Kobane
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Der Kampf um Kobane tobt weiter.

Allianz und Kurden koordinieren Angriffe

Dschihadisten schicken Verstärkung nach Kobane

Kobane - Im Kampf um die nordsyrische Stadt Kobane haben Kurden die Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) weiter zurückgedrängt. Die Terrormiliz schickt nun Verstärkung. 

Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hätten dabei ihre Angriffe gemeinsam mit der internationalen Allianz gegen den IS koordiniert, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Demnach habe die Allianz anhand von YPG-Informationen zwei gezielte Luftschläge gegen IS-Stellungen im Osten von Kobane geflogen. YPG-Einheiten hätten sich zugleich schwere Gefechte im Norden nahe dem Grenzübergang zur Türkei sowie im Süden der umzingelten Stadt geliefert.

Aus den Provinzen Aleppo und Raka würden Kämpfer, Munition und Ausrüstung nach Kobane geholt, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Samstag. Die Dschihadisten hätten am Freitag zudem einen erneuten Angriff auf den Grenzübergang zur Türkei im Norden der Stadt gestartet. Dabei hätten sie 28 Mörsergranaten abgefeuert.

Der kurdische Aktivist Idriss Nassen bestätigte die neue Offensive des IS auf den Grenzübergang. Bei heftigen Gefechten mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) seien in der Nacht zum Samstag mehrere IS-Kämpfer getötet worden, sagte Nassen.

Menschenrechtler: Fünf Zivilisten durch Luftschlag in Syrien getötet

Bei den Luftangriffen des Bündnisses gegen den IS sollen nach Angaben von Menschenrechtlern erneut Zivilisten in Syrien getötet worden sein. Drei Menschen seien bei einem Luftangriff nahe dem Dorf Kabiba in der Provinz Hasaka im Nordosten des Landes ums Leben gekommen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag. Unter den Opfern sei auch ein Minderjähriger. Zwei weitere Zivilisten seien bei einem Angriff auf vom IS eroberte Gasanlagen nahe der Ortschaft Al-Dschardi in der ostsyrischen Provinz Dair as-Saur getötet worden.

Zuletzt hatten Medien am Donnerstag berichtet, mehrere kurdische Kämpfer und eine Zivilistin seien bei einem Luftangriff der von den USA geführten Allianz auf IS-Stellungen im nordsyrischen Kobane getötet worden.

Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) wird seit über einem Monat von IS-Kämpfern belagert. Die Enklave wird von einer unabhängigen kurdischen Regierung verwaltet, YPG-Einheiten verteidigen die Stadt. Zuletzt waren IS-Dschihadisten bis in die Ostbezirke der Stadt vorgedrungen. Demnach kontrolliert die IS-Miliz derzeit etwa die Hälfte der Stadt.

USA: Keine Hinweise auf IS-Kämpfer an Kampfjets

Die USA haben keine Hinweise, dass Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sich für Einsätze mit Kampfflugzeugen rüsten. „Uns ist nicht bekannt, dass IS irgendwelche Kampfjets aus dem Irak erobert hat“, sagte die Sprecherin im US-Außenamt, Marie Harf, am Freitag. Entsprechende Berichte könne sie zurzeit nicht bestätigen. Auch bei der Frage nach einer möglichen Flugverbotszone über Syrien habe sich die Haltung Washingtons nicht geändert: „Das ist derzeit nicht Teil unserer militärischen Pläne.“

Zuvor hatten oppositionsnahe syrische Menschenrechtsbeobachter berichtet, dass sich die Dschihadisten in Aleppo nun auch für Einsätze mit Kampfflugzeugen rüsteten. Ehemalige irakische Armeeoffiziere bildeten IS-Kämpfer derzeit aus, hieß es. Drei Kampfflugzeuge - vermutlich ältere MiG 21 und 23 aus russischer Fertigung - sollen sich auf einem Militärflugfeld in der nördlichen Provinz Aleppo befinden.

Die Aktivisten berichten unter Berufung auf Einwohner der Region, dass mindestens ein solches Flugzeug im Tiefflug gesehen wurde.

US-Rüstungsfirmen hoffen auf gute Geschäfte im Krieg gegen den IS

Die Luftangriffe der USA gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien erweisen sich als Goldgrube für die Rüstungsindustrie. Der Einsatz, vor wenigen Tagen "Operation Inherent Resolve" (etwa: "Operation natürliche Entschlossenheit") getauft, beschert US-Rüstungsfirmen steigende Aktienkurse und potenzielle Milliardeneinnahmen. Gefragt sind Bomben, Raketen, Ersatzteile für Kampfflugzeuge. Auch die Entwicklung neuer Rüstungsprojekte dürfte einen Schub erhalten. "Aus der Sicht der Verteidigungsindustrie ist es der perfekte Krieg", sagt Branchenkenner Richard Aboulafia von der Marktforschungsfirma Teal Group.

In den vergangenen drei Monaten legte der Aktienkurs des Rüstungs- und Technologieriesen Lockheed Martin um rund zehn Prozent zu. Der Konzern stellt unter anderem die Hellfire-Raketen her, die von US-Drohnen abgefeuert werden. Auch der Börsenwert der Rüstungsunternehmen Northrop Grumman und Raytheon stieg seit Beginn des Militäreinsatzes.

Raytheon sicherte sich Ende September einen 251 Millionen Dollar (196 Millionen Dollar) schweren Pentagon-Auftrag, der US-Marine weitere Tomahawk-Lenkraketen zu liefern. Am 23. September, dem ersten Tag der Luftangriffe auf Syrien, feuerten US-Kriegsschiffe 47 Tomahawks ab. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Dollar pro Rakete.

Die Rüstungsfirmen hoffen nicht nur auf Geschäfte mit der US-Armee, sondern auch mit anderen Ländern der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten. An den Luftangriffen in Syrien beteiligen sich Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Irak bombardiert unter anderem die französische Luftwaffe mit. Außerdem schielen Sicherheitsunternehmen auf Beraterverträge bei Neuaufbau und Ausbildung der irakischen Regierungstruppen.

Noch vor einem Jahr stellte sich die Rüstungsindustrie in den USA auf magere Zeiten ein. Präsident Barack Obama hatte die Truppen aus dem Irak abgezogen, der Einsatz in Afghanistan neigte sich ebenfalls dem Ende zu. Angesichts des Schuldenberges sollten die Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren zurückgefahren werden. Wegen des Haushaltsstreits zwischen Demokraten und Republikanern ließen automatische Kürzungen das Pentagon-Budget bereits schrumpfen. Die Rüstungsindustrie verkündete erste Entlassungen.

Der Vormarsch der Dschihadisten im Irak und in Syrien, aber auch der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland haben in Washington zu einer Neubewertung der Sicherheitslage geführt. "Der politische Konsens scheint sich in Richtung höhere Verteidigungsausgaben zu bewegen, als Antwort auf das gefährliche Umfeld da draußen", sagt Aboulafia.

Obama, der sich eigentlich dem Aufbau des eigenen Landes widmen wollte, gab den Befehl zur Verlegung von 1600 Soldaten in den Irak. Den Einsatz von Kampftruppen hat der US-Präsident ausgeschlossen, die Soldaten sollen nur das irakische Militär beraten und wichtige US-Einrichtungen schützen. Dennoch brachte er eine Mission ins Rollen, die Jahre dauern könnte und deren Ende noch nicht abzusehen ist.

Die Rufe aus dem Kongress in Washington nach harten Einschnitten im Verteidigungsbereich sind weitgehend verstummt. Selbst die für einen Minimalstaat eintretende Tea-Party-Bewegung habe ihre Kritik an Militäreinsätzen im Ausland abgemildert, sagt Aboulafia.

Im gerade abgelaufenen Haushaltsjahr 2014 betrug das US-Verteidigungsbudget rund 580 Milliarden Dollar. Die USA sind damit weiter auf Platz eins in der Rangliste der nationalen Verteidigungsbudgets - und gaben alleine mehr Geld für Verteidigung aus als alle acht nachfolgenden Staaten zusammen. Das Pentagon hat nun gute Argumente, sein Stück am Haushaltskuchen in den kommenden Jahren wieder zu vergrößern. Widerstand aus dem Kongress dürfte nur wenig kommen. "Es ist unglaublich schwer, nein zu sagen, wenn man im Krieg ist", sagt Loren Thompson von der Politikberatung Lexington Institute.

dpa/afp

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