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Wiedersehen im Bundestag? (v. li.) Christian Lindner, Katja Suding und Wolfgang Kubicki.

Problem für Landtagswahl

Bundestagswahl 2017: In der FDP wollen alle nach Berlin

München - Der Weg zurück in den Bundestag ist noch weit für die FDP: Doch immer mehr zeichnet sich ab, dass die Partei versucht, mit der ersten Garde nach Berlin zu gehen. Für die Landtagswahlen davor birgt das Risiken.

Nein sie reden nicht gerne darüber. FDP-Politiker freuen sich inzwischen zwar sehr, wenn sich mal ein Journalist für sie interessiert. Doch über eine Frage sprechen sie nur ungern: Was wäre, wenn man auch bei der Bundestagswahl im kommenden Herbst unter der Fünf-Prozent-Hürde bliebe? Als Antwort murmeln sie etwas von „existenziell“, „überlebenswichtig“ oder „es wäre furchtbar“ und wechseln das Thema.

Damit ist klar: Die Bundestagswahl im Herbst 2017 wird für die Liberalen zur Schicksalswahl. Die bayerische FDP beispielsweise musste nach dem Aus in Bundes- und Landtag 2013 binnen weniger Wochen ihr Budget dritteln. 60 Prozent der Mitarbeiter mussten gehen, die Landeszentrale zog vom repräsentativen Rindermarkt ins billige Hauptbahnhofsviertel. Was hießen erst weitere vier Jahre in der außerparlamentarischen Opposition? Sie wollen es sich gar nicht vorstellen.

Daniel Föst soll Spitzenkandidat in Bayern werden.

Und deshalb wirft man nun alles hinein, was in der Partei Rang und Namen hat: An der Spitze natürlich Parteichef Christian Lindner, der im Falle eines Wiedereinzugs den Vorsitz der Bundestagsfraktion anstrebt. Dazu kommen Wolfgang Kubicki, bislang im Landtag von Schleswig-Holstein, und Katja Suding aus Hamburg. „Es liegt nahe, dass die Mannschaft, die derzeit den Wiederaufbau der FDP betreibt, jetzt als Team zusammenbleibt“, sagt die 40-jährige stellvertretende Parteivorsitzende. Aus dem EU-Parlament wollen Michael Theurer, der auch Vorsitzender im Stammland Baden-Württemberg ist, und Alexander Graf Lambsdorff wechseln. Dazu kommt der inzwischen 76-jährige Hermann-Otto Solms und womöglich Lenke Steiner. Die junge Bremer Unternehmerin, die bei der Bürgerschaftswahl 6,6 Prozent holte, hat sich zwar noch nicht öffentlich geäußert, doch in der Partei rechnen viele damit, dass sie die Liste in der Hansestadt anführt. „Insgesamt haben wir eine sehr leistungsstarke Truppe aus Alt und Neu“, sagt der bayerische FDP-Generalsekretär Daniel Föst, der im Freistaat Spitzenkandidat werden soll. „Wir müssen alle Kräfte bündeln“, findet Katja Suding.

Doch ganz ohne Risiko ist die Fokussierung auf den Bundestag nicht. Im Frühjahr finden zuvor in Schleswig-Holstein (7. Mai) und Nordrhein-Westfalen (14. Mai) Landtagswahlen statt – mit den Herren Kubicki und Lindner an vorderster Front. Die konkurrierenden Parteien dürften sich auf die Pläne der beiden einschießen, nur für wenige Wochen das regionale Mandat wahrzunehmen. Eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Ein Thema, das auch in Bayern akut ist: Hinter den Kulissen hatten Landeschef Albert Duin und sein Generalsekretär Föst zuletzt mächtig Druck auf potenzielle Kandidaten gemacht, sich zwischen Bund oder Landtag zu entscheiden, der im Herbst 2018 gewählt wird. Zumindest für die Bundesliste, die im März aufgestellt wird, zeichnet sich ein heißer Kampf ab: Hinter dem als unumstritten geltenden Spitzenmann Föst dürfte es um jeden Platz Kampfkandidaturen geben. Platz 2 beanspruchen die beiden Partei-Vize Sebastian Körber (früher Baupolitiker im Bundestag) und Karsten Klein (früher Haushaltspolitiker im Landtag). Spätestens ab Platz 3 kommen drei Frauen ins Spiel: die ehemalige Staatssekretärin Katja Hessel und Britta Dassler (beide Mittelfranken) sowie die Gautingerin Britta Hundesrügge. Zudem bewerben sich der ehemalige oberbayerische Abgeordnete Jimmy Schulz sowie der JuLi-Vorsitzende Lukas Köhler. Auch der ehemalige Vize-Ministerpräsident Martin Zeil hält sich eine Kandidatur offen: „Ich werde mich nach der Sommerpause entscheiden, wie es weitergeht“, sagt Zeil, der „nichts ausschließen“ will.

„Wir wollen beweisen, dass eine Aufstellung auch ohne Frauenquote funktionieren kann“, sagt Föst. Die FDP-Spitze hofft, trotz des harten Konkurrenzkampfes größere Verwerfungen zu verhindern. Denn vom Abschneiden im Freistaat dürfte entscheidend abhängen, ob die FDP ihre Schicksalswahl überlebt. Zuletzt gingen die Werte wieder ein wenig nach unten: Forsa und Infratest verorten die Liberalen derzeit nur noch bei fünf Prozent. Es wird eng.

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