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Bernd Posselt (58, CSU) saß von 1994 bis 2014im Europaparlament

Schwarze Liste

Posselt zum Einreiseverbot: "Empfinde das als Ritterschlag"

Brüssel - Mit Stolz und Spott nimmt der frühere Abgeordnete Bernd Posselt das Einreiseverbot Russlands entgegen.

Eine Handvoll Deutsche sind von der russischen Regierung mit einem Einreiseverbot belegt worden. Aus Bayern traf es einen, der derzeit gar nicht Abgeordneter ist: Der frühere Europaparlamentarier Bernd Posselt (CSU) darf nun nicht mehr nach Russland reisen. Der Münchner, der Moskau wiederholt kritisiert hatte, nimmt das Verbot etwas verwundert, aber mit Stolz auf. Wir haben mit ihm am Sonntag telefoniert.

Einreiseverbot in Russland – für Sie eine Kränkung oder ein hohes Lob?

Ich empfinde es als Ritterschlag für meine jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit, nicht nur in Russland.

Warum Sie? Was war bei Ihnen „der triftige Grund“, den Moskau vorgibt zu haben?

Ich habe schon in der Sowjetzeit Bürgerrechtler unterstützt und durfte auch damals nicht nach Russland fahren, ich habe die Wendezeit aktiv begleitet. Nach Putins Machtübernahme vor 15 Jahren habe ich seinen Tschetschenien-Krieg scharf kritisiert. Ich war befreundet mit Kritikern wie Anna Politkowskaja, die – davon bin ich überzeugt und das sage ich auch laut – für ihre Äußerungen ermordet wurde. Ich habe immer Putins Angriffskrieg auf die Ukraine verurteilt. Also – da ist einiges in meinem „Sündenregister“ zusammengekommen.

Wie haben Sie vom Einreiseverbot erfahren?

Durch einen Journalisten, dann durch das Auswärtige Amt per Telefon.

Sie hatten keine Russland-Reise geplant?

Nein. Ich könnte jetzt spöttisch sagen: Kein Sommerurlaub in Sotschi vorgesehen.

Haben Sie Putin mal persönlich getroffen?

Wirklich persönlich begegnet sind wir uns nie. Ich habe mal vor der Stasi-Zentrale in Dresden demonstriert, während er wohl drinnen saß.

Fordern Sie politische oder wirtschaftliche Konsequenzen aus der „schwarzen Liste“?

Wissen Sie – da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich bin ja ganz froh, dass meine Arbeit von der Gegenseite bemerkt wird. Mir tut es immer leid für das russische Volk, was für ein Regime es hat. Ich hatte Einreiseverbote unter den Kommunisten – die sind längst Geschichte. Ich hoffe sehr, dass ich eines fernen Tages durch ein demokratisches Russland reisen werde.

Sie sind ja immer auch jemand, der für Völkerverständigung eintritt. Hätten Sie sich nicht doch Putins Teilnahme am G7-Gipfel in Elmau gewünscht?

Nein, ich finde richtig, dass er nicht dabei ist. Es wird miteinander mehr geredet denn je. An direkten Gesprächen mangelt es nicht, nur an der Einhaltung der Ergebnisse durch Putin und seine Regierung. Solche Gespräche sollte man weiterführen – aber so jemand wie Putin muss nicht an das Bankett nach Elmau eingeladen werden.

Interview: Christian Deutschländer

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