Enthauptung, Steven Sotloff, IS
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Der IS-Terrorist im Video hat sich mit einer Warnung an Obama und die ganze Welt gewandt.

Terroristen drohen Obama

Entsetzen über zweite IS-Enthauptung

Washington - Die Terrormiliz IS macht ihre grausige Ankündigung wahr. Nach dem Reporter James Foley enthauptet sie offenbar einen zweiten Amerikaner. Jetzt ist ein Brite in Todesgefahr.

Die mutmaßliche Enthauptung eines weiteren amerikanischen Journalisten durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) löst weltweites Entsetzen aus. Der britische Premier David Cameron sprach von einem „verachtenswerten und barbarischen Mord“. Der französische Präsident François Hollande meinte, die Tat beweise den „schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt.“ Allerdings wiesen beide ausdrücklich darauf hin, dass es noch keine abschließenden Beweise gebe.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich "entsetzt" über die in einem Video vorgeführte Enthauptung gezeigt. "Wir sind alle entsetzt über die Berichte aus dem Irak über die brutale Ermordung von Zivilisten durch den Islamischen Staat, einschließlich der gestern berichteten Enthauptung eines weiteren Journalisten", sagte Ban am Mittwoch bei einem Aufenthalt in Neuseeland. Er verurteile derartige "abscheuliche" Verbrechen, fügte der UN-Generalsekretär hinzu. Die religiösen Führer müssten sich für Toleranz, gegenseitigen Respekt und Gewaltfreiheit einsetzen.

IS-Terroristen drohen, als nächstes eine britische Geisel zu töten

Der vor einem Jahr in Syrien entführte Reporter Steven Sotloff (31) soll aus Rache für die US-Luftangriffe im Irak vor laufender Kamera getötet worden sein, berichtete das US-Forschungsinstitut Site. Es beruft sich dabei auf ein Internet-Video, das die IS ins Netz gestellt habe. Das Institut verfolgt weltweit die Aktivitäten von Terrororganisationen.

Die IS-Miliz droht demnach, als nächstes eine britische Geisel umzubringen. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Extremisten, die weite Landstriche in Syrien und im Irak beherrschen, bereits den US-Journalisten James Foley enthauptet.

Mitschrift des Videos von der Enthauptung veröffentlicht

Die internationale Journalistenorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) forderte eine Bestrafung der Täter. Die Ermordungen Foleys und Sotloff „waren Kriegsverbrechen, und diejenigen, die sie begangen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, teilte sie mit. Sie betonte, Sotloff und Foley „waren Zivilisten, keine Repräsentanten irgendeiner Regierung“.

Unklar war zunächst, wie die USA und die internationale Gemeinschaft auf das mutmaßliche Verbrechen reagiert. US-Präsident Barack Obama sagte zunächst nichts. Er flog kurz nach der Nachricht zu einem Besuch ins Baltikum. Anschließend ist er beim Nato-Gipfel in Wales, wo der Kampf gegen den Terrorismus ebenfalls zur Sprache kommen dürfte. Cameron kündigte für diesen Mittwoch Beratungen mit seinen Sicherheitsexperten an.

Das Institut Site veröffentlichte eine Mitschrift des Videos. Demnach richtete der mutmaßliche Täter mit gezücktem Messer eine Warnung direkt an Obama, die Militärangriffe im Irak gegen den IS zu unterlassen: „Ich bin zurück, Obama. Und ich bin zurück wegen Deiner arroganten Außenpolitik gegenüber dem Islamischen Staat“, sagt er demnach.

Warnung an Obama und den Rest der Welt durch IS-Terroristen

„So wie Deine Raketen weiterhin unsere Leute treffen, wird unser Messer weiter die Nacken Deiner Bürger treffen.“ Der IS-Kämpfer warnt sämtliche Regierungen, sich nicht auf eine „böse Allianz“ mit Amerika einzulassen.

Zudem ist ein Mann zu sehen, der sich als Steven Sotloff vorstellt. „Ich bin mir sicher, ihr wisst wer ich bin“, sagt er. „Und ihr wisst, warum ich hier zu sehen bin.“ Das knapp dreiminütige Video trägt den Titel „Eine zweite Nachricht an Amerika“.

Nach Angaben des Instituts ist derselbe schwarz vermummte IS-Kämpfer auf dem Video zu sehen, der auch bei Foleys Tod dabei war. Zugleich drohten die Milizen mit dem Tod einer britischen Geisel, die ebenfalls gezeigt wurde.

USA haben offenbar versucht, Sotloff zu befreien

Sotloff, der seit Jahren für diverser US-Medien an Krisenplätzen in Nahost arbeitete, wird seit August 2013 in Syrien vermisst. Er war auch kurz auf dem Video der Enthauptung Foleys zu sehen, das weltweit Entsetzen ausgelöst hatte. Damals hatte die Miliz bereits mit seinem Tod gedroht.

Das Weiße Haus wollte am Dienstag die Berichte über Sotloffs Tod zunächst nicht bestätigen. Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, die USA hätten viel Zeit und Ressourcen aufgewendet, um Sotloff aus der Geiselhaft zu befreien. Eine Kommandoaktion in Syrien war aber gescheitert.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, nannte die Berichte über Sotloffs Tod entsetzlich. Die Authentizität des Videos werde schnellstmöglich überprüft. Sollten sich die Angaben bestätigen, würden die USA die Tat als Terrorakt betrachten.

Youtube-Version des jüngsten Videos nur wenige Minuten online

„Wir wollen die IS natürlich vernichten“, sagte Psaki. „Aber dies ist keine Anstrengung, die über Nacht gelingt“, fügte sie hinzu. In Washington mehren sich unterdessen Forderungen, dass die US-Militärs ihre Luftschläge gegen IS-Stellungen auch nach Syrien ausweiten sollen. Doch darüber hat Obama noch nicht entschieden. Bisher flogen US-Kampfjets über 124 Einsätze gegen US-Stellungen im Irak.

Insgesamt dauerte das Video knapp drei Minuten (2:46). Es wurde vor allem auf dem russischen sozialen Netzwerk VK von Anhängern des IS geteilt. Die russische Seiten nutzen Dschihadisten in den vergangenen Wochen vermehrt, seit westliche Netzwerke wie Twitter und Facebook extremistische Inhalte schnell löschen. So war eine Youtube-Version des jüngsten Videos nur wenige Minuten online.

Sotloffs Mutter hatte Terroristen in Video um Gnade gebeten

Sotloffs Familie wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher der Familie sagte laut US-Medien, die Familie sei über die „fürchterliche Tragödie“ informiert. Sie trauere in aller Stille. Noch vergangene Woche hatte Sotloffs Mutter eine emotionale Videobotschaft an dessen Entführer veröffentlicht und um Gnade für ihren Sohn gebeten.

Die USA schicken weitere 400 Soldaten in den Irak. Davon sollten 350 den Schutz der US-Botschaft in Bagdad verstärken, teilte John Kirby, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Insgesamt seien damit 820 Mann für den Schutz der Botschaftsgebäude abgestellt. Rund 50 Soldaten, die derzeit in Bagdad seien, würden in anderen Ländern der Region stationiert, sagte Kirby. Er nannte keine Einzelheiten.

Bereits vor Wochen hatte Präsident Barack Obama angesichts des Vormarsches der Milizen Islamischer Staat (IS) mehrere Hundert Soldaten in den Irak geschickt. Die Regierung in Washington betont, es kämen keine Kampftruppen in den Irak.

Obama: "Entsetzlicher Gewaltakt"

Die USA würden sich nicht "einschüchtern" lassen, sagte Präsident Barack Obama am Mittwoch in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die britische Regierung erwog eigene Luftangriffe im Irak, zuvor hatte der IS mit der Enthauptung eines Briten gedroht.

Obama bezeichnete die Ermordung von Steven Sotloff als einen "entsetzlichen Gewaltakt" und drohte den Tätern mit Vergeltung. Ziel Washingtons sei es, dass der IS keine Gefahr mehr für die Menschen in Syrien und im Irak darstelle. Dies werde aber "Zeit brauchen", sagte Obama. Er war am Mittwoch zu einem Staatsbesuch in Estland eingetroffen, um anschließend zum Nato-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Wales zu reisen.

Cameron: Großbritannien lässt sich nicht einschüchtern

Großbritannien wird sich nach den Worten von Premierminister David Cameron nicht von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einschüchtern lassen. „Wenn sie denken, dass wir angesichts ihrer Drohungen schwach werden, dann irren sie sich“, sagte Cameron am Mittwoch im Londoner Parlament. Stattdessen werde das Land noch entschlossener Freiheit und Demokratie verteidigen. Zu konkreten Plänen der britischen Regierung sagte er nichts.

Die Terroristen drohen in dem am Vortag veröffentlichten Video, das den Mord an dem US-Journalisten Steven Sotloff zeigt, auch einer britischen Geisel mit dem Tod.

Im Anschluss an ein Krisentreffen mit dem Premier hatte Außenminister Philip Hammond betont, die Regierung werde ihre Strategie wegen der Drohungen nicht ändern. Eine Beteiligung an US-Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Irak schloss er nicht aus. Ziel sei es, der Regierung im Irak zu helfen, sich gegen die IS-Terroristen zu schützen.

„Wenn wir zu dem Schluss kommen sollten, dass Luftschläge dazu besser geeignet wären, dann werden wir das sicher in Betracht ziehen“, sagte Hammond. Es sei aber keine Entscheidung dafür gefallen. Die Regierung werde alle Möglichkeiten prüfen, um die britische Geisel zu schützen.

CSU will deutschen IS-Kämpfern den Pass entziehen

Die CSU fordert einen Passentzug für Deutsche, die sich der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien oder im Irak anschließen. „Jeder, der Terrorwaffen trägt in der IS-Armee, der hat die deutsche Staatsbürgerschaft verwirkt, dem muss der deutsche Pass entzogen werden“, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Mittwoch beim einem Redaktionsbesuch der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Wer als Deutscher für die IS-Terroristen kämpfe, der habe die Loyalität zur Bundesrepublik aufgegeben. Es müsse daher ein rechtliches Instrumentarium entwickelt werden, um solchen Personen die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. „Den Weg dorthin werden die Innenpolitiker diskutieren.“

Die deutsche Staatsangehörigkeit darf laut Grundgesetz nicht entzogen werden. Nur in Ausnahmefällen kann es zum Verlust kommen - etwa wenn jemand bei der Einbürgerung vorsätzlich falsche Angaben gemacht hat oder in die Armee eines anderen Staates eintritt.

Schon vor wenigen Wochen hatten mehrere Unionspolitiker eine Debatte über ein schärferes Vorgehen gegen deutsche Dschihad-Kämpfer angestoßen und für Wiedereinreisesperren oder Passentzug plädiert.

dpa/AFP

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