, dass zu den Ländern auch der Nato-Partner Türkei gehört.

Parlamentarisches Kontrollgremium darf Dokumente sichten, aber keine Notizen machen

Markus R. war Anfang Juli festgenommen worden. Er arbeitete in der Registratur der BND-Abteilung "Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen". 218 Papiere schmuggelte er laut der Zeitung am Körper durch die Kontrolle des BND in der Zentrale von Pullach bei München, scannte sie zu Hause ein und leitete sie dann weiter. Wie bereits bekannt ist, soll aus ihnen auch hervor gehen, dass der BND - angeblich versehentlich - Gespräche der einstigen US-Außenministerin Hillary Clinton und ihres Nachfolgers John Kerry aufgezeichnet hat.

Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums konnten inzwischen Einsicht in die Dokumente nehmen. Es war ihnen jedoch nicht erlaubt, sich Notizen zu machen. Vielmehr mussten sie sich alles, was sie lasen, merken.

dpa/AFP

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