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Ein Gegendemonstrant wird am Samstag von einem Wasserwerfer der Polizei getroffen.

"Eigenes Versagen kaschieren"

Entsetzen in Leipzig und die Suche nach den Schuldigen

Leipzig - Das Entsetzen in Leipzig ist groß nach den Ausschreitungen von Autonomen. Der Ruf nach Konsequenzen wird laut. Über allem schwebt die Frage: War das vorhersehbar?

Nach den schweren Krawallen von Autonomen in Leipzig machen sich Politik und Sicherheitsbehörden gegenseitig Vorwürfe. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) attackierte am Montag den Verfassungsschutz. Was die Behörde vorab als Lageeinschätzung geliefert habe, könne jeder in fünf Minuten im Netz recherchieren. „Das kann's nicht sein“, sagte Jung.

Verfassungsschutzpräsident Gordian Mayer-Plath wies die Vorwürfe bei MDR Info als „nicht zutreffend“ zurück. Man habe über das Gewaltpotenzial der Linksextremisten informiert. Die Polizeigewerkschaften kritisierte, die Beamten seien am Samstag von den Verantwortlichen zum Ziel der anarchistischen Angriffe gemacht worden.

„Ich brauche eine gezielte, auf die jeweilige Situation zugespitzte Beurteilung der Lage“, betonte Jung. „Ich muss wissen, wer dort anreist. Wer steckt hinter Tarnnamen. Das alles ist nicht gelaufen.“ Er werde sich am Dienstag mit Meyer-Plath zum Gespräch treffen und hoffe, dass auch Innenminister Markus Ulbig (CDU) daran teilnehmen werde.

Sachsens CDU-Fraktionschef Frank Kupfer erklärte, der Leipziger Stadtchef suche einen Sündenbock und wolle eigenes Versagen kaschieren. Jung müsse sich die Frage stellen, „wie sich solche linksextremen Strukturen in seiner Stadt entwickeln konnten und ob in der Vergangenheit seitens der Verwaltung alles unternommen wurde, um dies zu verhindern“.

Ob die linksextremistischen Randalierer überwiegend aus der Messestadt kamen oder anreisten - auch darüber gehen die Ansichten auseinander. Jung sprach von mehr als 500 Zugereisten unten den geschätzten 1000 gewaltbereiten Randalierern.

Der Verfassungsschutz beziffert die gewaltbereite autonome Szene in Leipzig auf rund 180 Personen, die problemlos in der Lage seien, weitere Sympathisanten zu mobilisieren. „Leipzig ist die absolute Schwerpunktregion der sächsischen autonomen Szene sowie der hiesige Brennpunkt linksextremistischer Gewalt“, teilte der Verfassungsschutz mit.

Bei den Krawallen von Linken anlässlich eines Rechten-Aufmarsches mit etwa 150 bis 200 Teilnehmern wurden am Samstag nach Polizeiangaben 69 Beamte verletzt. Die Polizeigewerkschaften DPolG und GdP gaben der Versammlungsbehörde - also der Stadt Leipzig - eine Mitschuld. Die Ausschreitungen seien vorhersehbar gewesen. 1500 Polizisten im Einsatz seien nicht genug gewesen.

Die Randalierer richteten in der Südvorstadt Leipzigs erhebliche Schäden an. Sie zündeten Mülltonnen an, zertrümmerten Wartehäuschen und demolierten die Scheiben einer Bank. Genau könne der Schaden noch nicht beziffert werden, sagte Jung. Er gehe aber von weit mehr als 100 000 Euro aus.

dpa

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