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Nach ihrer Freilassung sind die beiden deutschen Geiseln (Mitte) in Sicherheit.

Erste Mahlzeit bei Botschafter

Deutsche Entführungsopfer schwach, aber glücklich

Manila/Berlin - Die beiden deutschen Entführungsopfer sind nach ihrer Freilassung durch die Terrorgruppe Abu Sayyaf in der Obhut der deutschen Botschaft auf den Philippinen.

Der 72 Jahre alte, aus dem Rheingau stammende Arzt und seine 55 Jahre alte Lebensgefährtin seien in der Botschafterresidenz in Manila untergebracht, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Samstag. Sie würden medizinisch und psychologisch betreut. Das Paar war im April während einer Segeltour westlich der Philippinen gekidnappt worden. Wann sie nach Deutschland fliegen können, war zunächst nicht klar.

Gelöst sitzen die beiden deutschen Entführungsopfer nach ihrer Freilassung in einem Büro der philippinischen Marine, vor sich ein ganzer Teller voller Brotscheiben und Tee. Der 72-Jährige und seine 55 Jahre alte Partnerin greifen zu, essen mit großen Bissen und plaudern mit den Soldaten. Zuvor konnten sie auf dem Stützpunkt in Zamboanga bereits duschen, wie Konteradmiral Reynaldo Yoma am Samstag erzählt. Ihre dreckige Kleidung tauschten sie gegen frische Sachen ein.

Doch das Paar ist gezeichnet von den sechs Monaten, in denen es sich in der Hand der islamistischen Gruppe Abu Sayyaf befand. Der 72-Jährige, das ist in dem Video der Marine ebenfalls zu sehen, hat Blutergüsse am rechten Auge. Er ist wackelig auf den Beinen und muss sich vor dem Einsteigen ins Auto an einer Wand abstützen. Hinter ihm trägt jemand einen Infusionsbeutel - die Kanüle in seiner Hand versorgt ihn mit zusätzlichen Nährstoffen. Beide sehen ausgemergelt aus.

Für die beiden Deutschen muss der Dschungel auf der Insel eine grüne Hölle gewesen sein. Tagsüber hat es um die 32 Grad, mit hoher Luftfeuchtigkeit, so dass es sich noch wärmer anfühlt. Nachts kühlt es bis auf 22 Grad ab. Mehrmals pro Woche regnet es, also bleibt der Boden immer feucht. Hinzu kommt die Gefahr durch Malaria. Und die permanenten Drohungen. „Ich kam zum Urlaubmachen her, aber ich erlebe hier das Gegenteil davon“, sagte der Mann in dem Interview.

Kritik an Lösegeldzahlung

Nach Angaben der Entführer wurde das geforderte Lösegeld von mehr als vier Millionen Euro in voller Höhe gezahlt. Die Bundesregierung möchte dazu keine Stellung beziehen. Sollten die Angaben von Abu Sayyaf stimmen, wäre dies wohl der größte Betrag für die Islamisten, seit sie im Jahr 2000 eine Gruppe von 21 Menschen entführten, darunter die deutsche Familie Wallert. „Das ist ein sehr, sehr schlechtes Signal, denn man vermittelt den Menschen damit, dass Kidnapping ein sehr einfacher Weg ist, um an Geld zu kommen“, sagt die verteidigungspolitische Analystin Clarita Carlos in Manila.

Das Auswärtige Amt in Berlin rät weiterhin, die Insel Mindanao wegen der Gefahr von Entführungen unbedingt zu meiden. Analysten befürchten, dass die Terroristen nun noch mehr Attacken im Land verüben und Geiseln nehmen. „Jetzt haben sie das Geld, um zu rekrutieren“, sagt Carlos. Besonders bedroht seien hellhäutige Menschen, weil die Islamisten davon ausgingen, dass deren Regierungen zahlten.

Der philippinische Präsident Benigno Aquino war laut einer Sprecherin „glücklich“, als er von der Freilassung der beiden Deutschen erfuhr. Doch zeigte er sich besorgt über den Gesundheitszustand des Paares. Sie seien möglicherweise noch erschöpft, sagte General Tutaan der Nachrichtenagentur dpa. „Aber jetzt sind sie in sicheren Händen.“

Die Kidnapper hatten zuletzt gedroht, den passionierten Segler zu enthaupten, sollte das geforderte Lösegeld bis Freitag nicht gezahlt werden. Am Freitag waren sie aus dem Dschungelversteck freigelassen worden. Per Schiff gelangten sie von der Insel Jolo in die Stadt Zamboanga, wo sie von der Marine zunächst erstversorgt wurden. Dann ging es mit dem Flugzeug fast 1000 Kilometer nach Norden in die Hauptstadt.

Abu Sayyaf hält noch mehrere Geiseln gefangen   

Die Terrorgruppe Abu Sayyaf kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. Die Gruppe hat der Terrororganisation Islamischer Staat (IS), die in Syrien und im Irak Angst und Schrecken verbreitet, ihre Verbundenheit erklärt. Immer wieder erpresste Abu Sayyaf in der Vergangenheit mit Geiselnahmen Geld, um ihren Kampf zu finanzieren.

Die Extremisten verübten einige der schlimmsten Terroranschläge, die das südostasiatische Land in den vergangenen Jahrzehnten erlebte. Die Gruppe war im Jahr 2000 auch für die Entführung der Familie Wallert und 18 anderer Geiseln von einer Taucherinsel in Malaysia verantwortlich. Die Wallerts kamen erst nach mehr als drei Monaten frei - nachdem Millionen Dollar gezahlt worden waren.

Mehrere andere Geiseln sind noch in der Gewalt von Abu Sayyaf. Vermisst werden unter anderem zwei Vogelbeobachter aus den Niederlanden und der Schweiz sowie zwei Malaysier und ein Japaner. Das philippinische Militär erklärte, derzeit in einer Offensive gegen die Terrorgruppe vorzugehen, um die anderen Gefangenen zu befreien.

dpa

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