Der Weg gen Westen ist frei: Die ungarische Polizei stoppte die Kontrolle der Flüchtlinge am größten Budapester Bahnhof. Foto: Zoltan Balogh
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Der Weg gen Westen ist frei: Die ungarische Polizei stoppte die Kontrolle der Flüchtlinge am größten Budapester Bahnhof. Foto: Zoltan Balogh
Polizei im Bahnhof von Budapest: Wegen erhöhten Flüchtlingsandrangs ist ein Schnellzug aus Ungarn auf dem Weg nach Wien an der Grenze gestoppt worden. Foto: Bea Kallos
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Polizei im Bahnhof von Budapest: Wegen erhöhten Flüchtlingsandrangs ist ein Schnellzug aus Ungarn auf dem Weg nach Wien an der Grenze gestoppt worden. Foto: Bea Kallos
Registrierung im bayrischen Rosenheim. Die Bundespolizei in München rechnete mit weiteren Flüchtlingszügen aus Ungarn. Foto Marc Müller Foto: Marc Müller
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Registrierung im bayrischen Rosenheim. Die Bundespolizei in München rechnete mit weiteren Flüchtlingszügen aus Ungarn. Foto Marc Müller Foto: Marc Müller
Flüchtlinge warten in Budapest auf einen Zug Richtung Deutschland. Foto: Tamas Kovacs
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Flüchtlinge warten in Budapest auf einen Zug Richtung Deutschland. Foto: Tamas Kovacs
Flüchtlinge auf dem Gebiet von Mazedonien. Foto: Vassil Donev / Archiv
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Flüchtlinge auf dem Gebiet von Mazedonien. Foto: Vassil Donev / Archiv

Budapester Bahnhof wegen Flüchtlingsansturm geschlossen

Nachdem die Polizei in Budapest Flüchtlinge ungehindert in Züge Richtung Österreich und Deutschland steigen lässt, sind Hunderte in Bayern angekommen. Und weitere werden erwartet.

Budapest (dpa) - Berlin/München (dpa) - Die ungarischen Behörden haben den von Flüchtlingen bedrängten Budapester Ostbahnhof geschlossen. Polizisten forderten Reisende und Migranten dazu auf, die Bahnhofsanlage zu verlassen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur MTI.

Gestern hatte die Polizei überraschend auf die Bahnsteigkontrollen verzichtet, die dazu gedient hatten, um visumpflichtige Reisende ohne gültiges Visum für Österreich oder Deutschland am Besteigen der internationalen Züge zu hindern.

Daraufhin waren im Laufe des Montag rund 2000 Flüchtlinge mit Zügen über Wien in Richtung München gefahren. Am Morgen führte die Polizei wieder Bahnsteig-Kontrollen durch und ließ keine Flüchtlinge in die internationalen Züge. Wenig später wurde der Bahnhof ganz dichtgemacht.

Am Montagabend und in der Nacht waren hunderte Flüchtlinge mit Zügen aus Ungarn und Österreich nach Bayern gekommen. Im ersten der Züge waren am Abend rund 400 Flüchtlinge. In Rosenheim stoppte die Bundespolizei ihn und brachte 190 der Flüchtlinge zur Registrierung in eine ehemalige Kaserne. Etwa 200 weitere konnten nach München weiterreisen. Sie wurden nach der Ankunft in einer Nebenhalle registriert. Am Abend erreichten noch weitere Züge mit Flüchtlingen den Münchner Hauptbahnhof.

Die Stimmung am Bahnhof sei "ruhig" bis "euphorisch" gewesen, sagte ein Sprecher. Viele Flüchtlinge hätten bei ihrer Ankunft "Thank you, Germany" oder "We love you, Germany" gerufen. Auch Bürger waren vor Ort und begrüßten die Flüchtlinge mit Wasser und Lebensmitteln.

Die Polizei schätzte, dass bis Mitternacht zwischen 500 und 600 Flüchtlinge in München angekommen sind. Einige seien direkt registriert worden, andere wurden mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. Ob in der Nacht noch weitere Regionalzüge mit Flüchtlingen eintreffen, war zunächst unklar.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Migration Aid saßen bisher auf Budapester Bahnhöfen rund 2000 Asylbewerber fest, weil ihnen das offenbar überforderte Einwanderungsamt keine Lager mehr zuwies. Nach der Dublin-Verordnung ist derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat. Die EU-Kommission ermahnte Ungarn, europäisches Recht einzuhalten und alle ankommenden Flüchtlinge mit Fingerabdrücken zu registrieren.

Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus den Kriegsgebieten Syriens, Nordiraks und aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber auch vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht.

Speziell für sie eröffnet Bayern das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge. In einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt sollen künftig 500 Flüchtlinge aus Südosteuropa untergebracht werden. Durch enge Zusammenarbeit der Behörden sollen die Verfahren deutlich schneller als bisher abgewickelt werden. Ziel ist es, abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. Der Beschluss des Münchner CSU-Kabinetts hatte vom Juli hatte bundesweit Kritik hervorgerufen.

Nach der offiziellen Prognose der Bundesregierung werden in diesem Jahr in Deutschland 800 000 Asylbewerber erwartet. Auch die Regierung will Flüchtlinge ohne Anerkennungschance von vornherein von Deutschland fernhalten oder sie schnell abschieben, um Kapazitäten für eine schnelle Integration der Bleibeberechtigten zu schaffen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geißelte am Montag aber auch all jene, die Stimmung gegen Flüchtlinge machen. "Zu oft sind Vorurteile, zu oft ist Kälte, ja sogar Hass in deren Herzen. Halten Sie Abstand", riet sie ihren Mitbürgern. Zurückhaltend äußerte sie sich zur Forderung der SPD nach einem Einwanderungsgesetz.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer kritisierte diese Haltung. "Es ist meine Befürchtung, dass sich CDU und CSU nicht schnell über das Einwanderungsgesetz einigen können. Aber natürlich ist das ein vordringliches Thema", sagte die Sozialdemokratin der Deutschen Presse-Agentur. Wenn Flüchtlinge ohne Perspektive schneller in ihre Heimat zurückkehrten und die Asylverfahren schneller bearbeitet würden, müsse es auch eine legale Möglichkeit für sie geben, als Arbeitsmigranten nach Deutschland zu kommen.

Auch FDP-Chef Christian Lindner nannte Merkels Haltung enttäuschend. "Humanität für Flüchtlinge ist etwas anderes als Human Ressources für Unternehmen. Mit einem Einwanderungsgesetz könnte es gelingen, die Zuwanderung nach Deutschland effektiver zu steuern und an den Bedarf des Arbeitsmarktes anzupassen", erklärte er.

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