Nach brutaler Geisel-Ermordung

Deutschland will Engagement im Irak ausweiten

Berlin - Die Entrüstung über die brutale Ermordung eines Briten durch die Terrormiliz Islamischer Staat ist groß. Die USA und ihre Verbündeten bekräftigen ihre Entschlossenheit zum weiteren Kampf.

Die Enthauptung einer vierten westlichen Geisel in der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat das internationale Bündnis im Kampf gegen die Extremisten bestärkt. Ein im Internet veröffentlichtes Video, das die Enthauptung des 47-jährigen Briten Alan Henning zeigen soll, mache deutlich, „wie abscheulich und barbarisch“ die IS-Terroristen vorgingen, teilte der britische Premierminister David Cameron mit. Cameron, US-Präsident Barack Obama und die EU erklärten, die Verantwortlichen würden zur Verantwortung gezogen. Das von den USA geführte Bündnis westlicher und arabischer Staaten flog am Samstag neue Luftangriffe gegen IS-Stellungen.

IS-Extremisten hatten zuvor bereits die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines ermordet. Das britische Außenministerium prüfte noch die Authentizität des Videos, die Regierung in London verurteilte den Mord aber scharf. Nach der Enthauptung Hennings drohten IS-Extremisten mit der Tötung eines ehemaligen US-Elitesoldaten.

Deutschland will sein Engagement im Kampf gegen den IS im Irak deutlich ausweiten. Unter anderem wird der Aufbau eines militärischen Ausbildungszentrums in der nordirakischen Kurden-Hauptstadt Erbil geprüft, die Beteiligung am Training der von Bagdad geführten irakischen Streitkräfte und die Entsendung zusätzlicher Bundeswehr- Offiziere in Führungsstäbe, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr. Das Verteidigungsministerium bestätigte die Angaben am Samstag.

Die Bundeswehr liefert bereits Waffen an die kurdischen Peschmerga-Streitkräfte und zeigt ihnen vor Ort und in Deutschland die Bedienung. Nun wird ein umfassendes Training kurdischer, aber auch christlicher und jesidischer Kämpfer im Nordirak geprüft. Dazu soll Deutschland eins von acht bis zwölf im Irak geplanten militärischen Ausbildungszentren aufbauen. Zudem soll die deutsche Beteiligung an Führungsstäben ausgeweitet werden.

Bei der nun von der Terrormiliz IS mit dem Tode bedrohten US-Geisel handelt es sich nach einem Bericht der „Washington Post“ um ein früheres Mitglied eines Ranger-Regiments. Der amerikanische Soldat habe von April bis Juli 2007 im Irak gedient. Das Außenministerium in Washington bestätigte, dass es sich um einen US-Bürger handelt. Für seine Rettung wollen die USA nach Angaben des Außenministeriums alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen - militärisch, diplomatisch, rechtlich und geheimdienstlich. Der Amerikaner - die fünfte Geisel - soll nach seiner Zeit bei der US-Armee als Entwicklungshelfer nach Syrien gegangen sein.

Die Gefechte um die in Nordsyrien gelegene kurdische Enklave Kobane zwischen kurdischen Volksschutzeinheiten und Kämpfern des IS dauerten an. Am Samstag hätten die Dschihadisten ihre Angriffe auf den Westen und Südwesten von Kobane konzentriert, sagte Idris Nassan, Vizeaußenminister der Regionalregierung von Kobane, der Nachrichtenagentur dpa. Die Angriffe seien ausdauernd, aber im Vergleich zum Vortag nicht intensiver geworden. Nassan sagte, die kurdischen Verteidiger Kobanes hätten Versorgungsschwierigkeiten. „Unsere Munition wird knapp“, sagte Nassan, „aber noch können wir sie einteilen“. Auch an Waffen und schwerer Artillerie fehle es.

Mindestens 35 IS-Kämpfer sind am Samstag durch Luftangriffe der USA und ihrer arabischen Verbündeten in Syrien getötet worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter. Bei den Angriffen des IS auf Kobane seien auch mindestens zehn kurdische Kämpfer getötet worden.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Samstag in Zusammenhang mit dem IS erneut ausdrücklich von einer „Terrororganisation“. Er sagte, die Regierung habe Gruppen wie den IS nicht unterstützt und lasse ausländische Kämpfer nicht über die Türkei nach Syrien reisen. Er verwahrte sich gegen Aussagen von US-Vizepräsident Joe Biden. Biden hatte am Donnerstag vor Harvard-Studenten gesagt, die Türkei habe eingeräumt, die Grenze zu Syrien in der Vergangenheit nicht ausreichend gesichert zu haben.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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