+
Im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara ist es am Sonntag zu einer schweren Explosion gekommen.

37 Tote, mehr als 120 Verletzte

Nach Autobomben-Anschlag: Türkei geht gegen PKK vor

Ankara - Luftangriffe, Festnahmen, Militäroperationen: Nach dem Anschlag von Ankara verschärft die Türkei den Kampf gegen die PKK. Die Türkei macht die kurdische Arbeiterpartei für den Anschlag verantwortlich.

Nach dem verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara eskaliert der Konflikt mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Nur Stunden nach dem Anschlag mit mindestens 37 Toten flog die türkische Luftwaffe in der Nacht zu Montag Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Nach Angaben von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu weisen die Ermittlungen darauf hin, dass die PKK für den Anschlag in Ankara verantwortlich war.

„Es gibt sehr ernste, beinahe sichere Hinweise, die vor allem auf die separatistische Terrororganisation hindeuten“, sagte Davutoglu. Die Untersuchung sei aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Elf Menschen seien im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden. Mindestens ein, möglicherweise aber auch zwei Selbstmordattentäter seien unter den Toten. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, bei einem der Täter habe es sich um eine Frau gehandelt.

120 Verletzte - 37 Tote

Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu sagte am Montag, drei Schwerverletzte seien in der Nacht in Krankenhäusern gestorben. 48 der mehr als 120 Verletzten würden weiter in Krankenhäusern behandelt, 15 davon auf der Intensivstation.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Anschlag an: „Unser Staat wird sein Recht auf Selbstverteidigung gegen alle Arten von terroristischen Bedrohungen nie aufgeben.“ Weiter hieß es in der Mitteilung: „Der Terrorismus wird in die Knie gezwungen werden.“

Anadolu meldete weiter, bei Anti-Terror-Einsätzen gegen die PKK in Istanbul und weiteren Städten seien 79 Verdächtige festgenommen und mehrere Waffen beschlagnahmt worden. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag in Ankara, der international verurteilt wurde.

In der kurdisch geprägten Südosttürkei bereitete das Militär neue massive Einsätze gegen die PKK vor. Über die Stadt Sirnak verhängte die Regierung dafür auf unbestimmte Zeit eine Ausgangssperre, wie sie bereits in der Nacht zum Montag in den Städten Nusaybin und Yüksekova in Kraft trat. In Nusaybin und Yüksekova wurden nach Armeeangaben vom Montag insgesamt 19 PKK-Kämpfer getötet.

Attentäterin soll weißen BMW zwischen Linienbussen gesprengt haben

Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ schrieb, die Attentäterin habe sich zwischen zwei voll besetzten Linienbussen in einem weißen BMW in die Luft gesprengt, der mit TNT beladen gewesen sei.

Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter ebenfalls eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die aus der PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK hatte damals zugleich weitere Anschläge angekündigt.

Die Gewalt in der Türkei eskaliert im Südosten des Landes, sie erfasst aber zunehmend auch die Metropolen. Am 12. Januar hatte sich in Istanbul ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, zwölf deutsche Touristen kamen dabei ums Leben. Diese Tat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben.

Das gilt ebenso für einen Selbstmordanschlag im Oktober vergangenen Jahres in Ankara, der einer pro-kurdischen Demonstration galt. Bei dem schwersten Anschlag in der Geschichte der türkischen Republik kamen mehr als 100 Menschen ums Leben.

dpa

Autobombe explodiert: Tote und Verletzte in Ankara

Autobombe explodiert: Tote und Verletzte in Ankara

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Randale und Brandstifung in Berlin-Mitte

Berlin - Randalierer haben in der Nacht zum Sonntag in Berlin mehrere Autos und einen Rohbau in Brand gesetzt. Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von …
Randale und Brandstifung in Berlin-Mitte

Kiew: Lage in der Ostukraine verschärft sich

Der Friedensprozess für den Donbass steckt fest, die Kämpfe zwischen Armee und Separatisten flammen immer wieder auf. Die ukrainische Führung setzt in dieser Lage …
Kiew: Lage in der Ostukraine verschärft sich

Katholikentag stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge

Fünf Tage lang haben Christen in Leipzig diskutiert, gebetet und gefeiert. Zentrales Thema des Katholikentages war die Flüchtlingsfrage. Die Teilnehmer beziehen …
Katholikentag stellt sich auf die Seite der Flüchtlinge

Kim Jong Uns Tante: "Er war ein bockiges Kind"

Washington - Eine US-Zeitung hat die Tante von Kim Jong Un aufgespürt. Demnach lebt sie unter falschem Namen in den USA. Im Interview sagt sie einige Dinge, die …
Kim Jong Uns Tante: "Er war ein bockiges Kind"

Kommentare