Der Kongress wird unter dem Motto "Chancen und Risiken in der digitalisierten Arbeitswelt" abgehalten. Foto: Rainer Jensen
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Der Kongress wird unter dem Motto "Chancen und Risiken in der digitalisierten Arbeitswelt" abgehalten. Foto: Rainer Jensen

Nahles und DGB wollen digitale Arbeitswelt sicher und fair

Die Digitalisierung der Arbeitswelt ist in vollem Gange. Profitieren nur wenige? Der DGB pocht darauf, die Interessen der Arbeitnehmer zu wahren. Fragt sich nur, wie.

Berlin (dpa) - Sichere und fair bezahlte Arbeit auch in der digitalen Welt - dafür haben sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stark gemacht.

"Es geht um Arbeit, die sicher ist, die Sinn stiftet, nicht krank macht und den Beschäftigten die Chance gibt, auf der Höhe der Zeit zu sein", sagte Nahles bei einem "Digitalisierungskongress" des DGB in Berlin. Wie das gelingen kann, dürfte der schwierigere Punkt sein, räumte die Ministerin ein.

Einerseits könne die Digitalisierung neues Wachstum, höherwertige Arbeitsplätze und flexiblere Arbeitszeiten bringen, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Permanente Verfügbarkeit, mehr Arbeit in gleicher Zeit und unbezahlte Überstunden stünden jedoch nicht für Flexibilität, sondern für eine "Entgrenzung der Arbeit zulasten der Beschäftigten". Die Arbeit müsse so gestaltet werden, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. "Wir wollen gute Arbeit 4.0."

Die Debatte über die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt durch digitale Technologie versucht Nahles derzeit unter dem Motto "Arbeiten 4.0" voranzutreiben. Seit längerem spricht sie sich dafür aus, die Chancen der Veränderungen zu fördern - etwa wenn Arbeitnehmer bei der Arbeit wegen des Einsatzes von Notebooks, Smartphones und Co. nicht ständig im Büro präsent seien müssen. Aus ihrer Sicht bietet das vor allem Frauen mehr Karrierechancen.

Wenn Beschäftigte aber flexibler werden müssten, gehe das nur im Kompromiss, sagte Nahles. "Das heißt: neue Flexibilität nur gegen neue Sicherheit." Europa sollte deshalb einen eigenen Weg in der Digitalwirtschaft einschlagen und dürfe nicht einfach "Rezepte aus dem Silicon Valley" importieren. "Das haben wir gar nicht nötig."

Dem Festhalten an klassischen Regeln der Arbeitswelt erteilte Joachim Bühler, Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenverbands Bitkom, eine Absage. Wenn die Verschmelzung der analogen mit der digitalen Welt wirklich stattfinden solle, müsse das nach den Regeln der Digitalwirtschaft passieren. Verdi-Chef Frank Bsirske wandte ein, Mini-Beschäftigungen für Mini-Bezahlung gebe es in der Internetwirtschaft heute schon. Mit Würde und Selbstbestimmung der Beschäftigten hätten die Profiteure nicht viel im Sinn.

Deutschlands Arbeitgeber sagen eine umfassende Digitalisierung voraus. "Für die Zukunft gilt: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden", sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Kramer rief dazu auf, dass Digitalkompetenz in der gesamten Gesellschaft als Schlüsselqualifikation begriffen werde. "Ansonsten findet der große Digitalisierungssprung anderswo in der Welt statt."

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