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Berauscht: CDU-Parteitag feiert Angela Merkel

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Von: Georg Anastasiadis

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Merkur-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Haag Klaus

Karlsruhe -  Jedem ihrer inner- wie außerparteilichen Kritiker hat Merkel in Karlsruhe klargemacht: Sie bleibt die Meisterin aller Klassen. Jedenfalls in Deutschland, vielleicht auch nur in der Karlsruher Parteitagshalle. Draußen im Land ist die Welt eine andere, kommentiert Georg Anastasiadis.

So dumm, auf offener Parteitagsbühne Selbstmord zu begehen, sind in Deutschland nur die SPD-Genossen. Beim Kanzlerinnenwahlverein CDU werden Lebensmüde und andere Unruhestifter per Parteitagsregie entwaffnet: Ein paar geschickt eingeflochtene Sätze im Leitantrag, etliche vorbeugende Telefonate mit den wichtigsten Kritikern, dazu eine souveräne Rede der Vorsitzenden – das reichte, um die CDU-Delegierten auf dem Karlsruher Parteitag in Euphorie zu versetzen. Das ist keine geringe Leistung angesichts des Umstands, dass in der Partei die Zeichen vor diesem Wochenende noch auf Sturm standen.

Angela Merkel hatte auf den Unmut reagiert. Aber, wie es ihre Art ist, nur in Tippelschritten: Flüchtlings-Obergrenzen lehnt sie weiter strikt ab, ein deutsches Grenzregime ebenso. Immerhin eine andere, unsichtbare Grenze akzeptiert sie jetzt: eine Grenze der Machbarkeit. Wenn man sich vergegenwärtigt, wo die Grenzenlos-Kanzlerin herkommt, ist das schon was. Mehr war nicht drin, seit die Chefin der Großen Koalition die Fortsetzung ihrer liberalen Asylpolitik zu einer Frage der Ehre – und damit zu einer Frage der Macht – stilisiert hat. Wie Adenauer bei der Westbindung und Kohl bei der Wiedervereinigung sieht sich Merkel in der Flüchtlingskrise auf historischer Mission.

Allen anderen bleiben da nur Statistenrollen. Jedem ihrer inner- wie außerparteilichen Kritiker hat Merkel in Karlsruhe klargemacht: Sie bleibt die Meisterin aller Klassen. Jedenfalls in Deutschland, vielleicht auch nur in der Karlsruher Parteitagshalle, wo sich die Machtmaschine CDU gestern so grandios an sich selbst berauschte. Draußen im Land ist die Welt eine andere: Da laufen der Union die Wähler in Scharen davon und der AfD zu. Und wenn die Kanzlerin übermorgen zum Gipfel nach Brüssel reist, wird sie feststellen, dass die anderen in ihr nicht mehr die gefeierte Anführerin Europas sehen. Sondern die Störenfriedin, die mit ihrer Flüchtlingspolitik den Kontinent entzweit. Das ist fatal, weil sich Merkels Mission ohne die Hilfe der EU-Partner bei der Verteilung der Migranten kaum zu einem erfolgreichen Ende bringen lässt. Mochten die CDU-Delegierten ihrer Kanzlerin noch so begeistert applaudieren: Diese neue Realität lässt sich nicht wegklatschen. Und manchem Rausch folgte schon der Kater. Für die Union könnte sich Karlsruhe noch als verpasste Chance erweisen.

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