CSU-Nachwuchs hält Sondertagung ab

Keine „Ehe für alle“, dafür Dienstpflicht für Mann und Frau

München – Sie wollen Wehrpflicht und Ersatzdienst zurück - und das für Mann und Frau - und keine "Ehe für alle": Die Junge Union geht auf ihrer Sondertagung konservative Wege.

Am Ende setzen 57 Prozent der Delegierten einen etwas konservativeren Weg durch. Mit 94:71 Stimmen hat eine Sonder-Landesversammlung der Jungen Union am Wochenende die Linie des CSU-Nachwuchses in der Familienpolitik vorerst festgezurrt. Im Kern: Keine Festlegung auf allein das klassische Familienbild Mann-Frau-Kind, aber auch keine völlige Gleichstellung von Ehe und Homo-Ehe.

Leidenschaftlich und kontrovers diskutierte die JU in Nürnbergs Meistersingerhalle. Drei Vorschläge für den heiklen Passus lagen vor: „Andere Lebensrealitäten und -entwürfe“ anzuerkennen, die Ehe Mann/Frau allerdings als „klares Leitbild“ festzuhalten; eine völlige Gleichstellung; und nun eben der Mittelweg. In der Passage heißt es, die Ehe zwischen Mann und Frau bilde einen „guten Rahmen für die Entstehung einer Familie“. Den Kern von Partnerschaft bildeten aber Liebe und Verantwortung. „Wo Menschen diese Verantwortung übernehmen und füreinander da sein wollen, ist die Grundlage für Familie gegeben.“ Besonders anerkannt wird die Leistung von Alleinerziehenden.

Für Außenstehende mag es nach Wortklauberei klingen, für die CSU ist die Anerkennung für schwule und lesbische Partnerschaften ein weiter Schritt – vor allem in Zeiten, wo der Union die allzu bereitwillige Preisgabe konservativer Grundüberzeugungen vorgeworfen wird. Die richtige Fassung im neuen Grundsatzprogramm war deshalb bis in die oberste JU-Spitze hinein umkämpft. Landeschef Hans Reichhart, eher für die liberale Variante, hielt sich in Nürnberg zurück und ließ sogar geheim abstimmen, um den Druck auf Delegierte zu senken. Er kann mit dem Ergebnis gut leben. „Ich bin zufrieden, eine tolle Diskussion“, sagt er am Sonntag. „Die konstruktive Debatte war fast noch wichtiger als die Entscheidung“, sagt Carmen Langhanke, die Autorin des JU-Programms.

In der Mutterpartei gibt es Lob. „Ich halte die Entscheidung der JU für klug“, sagt Markus Blume, der als Leiter der Grundsatzkommission der CSU in diesen Wochen vor ähnlichen Formulierungsfragen steht. „Wir respektieren alle Formen von Familie, ohne dass wir Ehe und klassische Familie relativieren.“

Die JU-Abstimmung war Teil des Prozesses, in dem sich auch die Parteijugend neue Leitsätze gibt. Jenseits der Familienpolitik sind in den 23 Seiten Spitzen auf die CSU enthalten. „Als Junge Union halten wir der CSU im Hinblick auf Fehlentwicklungen in Partei und Politik den Spiegel vor und sind der Stachel im Fleisch der CSU.“

Spannend: Die JU legt sich darin auch auf die Forderung nach der Rückkehr zu einer allgemeinen Dienstpflicht fest. Sie soll für Männer und Frauen gelten und bei Bundeswehr oder als Ersatzdienst abgeleistet werden. In der Steuerpolitik plädiert die JU für eine Fortentwicklung des Ehegattensplittings. Es soll künftig stärker an Kindern ausgerichtet werden.

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