Eine Frau bricht nach ihrer Ankunft auf der Insel Lesbos in Tränen aus.

Kroatien bleibt Haupt-Transitland

Wieder Flüchtlinge ertrunken, Hunderte gerettet

Piräus/Berlin - Zehntausende Menschen versuchten auch am Wochenende wieder, Westeuropa zu erreichen - die meisten wählten die Route über Kroatien. Für einige Bootsflüchtlinge kam Rettung zu spät.

Auf der Balkan-Route sind weiter Zehntausende Flüchtlinge unterwegs. Kroatien verzeichnete am Wochenende eine Rekordzahl und streitet sich nach wie vor mit seinen Nachbarn über den richtigen Umgang mit den Ankömmlingen. Derweil ertranken wieder Menschen, bevor sie überhaupt so weit kamen. Hunderte konnten gerettet werden.

Bei einem Bootsunglück in der türkischen Ägäis kamen am Sonntag 17 Flüchtlinge auf dem Weg zur griechischen Insel Kos um. 20 Flüchtlinge konnten von der türkischen Küstenwache gerettet werden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Mugla mitteilte. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur DHA handelte es sich um Syrer.

Knapp 4000 Flüchtlinge erreichten unterdessen das griechische Festland. Fähren brachten die Menschen am Sonntag von der Ägäis-Insel Lesbos nach Piräus, wie das staatliche Fernsehen (ERT) berichtete.

Von Athen sowie der Hafenstadt Thessaloniki aus fuhren wieder Dutzende Busse an die griechisch-mazedonische Grenze nach Idomeni. Dort ließ die Polizei die Menschen in kleineren Gruppen in 20-Minuten-Intervallen ins Land. Von Mazedonien aus gelangen die Migranten mit dem Zug weiter nach Serbien.

Transitland auf dem Weg nach Westeuropa ist seit zehn Tagen vor allem Kroatien und nicht mehr Ungarn. Grund dafür ist, dass Budapest Flüchtlingen die Einreise mit einem Zaun an der Grenze zu Serbien und verschärften Gesetzen gegen den illegalen Grenzübertritt erschwert hat. Allein am Freitag und Samstag zählte die kroatische Polizei 17.000 Ankömmlinge, wie aus am Sonntag veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums hervorging. Insgesamt seien es in den vergangenen zehn Tagen 73.500 Menschen gewesen.

Mit Bussen und Zügen zur ungarischen Grenze

Fast alle Migranten, die Kroatien erreichen, werden mit Bussen und Zügen an die ungarische Grenze gebracht. Die dortigen Behörden leiten sie wiederum nach Österreich weiter. Ein ungarischer Regierungssprecher hatte diese Praxis in der vergangenen Woche bestätigt. Registriert würden die Flüchtlinge nicht, weil sie sich nicht registrieren lassen wollten. Die ungarische Polizei ging aber offenbar dazu über, die Ankömmlinge zu filmen. In dem EU-Land kamen allein am Samstag knapp 10.000 Flüchtlinge an.

Den Zaunbau an der Grenze zu Slowenien machte Ungarn derweil wieder rückgängig. Die am Freitag überraschend errichtete Sperre aus drei übereinandergezogenen Rollen Nato-Draht wurde noch am Samstag wieder abgebaut, wie die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Sowohl Ungarn als auch Slowenien gehören dem Schengen-Raum an, in dem eigentlich keine Grenzkontrollen mehr durchgeführt werden.

Einen weiteren Zaun an der kroatischen Grenze hält Budapest allerdings nach wie vor für legitim, weil das EU-Land Kroatien nicht zum Schengen-Raum gehöre. Ungarn will nun zwar mit Kroatien und Serbien über die Grenzsicherung verhandeln. Das diplomatische Klima zwischen den drei Staaten bleibt dennoch stark getrübt. Kroatien hatte zuletzt seine Grenze zu Serbien gesperrt, um das Nachbarland zu zwingen, deutlich weniger Flüchtlinge als bisher nach Kroatien weiterzuschicken. Unter dem Druck der EU hatte das jüngste Unionsmitglied am Freitagabend wieder zwei Grenzübergänge geöffnet.

Statt über die Türkei und Griechenland versuchten Flüchtlinge auch wieder, über die weitaus gefährlichere Mittelmeer-Route nach Europa zu kommen. Erst am Samstag rettete die Besatzung eines Kriegsschiffs der Bundeswehr vor der Küste Libyens 140 Menschen aus Seenot, wie die Bundeswehr mitteilte. 2015 starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bereits mehr als 2800 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. Knapp eine halbe Million überlebte die Reise.

dpa

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