Beate Zschäpe
+
Beate Zschäpe muss sich von ihrem Schweigen etwas versprechen. Die Angeklagte im NSU-Prozess spielt auf Zeit.

NSU-Prozess

Zschäpe zögert Erklärung weiter hinaus

München - Beate Zschäpe ist den Richtern im NSU-Prozess eine Erklärung schuldig, warum sie ihre Anwälte entlassen will. Doch bislang schweigt die Angeklagte.

Die Richter im NSU-Prozess haben auch am Freitag auf eine Erklärung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe zum Zerwürfnis mit ihren Verteidigern gewartet. Bis zum Dienstschluss der Geschäftsstelle des Oberlandesgerichts (OLG) München ging das angeforderte Schreiben nicht ein. Damit ist eine Lösung der Anwaltskrise voraussichtlich auf kommende Woche vertagt.

Das OLG hatte Zschäpe aufgefordert, zu begründen, warum sie kein Vertrauen mehr zu ihren Anwälten hat. Eine erste Frist bis Donnerstagnachmittag hatte sie verstreichen lassen. Das Gericht gab ihr daraufhin bis Freitag Zeit.

OLG-Sprecherin Andrea Titz teilte am Nachmittag mit: „Schriftstücke, die in dieser Sache eingehen, müssen zunächst vom Senat den betroffenen Verfahrensbeteiligten bekanntgegeben werden.“ Gemeint sind vor allem Zschäpes Anwälte, die die Gelegenheit bekommen, sich zu möglichen Vorwürfen ihrer Mandantin zu äußern. Weitere Informationen werde es darum „voraussichtlich nicht vor Montagmittag“ geben.

Der Prozess soll kommende Woche planmäßig weitergehen. „Das Gericht kann am Dienstag weiterverhandeln, und im Moment schaut es auch danach aus“, erklärte die Sprecherin. Sollte Zschäpe auch nach Fristablauf noch stichhaltige Gründe für die Vertrauenskrise nennen, dann werde das Gericht diese „natürlich berücksichtigen müssen“. Selber entlassen kann Zschäpe ihre Anwälte nicht, weil es sich um gerichtlich bestellte Pflichtverteidiger handelt. Deren Auswechslung würde erhebliche Risiken für den weiteren Prozessverlauf schaffen.

Eines der Prozessthemen am kommenden Dienstag ist das Feuer, mit dem Zschäpe im November 2011 die Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau zerstört haben soll. Unter den Zeugen ist ein Zwickauer Amtsrichter, der im Mai dieses Jahres die damalige Nachbarin Zschäpes in einem Altenpflegeheim dazu befragte. Die Frau, die im August 92 Jahre alt wird, lebte in der Nebenwohnung. Sie musste aus dem zerstörten Haus gerettet werden. Die Anklage wirft Zschäpe vor, sie habe „billigend in Kauf“ genommen, dass „ihre hochbetagte Nachbarin zu Tode kommen“ könnte. Zschäpe selbst hat sich dazu bisher nicht geäußert, gemäß der bisherigen Schweigestrategie ihrer Anwälte.

dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Anschlag auf Flüchtlinge im Irak: 14 Tote

Bagdad - Im Norden des Iraks hat sich ein Sprengstoffattentäter in die Luft gesprengt. 14 Menschen starben, darunter zwei Kinder.
Anschlag auf Flüchtlinge im Irak: 14 Tote

Kassen-Ärzte: Brauchen auf dem Land flexiblere Versorgung

Berlin (dpa) - Die Kassenärzte haben flexiblere medizinische Versorgungskonzepte für ländliche Regionen gefordert. "Die romantische Vorstellung, dass in jedem Dorf ein …
Kassen-Ärzte: Brauchen auf dem Land flexiblere Versorgung

Albig bleibt dabei: SPD-Kanzler nach 2017 unrealistisch

Düsseldorf (dpa) - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) geht angesichts der Umfragewerte nicht davon aus, dass die SPD nach der Bundestagswahl 2017 …
Albig bleibt dabei: SPD-Kanzler nach 2017 unrealistisch

News-Blog: Erdogan lässt tausende Einrichtungen schließen

Ankara - Mehr als 10.000 Beschuldigte sind im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei in Gewahrsam genommen worden. Für Präsident Erdogan Anlass, den 15. Juli …
News-Blog: Erdogan lässt tausende Einrichtungen schließen

Kommentare