Michael Brown, Video, Ferguson
+
Kurze Zeit nach dem Diebstahl wurde Michael Brown von einem Polizisten erschossen.

Aufnahmen von vor der Tat

Erschossener 18-Jähriger: Polizei veröffentlicht Video

Ferguson - Der Fall des erschossenen 18-jährigen Michael Brown in der US-Kleinstadt Ferguson sorgt für Proteste und Debatten um Rassismus. Nun hat die Polizei ein Video veröffentlicht.

Seit der Tötung des 18-jährigen Michael Brown am 9. August hatte es in Ferguson tagelang Zusammenstöße zwischen Demonstranten und schwer bewaffneten Polizisten gegeben. Nach fünf Tagen wurden die örtlichen Polizeikräfte abgezogen und die Polizei des Bundesstaates - angeführt von einem schwarzen Beamten - übernahm die Verantwortung für die Sicherheit in der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Stadt. Die Lage beruhigte sich daraufhin zunächst.

Am Freitag teilte die Polizei von Ferguson dann mit, Brown habe eine Packung Zigarren im Wert von 49 Dollar (rund 37 Euro) gestohlen, kurz bevor er getötet wurde. Die Polizei veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen ein großer, muskulöser schwarzer Mann zu sehen ist, der einen Ladenmitarbeiter am T-Shirt packt und schüttelt. Der Mann in dem Video trägt T-Shirt, Khaki-Shorts und Sandalen - die gleiche Kleidung, die Brown trug.

Auf diesem von der Polizei veröffentlichtem Überwachungsvideo ist der Diebstahl zu sehen.

Polizei: "Verbindung zu einem anderen Vorfall"

Die Polizei erklärte, es sei erwähnenswert, das der Diebstahl "mit einem anderen Vorfall in Verbindung steht", bei dem Brown durch einen Polizeibeamten erschossen worden sei. Browns Eltern reagierten empört. Sie warfen der Polizei vor, ihren Sohn, der keine kriminelle Vergangenheit habe, in ein schlechtes Licht zu rücken. Keine der vorgelegten Fakten könne "die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist", erklärten die Anwälte der Familie.

Fergusons Polizeichef Thomas Jackson hatte am Freitag den Namen des Todesschützen bekanntgegeben und gesagt, der 28-jährige weiße Polizist Darren Wilson habe zuvor nicht gegen Disziplinarregeln verstoßen. Später sagte Jackson, der erste Kontakt zwischen Wilson und Brown habe "nicht mit dem Diebstahl" zusammengehangen. Vielmehr habe der Polizist Brown angehalten, "weil er auf der Straße lief und den Verkehr aufhielt. Das war's". Jackson gab nach eigenen Angaben den Polizeibericht und das Überwachungsvideo heraus, weil zahlreiche Medien unter Berufung auf das Gesetz zur Informationsfreiheit die Herausgabe von Informationen verlangt hatten.

Hier können Sie den Diebstahl aus einer anderen Perspektive sehen.

Medienberichten zufolge schritten am Samstag mehrere Bürger gegen die Plünderer ein. Eine Menschenkette wehrte Plünderer vor dem Geschäft ab, in dem Brown den Diebstahl begangen haben soll, wie der TV-Sender CNN berichtete.

Gouverneur entsendet Nationalgarde nach Ferguson

Nach erneuten schweren Unruhen hat der Gouverneur des US-Bundesstaats Missouri die Entsendung der Nationalgarde angeordnet. Jay Nixon erklärte am Montag, die Truppen sollten der Polizei in dem Vorort der Millionenstadt St. Louis helfen, die Ordnung wiederherzustellen. In Ferguson hatte es am Sonntagabend erneut schwere Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und der Polizei gegeben, die Tränengas und Gummigeschosse einsetzte. Auslöser der tagelangen Unruhen war die Erschießung eines unbewaffneten schwarzen Jugendlichen durch einen weißen Polizisten am 9. August.

Die Nationalgarde soll in Ferguson die Ordnung wiederherstellen.

Die friedlichen Proteste am Sonntag seien überschattet worden von "gewaltsamen kriminellen Handlungen einer organisierten und wachsenden Zahl von Menschen, viele von außerhalb der Gemeinde und des Staates", erklärte Nixon. Es habe Schüsse auf Polizisten sowie einen Zivilisten gegeben sowie Angriffe mit Molotow-Cocktails, Plünderungen, Straßenblockaden und Versuche zur Erstürmung einer Polizeiwache. Angesichts dieser "gezielten, koordinierten und zunehmenden Angriffe" ordne er den Einsatz der Nationalgarde an, um "Frieden und Ordnung" wiederherzustellen.

Die örtliche Polizeiführung entscheide darüber, wie viele Truppen eingesetzt würden, erklärte Nixon. Gouverneure haben die Befugnis, den Einsatz der Nationalgarde gegen Ausschreitungen und Naturkatastrophen anzuordnen.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brexit-News: Schäuble findet Votum zum Weinen

London - Nach dem Brexit herrscht weiterhin Ratlosigkeit und Aufregung. Welche Folgen hat der Ausstieg Großbritanniens? Wie reagieren Deutschland und die EU? Und kann …
Brexit-News: Schäuble findet Votum zum Weinen

Nach Brexit-Votum: EU-Trio drängt zu raschen Austrittsverhandlungen

London/Berlin - Nach dem Brexit-Votum der Briten üben drei große EU-Staaten den Schulterschluss: Deutschland, Frankreich und Italien wollen schnell zu Verhandlungen über …
Nach Brexit-Votum: EU-Trio drängt zu raschen Austrittsverhandlungen

Zwischen Bremse und Beschleunigung - Die Nöte von Merkels Koalition

Berlin -  Das Brexit-Votum der Briten wirbelt auch die deutsche Politik durcheinander. Ein Risiko für den Wahlkampf in Deutschland. Die SPD wittert aber ein Chance, die …
Zwischen Bremse und Beschleunigung - Die Nöte von Merkels Koalition

CSU: Angela Merkel ist doch die Richtige

München – Nach dem Streit um die Flüchtlingspolitik bemüht sich CSU-Chef Horst Seehofer nun wieder, seine Partei für Angela Merkel (CDU) zu begeistern. Der …
CSU: Angela Merkel ist doch die Richtige

Kommentare