Barbara Hendricks
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Barbara Hendricks am Montag in Berlin.

Bundesumweltministerin Hendricks

Weltklimavertrag: "Rückenwind für deutschen Klimaschutz"

Berlin - Der diplomatische Kraftakt ist geschafft: Es gibt ein internationales Klimaabkommen. Es ist nicht perfekt, aber ein Erfolg, meint EU-Klimakommissar Cañete. Unternehmen in Deutschland wagen einen Vorstoß.

EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete hat den Weltklimavertrag als „ehrgeizig“ verteidigt. „Wenn man ein internationales Abkommen verhandelt, bekommt man nie 100 Prozent dessen, was man verlangt“, sagte Cañete am Montag in Brüssel. „Aber wenn Sie mir am Mittwoch gesagt hätten, dass wir dieses Abkommen bekommen könnten, hätte ich gesagt: Sie sind verrückt.“

Der Vertrag mit dem Ziel, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius und wenn möglich unter 1,5 Grad zu halten, wurde auch von Umweltschützern weithin gelobt. Kritiker hätten sich allerdings noch mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz gewünscht.

Nach Einschätzung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist das Abkommen auch für Deutschland ein Ansporn, seine Klimaschutzvorhaben schnell voranzubringen. „Paris verleiht unseren Klimaschutzzielen in Deutschland zusätzlichen Rückenwind“, sagte sie in Berlin. Es sei völlig klar, dass sich Deutschland spätestens bis Mitte des Jahrhunderts von fossilen Energieträgern - Kohle, Gas und Öl - verabschieden müsse.

Führende Unternehmen in Deutschland begrüßten in einer Erklärung das Abkommen als Wendepunkt hin zur globalen Energiewende. 34 große und mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen wollen demnach selbst den Klimaschutz vorantreiben und fordern von der Politik ambitionierte Rahmenbedingungen für die sogenannte Dekarbonisierung in Deutschland und in der EU.

Als Durchbruch wertete Cañete, dass sich Brasilien als großes Schwellenland Ende der Woche der selbst ernannten Koalition der Ehrgeizigen anschloss. Darin arbeiteten die EU, die USA, sowie Länder aus dem Pazifik, der Karibik, Afrika und Lateinamerika bei den Pariser Klimaverhandlungen zusammen.

„Wir hatten während des ganzen Jahres ein Riesenproblem mit den USA“, sagte Cañete. „Die Botschaft war: Wir wollen keine verpflichtenden Zusagen zur Minderung (von Treibhausgasen).“ Der wichtige CO2-Verschmutzer USA habe aber im Boot sein müssen: „Wir konnten nicht 12 Prozent der weltweiten Emissionen bei dem universellen Abkommen außen vor lassen.“

Das Pariser Abkommens sei am Ende so formuliert worden, dass die amerikanische Regierung es nicht dem Kongress vorlegen musste. Dort haben die oppositionellen Republikaner die Mehrheit, die gegen ein Abkommen Sturm gelaufen waren.

Die weiteren Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung bezeichnete Cañete als Jahrhundertaufgabe. „Paris ist der erste Schritt. Es ist kein schlechter, es ist ein sehr positiver.“ Er selbst sei glücklich, vor allem aber erleichtert.

Die energie- und klimapolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Eva Bulling-Schröter, sagte: „La Boum ist vorbei, jetzt heißt es liefern.“ Wenn die Bundesregierung diese richtigen Ziele glaubwürdig vertreten wolle, müsse der nationale Klimaschutz ab heute ganz oben auf die Agenda.

dpa

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