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Erdkabel auf einer Baustelle in Nordrhein-Westfalen: Einfach wird das Verlegen nicht.  

Deeskalation in Sicht?

Energiewende: Stromtrassen sollen eingegraben werden

München - Fast hatte man das Thema schon vergessen. Vor zwei, drei Jahren tobte in Bayern ein heftiger Streit um Stromtrassen. Jetzt legt der Netzbetreiber Tennet einen neuen Plan für Südostlink und Südlink vor: vollständig unterirdisch. Genügt das zur Befriedung?

Der Ministerpräsident steht mit geballter Faust in einem Halbkreis von verärgerten Demonstranten, sein Kopf hängt fast in den selbstgemalten Transparenten. Lärm um ihn herum, abwechselnd Beifall und Pfiffe. Er werde gegen „Monstertrassen“ kämpfen, sagt Horst Seehofer zu, und „alle Register ziehen“. Zweieinhalb Jahre ist das her, April 2014 im oberbayerischen Neuburg.

Der bayernweite und hochemotionale Kampf, zwischenzeitlich von der Flüchtlingskrise in den Hintergrund gedrückt, scheint sich nun dem Ende zu nähern. In diesen Tagen legt Tennet, der jetzt zuständige Netzbetreiber, neue Pläne für die Riesentrassen vor. Sie sollen Windkraft- und Kohle-Strom aus dem Norden in den Süden transportieren, wo nach dem Atomausstieg Energiebedarf herrscht. Es wirkt so, als sei eine Deeskalation in Sicht.

"Können das Wort Monstertrassen aus unserem Sprachgebrauch streichen"

Oberbayern wird von den Trassen voraussichtlich ganz verschont. So geht es aus den Plänen hervor, die seit Montagabend in München zirkulieren. Bereits zugesagt hat Tennet zur Überraschung vieler Beteiligter, dass die Leitungen auf Wunsch komplett eingegraben werden. Die Verspargelung Bayerns mit riesigen Masten-Trassen, ein Schreckensszenario vieler besorgter Bürger, ist offenbar abgewendet. „Wir können das Wort Monstertrassen aus unserem Sprachgebrauch streichen“, sagt Energieministerin Ilse Aigner (CSU).

Sie beriet mit den Abgeordneten aus Ostbayern am Abend in einem Nebenraum des Landtags Details, am Dienstagmorgen folgt eine Gruppe aus Unterfranken, am Vormittag dann das Kabinett. Der Ablauf sorgt nicht bei allen Abgeordneten für Freude.

Auch sind viele Fragen offen, vor allem in der Oberpfalz. Regensburger Politiker fürchten, der Südostlink komme dem Ort zu nahe. Es gibt Entwürfe rechts- und linksherum um die Stadt, so ist es auch bei Schwandorf. Je zwei Varianten existieren auch für das Fichtelgebirge sowie beim Südlink für die Rhön. Andere weisen darauf hin, dass auch Erdkabel durch die notwendigen Grabe-Arbeiten erheblich in die Landschaft einschneiden. Die finalen Korridore für Südlink und Südostlink sollen von Tennet im weiteren Dialog bis Ende März oder Anfang April entwickelt werden.

Teurer und langsamer

Völliger Friede ist auch politisch nicht zu erwarten. Die Erdkabel machen den Netzausbau teurer und langsamer. Experten rechnen mit dem Kostenfaktor drei bis zehn. Der Bundesnetzagentur zufolge wird die 800 Kilometer lange Südlink-Trasse – die „Hauptschlagader“ der Energiewende – zudem erst 2025 fertig, drei Jahre später als geplant. 2022 geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Kritiker wie der Bund Naturschutz und andere Aktionsbündnisse kündigten bereits Widerstand an. Sie fordern eine dezentrale Energieversorgung und den gänzlichen Verzicht auf die Stromtrassen.

Seehofer, der sich damals mit Wucht gegen die Trassen stellte, wirft sich jetzt mit seinem vollen Gewicht für die Erdkabel ins Zeug. „Das ist ein voller Erfolg“, sagte er unserer Zeitung am Montagabend. „Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft. Ist ein Breitbandkabel unter der Erde irgendein Problem? Ist Verkehr im Tunnel ein Problem? Sind Wasserleitungen und ein Kanal unter der Erde ein Problem?“ An etwaige Kritiker der Erdkabel-Pläne gerichtet, sagte Seehofer: „Wir müssen schon noch die Tassen im Schrank lassen.“

dpa

Mike Schier

Mike Schier

E-Mail:mike.schier@merkur.de

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