CDU und Arbeitgeber wollen für Flüchtlinge Ausnahmen vom Mindestlohn, die SPD dagegen fürchtet den Unmut deutscher Niedriglohn-Bezieher. Foto: Arno Burgi/Archiv
1 von 7
CDU und Arbeitgeber wollen für Flüchtlinge Ausnahmen vom Mindestlohn, die SPD dagegen fürchtet den Unmut deutscher Niedriglohn-Bezieher. Foto: Arno Burgi/Archiv
Junge Afghaninnen lernen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Fuldatal-Rothwesten Deutsch. Die CDU will mit einem Maßnahmenpaket die Integration von Flüchtlingen vorantreiben. Foto: Uwe Zucchi/Symbolbild
2 von 7
Junge Afghaninnen lernen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Fuldatal-Rothwesten Deutsch. Die CDU will mit einem Maßnahmenpaket die Integration von Flüchtlingen vorantreiben. Foto: Uwe Zucchi/Symbolbild
"Nicht in Sprachkurse zu investieren, aber Strafen für Menschen ohne Sprachkenntnisse zu fordern, ist Politik ohne Verstand", sagt ein SPD-Sprecher. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
3 von 7
"Nicht in Sprachkurse zu investieren, aber Strafen für Menschen ohne Sprachkenntnisse zu fordern, ist Politik ohne Verstand", sagt ein SPD-Sprecher. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
Fahrlehrer Sylvio Hanke erklärt dem syrischen Asylbewerber Mustafa al Amir das Abkippen von Baustoffen mit einem Lkw. Foto: Jan Woitas/Archiv
4 von 7
Fahrlehrer Sylvio Hanke erklärt dem syrischen Asylbewerber Mustafa al Amir das Abkippen von Baustoffen mit einem Lkw. Foto: Jan Woitas/Archiv
Deutschkurs für Flüchtlinge: Die CDU will Migranten, die nicht Deutsch lernen, sanktionieren. Foto: Bernd Wüstneck
5 von 7
Deutschkurs für Flüchtlinge: Die CDU will Migranten, die nicht Deutsch lernen, sanktionieren. Foto: Bernd Wüstneck
In der Firma Reuther STC GmbH in Fürstenwalde (Brandenburg) arbeitet der 26-jährige Asylbewerber Hamza Ahmed aus Somalia an einem Stahlsegment für einen Windradturm. Foto: Patrick Pleul/Archiv
6 von 7
In der Firma Reuther STC GmbH in Fürstenwalde (Brandenburg) arbeitet der 26-jährige Asylbewerber Hamza Ahmed aus Somalia an einem Stahlsegment für einen Windradturm. Foto: Patrick Pleul/Archiv
Ausbildung: Ayanie Osman Hosh aus Somalia sitzt in einem Minibagger der Bauunternehmensgruppe Günter Papenburg. Foto: Jan Woitas/Archiv
7 von 7
Ausbildung: Ayanie Osman Hosh aus Somalia sitzt in einem Minibagger der Bauunternehmensgruppe Günter Papenburg. Foto: Jan Woitas/Archiv

CDU entschärft Vorstoß zu Mindestlohn bei Flüchtlingen

Die Aufregung war groß, nun ändert die CDU rasch ihre Forderung nach Einschränkungen für Asylbewerber beim Mindestlohn. Klar ist aber: Die Partei von Kanzlerin Merkel will Flüchtlingen mehr Grenzen aufzeigen.

Berlin/Mainz (dpa) - Die CDU schwächt nach scharfen Protesten einen Vorstoß zu Mindestlohn-Ausnahmen für Flüchtlinge ab. Lohnabstriche fordert sie nun noch bei Praktika.

Das sieht ein Integrationskonzept mit Anreizen und Drohungen vor, das der Bundesvorstand unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einstimmig beschloss. Ursprünglich sollten Asylberechtigte in den ersten sechs Monaten einer Beschäftigung - wie Langzeitarbeitslose - keinen Mindestlohn bekommen. Dies stieß bei SPD, Opposition, Gewerkschaften und nach Angaben aus Parteikreisen auch bei CDU-Sozialexperten auf Widerstand.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte, Ziel sei es, Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Der Beschluss der CDU fordert nun, dass für Asylberechtigte Praktikumszeiten, in denen vom Mindestlohn abgewichen werden kann, auf mindestens sechs Monate verlängert werden.

Dabei gilt der Mindestlohn im Grundsatz auch für Praktikanten. Nur bei Praktika zur Berufsorientierung oder begleitend zu Ausbildung oder Studium gibt es eine Zeitvorgabe - sie unterliegen bis zu drei Monaten nicht dem Mindestlohn.

Das CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn erklärte: "Junge Männer ohne Aufgabe bringen immer Ärger, egal ob deutsch, syrisch oder albanisch. Daher ist es wichtig, dass wir junge Flüchtlinge schnell in Arbeit bringen."

Die SPD sieht sich nach der geänderten CDU-Forderung bestätigt. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt gegen andere Arbeitnehmer ausgespielt werden. Das hat die CDU nun offenbar in letzter Minute selbst gemerkt", sagte Generalsekretärin Katarina Barley der Deutschen Presse-Agentur.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte zuvor mit Blick auf den ursprünglichen CDU-Vorstoß betont: "Für mich ist es völlig klar, dass die SPD am Mindestlohn-Gesetz nichts ändern wird." Sonst wäre das Ergebnis, "dass man die Armen, die kommen, gegen die Armen, die da sind, ausspielt". Gabriel sprach von einem "Aufbauprogramm" für die rechtspopulistische AfD.

Mehrere Gewerkschaften warnten vor Diskriminierung von Flüchtlingen auf dem Jobmarkt durch Ausnahmen beim Mindestlohn. Verdi-Chef Frank Bsirske mahnte, zusätzliche Verteilungskämpfe seien eine Gefahr für den sozialen Frieden. Die Grünen kritisierten den ursprünglichen Vorstoß der CDU als Wahlkampfmanöver.

Die CDU verlangt in dem Papier mit Titel "Fördern und Fordern" auch eine Kürzung von Sozialleistungen, wenn Integrations- und Sprachkurse oder zumutbare Arbeitsgelegenheiten abgelehnt werden. Bei kriminellen Flüchtlingen soll spätestens bei einem Ermittlungsverfahren der Aufenthaltsradius überprüft und notfalls mit Hausarrest und Einzug von Barvermögen und Fahrtickets begrenzt werden. Für Flüchtlinge ohne Schulabschluss soll geprüft werden, ob "eine längere Beschulung" ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

Tauber sagte auf die Frage, warum sich die CDU beim Mindestlohn nicht vorher mit der SPD beraten habe: "Ich bin als CDU-Generalsekretär den Mitgliedern und Anhängern der Union verpflichtet. Niemandem sonst." Die Erwartungen an den EU-Gipfel Mitte der Woche versuchte er zu dämpfen. Es werde eine erste Zwischenbilanz geben, "die dann natürlich kein Endergebnis sein kann". Die entscheidende Frage in Brüssel sei die Sicherung der EU-Außengrenzen.

Bundesarbeitsministerium zu Mindestlohn und Praktika

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Ein Toter und viele Verletzte bei Angriff auf American University in Kabul

Bei einem bewaffneten Angriff auf die American University in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens ein Mensch getötet und 26 weitere verletzt worden.
Ein Toter und viele Verletzte bei Angriff auf American University in Kabul

Früherer Bundespräsident Walter Scheel tot: Bilder aus seinem Leben

Der frühere Bundespräsident und FDP-Vorsitzende Walter Scheel ist am Mittwoch im Alter von 97 Jahren gestorben. Scheel gehörte auch während seiner Amtszeit als …
Früherer Bundespräsident Walter Scheel tot: Bilder aus seinem Leben

Philippinischer Präsident Duterte droht UN-Austritt an

Rodrigo Duterte gilt als harter Knochen. Schon bevor er Präsident der Philippinen wurde, stand er im Ruf, Todesschwadronen gegen Kriminelle zu fördern. Auf Kritik …
Philippinischer Präsident Duterte droht UN-Austritt an

Nach Einsatz gegen Piraterie: Fregatte „Bayern“ zurückgekehrt

Wilhelmshaven - Die Fregatte „Bayern“ ist in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurückgekehrt. Nach knapp sechs Monaten freute sich die Besatzung, ihre Familien zu sehen.
Nach Einsatz gegen Piraterie: Fregatte „Bayern“ zurückgekehrt

Kommentare