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Horst Seehofer ist nicht sehr begeistert von der Idee, die Grenzkontrollen zu Österreich wieder einzustellen.

"Sind nicht informiert worden"

Seehofer wehrt sich gegen mögliches Ende von Grenzkontrollen

München - Horst Seehofer hat Bundesinnenminister de Maizière (CDU) wegen dessen Ankündigung, die Kontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze zu beenden, scharf attackiert.

Bayern läuft gegen ein von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angekündigtes Ende der Kontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze Sturm. Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wiesen derlei Pläne am Mittwoch in außergewöhnlich scharfer Form zurück.

De Maizière hatte am Vorabend in der Nachrichtensendung „ZiB2“ des österreichischen Fernsehens mit Blick auf die stark gesunkenen Flüchtlingszahlen gesagt: „Wenn die Zahlen so niedrig bleiben, würden wir über den 12. Mai hinaus keine Verlängerung der Grenzkontrollen durchführen.“ Schon jetzt würden die Kontrollen an der Grenze zu Österreich allmählich heruntergefahren und Polizisten abgezogen. Die Grenzkontrollen waren im vergangenen Herbst eingeführt worden.

Seehofer attackierte de Maizière daraufhin als selbstherrlich. „Wir sind als hauptbetroffenes Land nicht beteiligt und nicht informiert worden. Das ist ein selbstherrlicher Regierungsstil“, sagte der CSU-Vorsitzende der „Mittelbayerischen Zeitung“ (Online-Ausgabe). Seehofer fügte hinzu: „Diese Selbstherrlichkeit richtet sich zunehmend gegen Bayern. Wir sind den Berlinern einfach zu stark.“

Herrmann warnte vor einem „völlig falschen Signal“ an Flüchtlinge auf dem Balkan oder in der Türkei: „Die Botschaft würde von vielen so verstanden werden, man könnte wieder ungehindert nach Deutschland einreisen. Das wäre eine völlig falsche Botschaft.“

Seehofer betonte, er halte die Entscheidung aus sicherheitspolitischen Gesichtspunkten für falsch. „Ich habe zwar Verständnis für jeden bayerischen Bürgermeister an der Grenze, der sagt: Gut, wenn es keine Grenzkontrollen mehr gibt“, sagte er. „Ich muss allerdings die ganzen Auswirkungen auf die innere Sicherheit sehen. In einer Zeit, in der Frankreich, die Beneluxstaaten und die skandinavischen Staaten die Grenzkontrollen wegen der kriminellen und terroristischen Gefahren noch verstärkt haben, ist es hochproblematisch, so etwas jetzt in die Welt zu setzen.“

Auch Herrmann kritisierte, eine Beendigung der Grenzkontrollen sei weder auf politischen Ebene mit Seehofer oder ihm noch auf der fachlichen Ebene mit der bayerischen Polizei abgesprochen gewesen. Er habe de Maizière am Mittwoch telefonisch darüber informiert, dass Bayern eine Einstellung der Grenzkontrollen strikt ablehne. Grenzkontrollen sind Sache des Bundes, konkret der Bundespolizei.

„Der Bundesinnenminister hat mir versichert, dass eine Beendigung der Grenzkontrollen nur infrage kommt, wenn die Flüchtlingszahlen so niedrig bleiben wie zur Zeit und wenn der Schutz der EU-Außengrenzen gewährleistet ist“, erklärte Herrmann. Und gerade letzteres sei aus bayerischer Sicht nicht der Fall. „Im Moment kenne ich weit und breit niemanden, der behauptet, dass der Schutz der EU-Außengrenzen wirklich vollumfänglich gewährleistet wäre“, betonte der Minister.

Herrmann fügte hinzu, die Äußerungen de Maizières stünden im krassen Widerspruch zum Vorgehen vieler anderer europäischer Länder etwa auf der Balkan-Route. Die Lage in Griechenland sei auch bei Weitem noch nicht so stabilisiert, dass man von einer grundsätzlichen Entspannung ausgehen könne. „Dazu kommt, dass sich ja in den letzten Wochen die Gefahr von Terroristen aus dem islamistischen Bereich eher noch verschärft hat.“ Unabhängig von der Flüchtlingsbewegung habe man deshalb allen Anlass, an allen Grenzen intensiv zu kontrollieren, sagte der Innenminister - „jedenfalls, solange nicht ein wirklich guter Schutz an den EU-Außengrenzen gewährleistet ist“.

dpa

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