Nach dem jüngsten Fall in Erding

Darum "verschwinden" Flüchtlinge aus Notunterkünften

München - Immer wieder verschwinden Asylbewerber, die noch nicht registriert sind. Laut dem Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), soll sich das bald ändern.

580 Asylbewerber sind am Wochenende im Camp Shelterschleife in Erding verschwunden. So lautet die Meldung, die Anfang der Woche aus Erding kam, bestätigt vom dortigen Landrat Martin Bayerstorfer. Sie klingt drastisch.

Doch was heißt das, Asylbewerber sind verschwunden?

Im Falle Erding sagt Bayerstorfer, es sei wohl "nicht die richtige Entscheidung" gewesen, "einen Auslass zu schaffen, der von jedem rund um die Uhr genutzt werden kann." Will heißen: Die dort untergebrachten Asylbewerber verließen das Camp einfach durch den Auslass. 

Natürlich. Denn niemand darf festgehalten werden. Das bundesdeutsche Gesetz sieht nicht vor, Asylbewerber einzusperren oder festzuhalten, auch wenn sie nicht registriert sind oder einen Asylantrag gestellt haben.

So gab es schon am Montag eine ähnliche Meldung aus Niedersachsen: Dort verschwanden laut "Bild" in den vergangenen Tagen zahlreiche Menschen - mindestens 700 sollen es gewesen sein. Das ergab eine Umfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung" bei den 20 Landkreisen und kreisfreien Städten. 

Warum aber bleiben Flüchtlinge nicht in den Notunterkünften, wie das Camp Shelterschleife in Erding eine ist?

Schweden ist sehr beliebt

Der Hauptgrund ist laut "Bild" der Familienanschluss: Viele Menschen haben in Deutschland Familie oder Freunde, die schon länger hier wohnen. Zu denen wollen sie hin - und nicht in das Bundesland und die Kommune, der sie nach dem Königsteiner Schlüssel zugeteilt wurden. 

Andere wollen gar nicht in Deutschland bleiben und nur durchreisen, um beispielsweise nach Skandinavien zu kommen. Speziell Schweden mit seiner liberalen Asylpolitik ist nach wie vor sehr beliebt.  

Das Problem: Solange viele Menschen in Deutschland unregistriert umherreisen, bekommen weder Deutschland noch die EU einen Überblick darüber, wie viele Menschen aktuell Hilfe suchen. 

Kanzleramtschef Peter Altmaier, seit neuestem Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, will das ändern. Zwar sagt er in einem Interview mit dem BR, der Flüchtlingsstrom könne nicht auf Knopfdruck verlangsamt werden. Aber: "Wir müssen verhindern, dass Flüchtlinge einfach durchgereicht werden." Flüchtlinge müssten frühzeitig registriert werden, jene ohne Asylanspruch nach Möglichkeit sollten nach Möglichkeit erst gar nicht bis nach Deutschland kommen. 

Aktuelle Informationen zum Thema Flüchtlingskrise lesen Sie in unserem News-Ticker.

kf

 

Rubriklistenbild: © dpa

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