Der scheidende EKD-Chef Nikolaus Schneider fordert den Ausbau der Sterbebegleitung. Foto: Matthias Balk
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Der scheidende EKD-Chef Nikolaus Schneider fordert den Ausbau der Sterbebegleitung. Foto: Matthias Balk

Sterbehilfe und Asylpolitik wühlen evangelische Kirche auf

Dresden (dpa) - Die Flüchtlingspolitik und die anstehende Bundestagsdebatte zur Neuregelung der Sterbehilfe haben die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zum Start ihrer Jahrestagung in Dresden bewegt.

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider bekräftigte in seinem letzten Bericht vor dem Kirchenparlament am Sonntag die Ablehnung aktiver Sterbehilfe, forderte zugleich aber einen flächendeckenden Ausbau von palliativer und Hospiz-Versorgung. "Die Begründung eines Rechtsanspruchs auf diese Form der Sterbebegleitung könnte erwogen werden."

Etliche der Kirchenparlamentarier verwiesen auf die schwierige Situation, vor die Ärzte durch todkranke Patienten mit kaum noch zu lindernden Schmerzen oder auch durch die wachsende Zahl dementer Menschen mit schweren Wahnvorstellungen gestellt werden.

Schneider warnte vor einem Ausblenden von Leben und Sterben und sagte, evangelische Ethik solle Christen in der konkreten Situation den Freiraum geben, unterschiedlich zu urteilen. Schneider, der wegen seiner an Krebs erkrankten Frau sein Amt vorzeitig aufgibt, hatte erklärt, sie im Ernstfall zu begleiten, wenn sie Sterbehilfe wünsche.

Über Schneiders Nachfolge wird an diesem Dienstag entschieden. Entweder übernimmt sein Vertreter, Sachsens Landesbischof Jochen Bohl (64), für das letzte Jahr der Amtsperiode den EKD-Ratsvorsitz. Oder der als Favorit für die folgende sechsjährige Amtszeit gehandelte Münchner Bischof Heinrich Bedford-Strohm (54) rückt vorzeitig an die Spitze. Aber auch eine andere Wahl ist nicht ausgeschlossen.

Der Terror der Miliz Islamischer Staat (IS) auch gegen Christen in Syrien und im Irak bewegte viele Mitglieder der EKD-Synode. "Ich wünsche mir, dass wir als Synode hier laut schreien", forderte einer. Humanitäre Hilfe werde kaum gewaltlos zu den Betroffenen gelangen können, gab ein Jungsynodaler zu bedenken.

Schneider rechtfertigte den Ruf der Kirche nach einem militärischen Vorgehen gegen die Terrormiliz. Zwar proklamiere die Bibel "keine Gewalt". "Aber das Evangelium ruft uns nicht dazu auf, tatenlos zuzusehen, wie andere Menschen gequält, geköpft, vergewaltigt und versklavt werden."

Schneider beklagte eine Politik der Abschottung und Ungastlichkeit gegenüber Flüchtlingen. "Die Zustände in vielen Aufnahmeeinrichtungen sind Anlass zur Scham", sagte der EKD-Chef. "Die Angst, dass ein ungebremster Zuzug von Flüchtlingen den eigenen Wohlstand gefährdet, bricht sich in Ablehnung, Abwehr und Gewalt gegen Flüchtlinge und Migranten Bahn." In der Debatte forderten mehrere Parlamentarier mehr Einsatz für eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen.

Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende hob den Einsatz der evangelischen wie auch der katholischen Kirche für Flüchtlinge hervor. "Ungezählte Menschen fanden und finden Kirchenasyl, um in Ausnahmesituationen ein letzes Überprüfen ihrer persönlichen Situation zu ermöglichen."

Kritisch zum Kirchenasyl äußerte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in seinem Grußwort in Dresden. Die Frage sei, ob sich die Kirche mit der Beherbergung von Flüchtlingen nicht über den Staat und die Gerichte stelle. Der Minister betonte den deutschen Einsatz für Flüchtlinge. Die bislang große Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung dürfe nicht gefährdet, Kommunen dürften nicht überfordert werden. Auch eine Unterbringung von Flüchtlingen in Gewerbegebieten sei notfalls zumutbar.

EKD-Synode

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