Bundesweite Aktionen

Polizei nimmt IS-Unterstützer fest

Pforzheim/Wolfsburg - In Pforzheim durchsucht die Polizei Wohnungen radikaler Islamisten und beschlagnahmt Beweise. Auch in NRW und Niedersachsen stehen potenzielle Gewalttäter unter Beobachtung.

Razzia gegen Islamisten im Südwesten: Polizeibeamte haben am Donnerstagmorgen in Pforzheim mehrere Wohnungen durchsucht. Einen entsprechenden Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ bestätigte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Gegen die Verdächtigen wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. Es wurden Beweismittel beschlagnahmt, aber keine Einzelheiten genannt. Festnahmen gab es offenbar nicht. Die Durchsuchungen stünden nicht im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Paris, sagte eine Sprecherin.

Auch anderorts haben die Behörden Islamisten im Blick. Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, ist vor allem besorgt über die wachsende Zahl der Dschihadisten, die von Deutschland in den Irak oder nach Syrien reisen und dort für die Terrormiliz IS kämpfen. Das Risiko, dass kampferprobte Rückkehrer in Deutschland aktiv werden, wachse somit, sagte er der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

50 IS-Unterstützer in Wolfsburg?

Beamte des Landeskriminalamts Niedersachsen haben einen 26 Jahre alten Terrorverdächtigen in Wolfsburg festgenommen. Der Deutsch-Tunesier soll sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben, wie der Generalbundesanwalt am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Es gebe aber keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Verdächtige Anschläge in Deutschland geplant oder vorbereitet habe. Während eines knapp dreimonatigen Aufenthalts in Syrien zwischen Ende Mai und Mitte August 2014 soll er eine Kampfausbildung durchlaufen haben. Die Wohnung des Mannes wurde durchsucht.

Der Mann sollte am Freitag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, dieser werde über einen Haftbefehl entscheiden. Nach Angaben des Generalbundesanwalts hatte die Staatsanwaltschaft Hannover gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts der Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt. Schließlich erhärtete sich der Verdacht, dass sich der Mann in Syrien dem IS angeschlossen habe.

Als ein Zentrum radikaler Salafisten haben die Behörden seit langem Wolfsburg im Visier, wo im November bereits ein Syrien-Heimkehrer und mutmaßlicher Kämpfer der Terrormiliz verhaftet wurde. Insgesamt wird von bis zu 40 Islamisten aus Niedersachsen ausgegangen, die in Richtung Syrien aufgebrochen sind.

Weitere Festnahme in Dinslaken

In Niedersachsen ermitteln die Sicherheitsbehörden gegen mehr als ein Dutzend Islamisten, die nach Syrien aufgebrochen sind. Allein in Wolfsburg gibt es nach Informationen der „Bild“-Zeitung rund 50 IS-Unterstützer. Innenministerium und Verfassungsschutz bestätigten die Zahlen zunächst nicht.

Im nordrhein-westfälischen Dinslaken wurde am vergangenen Samstag ein Syrien-Rückkehrer festgenommen. Der Generalbundesanwalt wirft dem 24-jährigen Deutschen Mitgliedschaft in der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ vor. Er ist nach Informationen des „Stern“ vor ihr an Waffen ausgebildet worden, soll aber nicht gekämpft, sondern ein IS-Gefangenenlager bewacht haben.

Er war seit seiner Rückkehr überwacht worden. Nach den Anschlägen von Paris soll er von US-Behörden als möglicher Gefährder eingestuft worden sein. Hinweise auf konkrete Terrorpläne des 24-Jährigen in Deutschland gab es aber laut Bundesanwaltschaft nicht.

Der Staatsschutz zählte in Dinslaken-Lohberg im vergangenen Jahr 22 Salafisten. Vier Dschihadisten von dort sollen bei Gefechten in Syrien gestorben sein. In ganz Deutschland soll die islamistische Szene mehr als 43 000 Menschen umfassen. 7000 gelten als Salafisten.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © AFP (Symbolbild)

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