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Nach der Bekanntgabe feierten Protestanten auf den Straßen Pekings

Beschimpfung, Zensur, Haft: Peking reagiert auf Friendensnobelpreis

Peking/Oslo - In Peking feierten Aktivisten ausgelassen die Vergabe des Friedensnobelpreises an Chinas Bürgerrechtler Liu Xiaobo - bis die Polizei kam. 

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Paukenschlag in Oslo: Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo

Gratulation und Empörung: Stimmen zum Friedensnobelpreis

Die mutige Entscheidung dürfte dem Nobelkomitee nicht leicht gefallen sein. Sie brüskiert das kommunistische Regime in Peking. Dort schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Die kommunistische Führung sah in der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Bürgerrechtler Liu Xiaobo eine schwere Provokation, während pro-demokratische Aktivisten in Peking vor Freude spontan feierten.

Mit harter Hand ging die Polizei sofort gegen Sympathiebekundungen vor, die aus mehreren Stellen der Hauptstadt berichtet wurden.

Mindestens 20 Teilnehmer wurden festgenommen. Ein Großaufgebot von Polizei und Staatssicherheit riegelte den Wohnkomplex mit dem Appartement von Liu Xiaobos Frau ab. Die 50-jährige Liu Xia konnte nur über Telefon verkünden: “Ich bin glücklich.“

Behörden zensieren Internet, TV und SMS

Die chinesischen Behörden zensierten Meldungen über die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises in großem Umfang. Die Übertragung des Senders CNN wurde gestört. Beliebte Internetseiten entfernten die Berichterstattung über die Nobelpreise, die in den Tagen zuvor in den naturwissenschaftlichen Sparten noch eine wichtige Rolle spielten. Textbotschaften über “Xiaobo“ an Sina Microblog, einem Twitter-ähnlichen Dienst, wurden schnell gelöscht. Sogar Versuche, SMS mit den chinesischen Schriftzeichen für Liu Xiaobo zu verschicken, scheiterten.

Dutzende Sympathisanten hatten sich vor den Toren unter rund hundert Journalisten und Kamerateams gemischt, während Agenten der Staatssicherheit neben Uniformierten argwöhnisch über die Menge wachten. Der chinesische Polizeistaat zeigte wieder sein hässliches Gesicht. Kein Zweifel, mit der erstmaligen Verleihung eines Friedensnobelpreises an einen chinesischen Dissidenten steigt der innenpolitische und internationale Druck auf Chinas Regierung.

Märtyrer Liu Xiaobo der "neue Dalai Lama"

Dabei hat Liu Xiaobo seinen unverhofften Aufstieg zum Friedensnobelpreisträger genau diesem Regime zu verdanken, das ihn durch die ungewöhnlich hohe Haftstrafe von elf Jahren für sein demokratisches Engagement praktisch zum Märtyrer machte. Jetzt steht Liu Xiaobo auf einer Stufe mit dem Dalai Lama, dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, oder dem südafrikanischen Bischof Desmond Tutu und der birmanischen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi.

In Oslo meinten manche, dass jetzt vielleicht auch das Nobelkomitee selbst eine Auszeichnung für seinen Mut verdient habe. “Wir wollen den Preis nicht nur an Menschenrechtler in kleineren und vielleicht nicht so einflussreichen Ländern vergeben“, sagte Komiteechef Thorbjørn Jagland. Und er fügte nicht nur an die Adresse Pekings hinzu: “Das Nobelkomitee ist komplett unabhängig von Regierungen und Parlamenten."

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