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Der Druck auf Bayerns Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU) wächst.

Weitere Strafanzeige

Ermittlungen gegen Haderthauer offiziell eingeleitet

München - Auf Bayerns Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU) kommt eine weitere Strafanzeige zu: Der wegen dreifachen Mordes verurteilte Modellauto-Bauer will sie verklagen. Die Ermittlungen sind mittlerweile eingeleitet.

Gegen Staatskanzleichefin Christine Haderthauer wird nun förmlich ermittelt. Nachdem Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) keine Einwände erhoben hatte, habe die Staatsanwaltschaft München II die Einleitung des Verfahrens beschlossen, sagte am Freitag Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich, der Sprecher der Behörde. Die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens war seit Tagen erwartet worden.

Grundlage ist die Überprüfung einer Betrugsanzeige, die der frühere Mitgesellschafter des Unternehmens Sapor Modelltechnik eingereicht hat. In gleicher Sache wird bereits seit einiger Zeit gegen Haderthauers Mann Hubert ermittelt, wie Heidenreich bestätigte.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Landtagspräsidentin am Montagabend informiert, dass sie gegen die CSU-Spitzenpolitikerin ermitteln will. Die Information Stamms war notwendig, da Haderthauer als Landtagsabgeordnete eigentlich immun ist. Der Landtag hat sich für derartige Fälle ein Schnellverfahren gegeben: Sofern die Präsidentin nicht innerhalb von 48 Stunden Einwände erhebt und den Fall den Abgeordneten zur Abstimmung vorlegt, können die Staatsanwälte ermitteln - ohne dass die Immunität formell aufgehoben wird. Erst wenn es zur Anklage kommen sollte oder ein Strafbefehl erlassen wird, müsste der Landtag über die Aufhebung von Haderthauers Immunität abstimmen.

Anlass: Komplizierter Streit ums Geld

Anlass der zwei Ermittlungsverfahren gegen das Ehepaar ist ein komplizierter Streit ums Geld: Hubert Haderthauer - heute Landgerichtsarzt in Ingolstadt - hatte Ende der 1980er Jahre den Dreifachmörder Roland S. kennengelernt. Dieser hatte von Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre drei Männer getötet und verstümmelt. Wegen seiner vermutlich unheilbaren seelischen Störung und Gefährlichkeit sitzt der heute 75-Jährige nach wie vor im Maßregelvollzug und wird voraussichtlich bis ans Ende seines Lebens nicht mehr freikommen.

Der Stahlbauschlosser ist jedoch ein begabter Handwerker. Der Mörder begann, im Auftrag von Sapor Modelltechnik Luxus-Modellautos im Maßstab 1:8 zu bauen - als Teil der Arbeitstherapie in der Psychiatrie. Als Gesellschafter stieg aber zunächst nicht Dr. Haderthauer, sondern seine Frau Christine ein. Miteigentümer war der französische Geschäftsmann Roger Ponton.

Nach ihrer Wahl in den Landtag 2003 gab die CSU-Politikerin ihren Anteil an Ehemann Hubert ab, der bis 2008 Gesellschafter blieb. 2011 zahlten die Haderthauers dem Ex-Geschäftspartner Ponton nachträglich 20.000 Euro Abfindung für dessen Anteil. Ponton fühlt sich jedoch betrogen und erstattete deswegen Anzeige im Frühjahr.

Der Franzose glaubt, dass die Gewinne höher waren als die von den Haderthauers angegebenen Summen, und ihm deswegen auch eine höhere Abfindung zugestanden hätte. Die Staatsanwaltschaft hält Pontons Vorwürfe offensichtlich für so plausibel, dass die Ermittler der Sache nun auf den Grund gehen wollen.

Hubert Haderthauer hat schon seit dem vergangenen Jahr juristischen Ärger wegen seiner früheren Geschäfte. Da er als Landgerichtsarzt bayerischer Amtsträger ist, leitete die Landesanwaltschaft ein Disziplinarverfahren ein. Wegen der strafrechtlichen Ermittlungen ist das Disziplinarverfahren aber derzeit ausgesetzt. Das teilte die Landesanwaltschaft auf Anfrage mit. 

Weitere Strafanzeige

In der Modellauto-Affäre wächst der Druck auf Bayerns Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU). Auch der wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Modellauto-Bauer Roland S., der sich bis heute in Sicherungsverwahrung befindet, wolle Strafanzeige erstatten, berichtete die "Bild"-Zeitung vom Freitag. "Mein Mandat fühlt sich von dem Ehepaar Haderthauer ausgenutzt. Deshalb wollen wir Strafanzeige stellen", sagte der Rechtsanwalt Adam Ahmed, der Steigerwald vertritt.

Der gelernte Bauschlosser hat nach Zeitungsinformationen bis zu 130 Modellautos gebaut, die das Ehepaar Haderthauer über seine Firma Sapor Modelltechnik für insgesamt mehr als 2,6 Millionen Euro weiterverkauft oder versteigert haben sollen. Der Häftling habe für seine Arbeit demnach nur 200 Euro pro Monat erhalten und werfe Hubert Haderthauer vor, die von ihm gefertigten Modellautos als von ihm selbst hergestellte Modelle ausgegeben zu haben.

Hubert Haderthauer hat schon seit dem vergangenen Jahr juristischen Ärger wegen seiner früheren Geschäfte. Da er als Landgerichtsarzt bayerischer Amtsträger ist, leitete die Landesanwaltschaft ein Disziplinarverfahren ein. Wegen der strafrechtlichen Ermittlungen ist das Disziplinarverfahren aber derzeit ausgesetzt. Das teilte die Landesanwaltschaft auf Anfrage mit.

AFP/dpa

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