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Wahlsiegerin Marine Le Pen aus Frankreich.

Rechtsruck in Frankreich

Europawahl: So stimmten die anderen EU-Staaten ab

Paris - Starker Aufwind für europakritische Parteien - unter diesem Fazit lassen sich die Ergebnisse der Europawahl aus vielen anderen EU-Ländern zusammenfassen. Die Zahlen im Überblick:

In FRANKREICH  ereignete sich ein politisches Erdbeben. Die rechtsextreme Front National (FN) wurde bei der Europawahl erstmals zur stärksten Partei. Vorläufige Ergebnisse des Innenministeriums sehen die europa- und ausländerfeindliche Partei bei 24,96 Prozent, das sind rund 18 Prozentpunkte mehr als noch 2009. Die konservative Oppositionspartei UMP kam bei deutlichen Verlusten auf 20,8 Prozent, die regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande auf knapp 14 Prozent. Sie rutschten somit noch unter ihr schwaches Ergebnis von vor fünf Jahren.

Europawahl 2014: Der Tag nach der Wahl im Ticker

In GROSSBRITANNIEN  triumphierte die europafeindliche Ukip von Rechtspopulist Nigel Farage nach vorläufigen Ergebnissen mit gut 27 Prozent, zwei Punkte vor der größten Oppositionspartei Labour. Farage schloss ein Bündnis mit der FN aber aus. Die konservativen Tories von Premier David Cameron stürzten mit knapp 24 Prozent auf den dritten Platz. Es war das erste Mal seit mehr als hundert Jahren, dass keine der etablierten Parteien eine landesweite Wahl in Großbritannien gewinnen konnte. Die proeuropäischen Liberaldemokraten, die in der Regierung sitzen, schicken nur noch einen Abgeordneten nach Straßburg.

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Auch in GRIECHENLAND  erhielt eine Brüssel-feindliche Partei die meiste Zustimmung: Die Linksallianz Syriza kam laut Hochrechnung auf 26,4 Prozent der Stimmen. Damit lag sie vor der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Regierungschef Antonis Samaras mit 23,2 Prozent. Die mit der ND regierenden Sozialdemokraten kamen mit 8,09 Prozent lediglich auf den vierten Platz, noch vor ihnen landete mit etwa 9,3 Prozent die Neonazi-Partei Goldene Morgenröte.

In ÖSTERREICH  konnte die rechtspopulistische FPÖ ihren Stimmenanteil deutlich ausbauen. Dem vorläufigen Ergebnis zufolge kamen die Freiheitlichen auf 20,5 Prozent, knapp acht Punkte mehr als 2009. Dies bedeutet den dritten Platz hinter der konservativen Volkspartei (ÖVP) mit 27,3 Prozent und der sozialdemokratischen SPÖ mit 24,2 Prozent. Die Grünen legen deutlich auf 13,9 Prozent zu, die erstmals angetretene liberale Neos-Partei erreichte 7,6 Prozent.

Auch in DÄNEMARK  liegen die Rechtspopulisten in Führung: Die Dänische Volkspartei (DF) kam laut Prognosen auf 23 Prozent. Die Rechtspopulisten lagen damit vor den Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt, die 20,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten. Die DF würde damit drei der 13 Sitze Dänemarks im EU-Parlament bekommen. Sie hat allerdings ausgeschlossen, sich einer anti-europäischen Allianz von Rechtspopulisten im EU-Parlament anzuschließen. Zur Begründung verwies die Volkspartei insbesondere auf die rechtsextreme Front National aus Frankreich.

In POLEN  schaffte eine bewusst EU-feindliche Partei den Einzug ins Europaparlament. Der Kongress der Neuen Rechten erhielt einer Prognose zufolge 7,2 Prozent der Stimmen und schickt damit vier Abgeordnete ins neue Parlament. Parteichef Janusz Korwin-Mikke hatte angekündigt, er wolle die EU "von innen heraus zerlegen". Sieger des Urnengangs wurde die Partei von Regierungschef Donald Tusk mit 32,9 Prozent. Die liberale Bürgerplattform lag knapp vor der oppositionellen Partei Recht und Gerechtigkeit mit 31,8 Prozent.

Gegen den Strom schwammen die NIEDERLÄNDER, die bereits am Donnerstag wählten. Laut einer am Wahlabend veröffentlichten Prognose erlitt die EU-feindliche Freiheitspartei PVV eine klare Niederlage. Die Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders büßte knapp fünf Prozentpunkte gegenüber 2009 ein und erreichte 12,2 Prozent der Stimmen. Damit wurde sie nur drittstärkste Kraft nach der proeuropäischen Zentrumspartei D66 und den Christdemokraten der CDA mit 15,6 beziehungsweise 15,2 Prozent der Stimmen.

Als Protestwahl nutzten die Menschen in PORTUGAL  die europäische Abstimmung: Die oppositionellen Sozialisten konnten einen klaren Sieg einfahren. Sie erhielten vorläufigen Ergebnissen zufolge 31,58 Prozent der Stimmen. Die Regierungskoalition von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, die aus seiner konservativen PSD und der rechtskonservativen Partei CDS-PP besteht, kam nur auf 27,91 Prozent.

In SPANIEN  erhielten die etablierten Parteien einen Denkzettel und erlitten herbe Verluste. Die regierende Volkspartei (PP) kam auf 16 Sitze im EU-Parlament (vorher 24), die Sozialisten entsenden nun 14 Parlamentarier (vorher 23). Profitieren konnten von der Schwäche der großen Parteien vor allem linke Randparteien.

In ITALIEN  setzte sich die Partei des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi an die Spitze. Die Demokratische Partei (PD) kam laut Prognosen und Nachwahlbefragungen auf 30 bis gut 40 Prozent. Platz zwei errang demnach die euroskeptische Fünf-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo mit bis zu 28 Prozent. Seine Partei will die Italiener in einer Volksabstimmung über den Verbleib in der Eurozone abstimmen lassen. Die Forza Italia von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi landete mit bis zu 20 Prozent auf Platz drei.

In UNGARN  fuhr die rechtsgerichtete Fidesz-Partei von Regierungschef Viktor Orban mit 51,5 Prozent der Stimmen einen haushohen Wahlsieg ein. Damit wird sie zwölf der 21 Sitze Ungarns im Europaparlament einnehmen. Die rechtsextreme und ausländerfeindliche Partei Jobbik erzielte 14,7 Prozent der Stimmen (drei Mandate), sechs Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl im April.

AFP

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