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Brüssel und ganz Belgien steht nach den Anschlägen unter Schock.

Explosionen am Flughafen

Terroranschläge in Brüssel: Was wir wissen - und was nicht

Brüssel - Brüssel steht seit den Terroranschlägen vom Dienstag unter Schock. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, auch in Frankreich und Deutschland. Was wissen wir? Was nicht?

Bei der Terrorserie in Brüssel sind am Dienstag 34 Menschen getötet worden. Etwa 270 wurden verletzt. Die Terrororganisation Islamischer Staat bekennt sich zu den Bluttaten. Was wissen wir? Was nicht?

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WER STECKT HINTER DEN ANSCHLÄGEN?

Die Polizei hatte ein Bild von einer Video-Überwachungskamera am Flughafen veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Einer von ihnen ist Ibrahim El Bakraoui (29), der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Einer der beiden weiteren Männer ist der bislang als Terrorverdächtiger gesuchte Najim Laachraoui (24). Er sprente sich ebenfalls in die Luft gesprengt. Unklar ist, wer der dritte Mann auf dem Fahndungsbild ist. Auf dem Bild trägt er eine weiße Jacke, einen schwarzen Hut und eine Brille.

Der Terrorist, der in der Metro-Station Maelbeek eine Bombe zündete, war Ibrahim El Bakraouis jüngerer Bruder Khalid (27). Beide waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten vorbestraft. Medien berichten, dass in der Metro ein zweiter Mann dabei gewesen sein soll - ob er bei der Explosion getötet wurde oder auf der Flucht ist, ist allerdings noch unklar. Auch seine Identität ist nicht bekannt.

Am Freitag kamen in Belgien acht Festnahmen hinzu. In der Nacht waren unter anderem in Schaerbeek sechs Verdächtige festgenommen worden. Bei einem weiteren Einsatz in der Brüsseler Gemeinde wurde ein Verdächtiger verletzt und festgenommen, der Sprengstoff dabei gehabt haben soll. Bei der Razzia hab es nach Medienberichten drei Explosionen.

Zuvor war am Donnerstag in einem Pariser Vorort laut Innenministerium mit einer Festnahme ein Anschlagsplan im „fortgeschrittenen Stadium“ vereitelt worden. Der Terrorverdächtige soll zusammen mit dem als Kopf der Pariser Anschläge geltenden Islamisten Abdelhamid Abaaoud 2015 in Brüssel verurteilt worden sein. Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft stehen die Festnahme bei Paris vom Donnerstag und die Razzien in Belgien am Freitag in Zusammenhang.

In Gießen und Düsseldorf nahm die Polizei zwei Männer fest, die mit den Terroranschlägen von Brüssel in Verbindung gebracht werden. Mögliche Hintergründe werden noch ermittelt.

GIBT ES EINEN ZUSAMMENHANG ZU DER TERRORSERIE IN PARIS?

Vieles verdichtet sich bei dieser Frage: der Ablauf der Taten, der Sprengstoff, die Tatorte. Vor allem aber Verbindungen der mutmaßlichen Täter und erste Ermittlungsergebnisse. Einer der beiden Brüder - Khalid El Bakraoui - soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde. Auch eine weitere Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest lief auf seinen Tarnnamen - dort soll sich auch der inzwischen festgenommene Terrorverdächtige Salah Abdeslam aufgehalten haben. Laachraoui soll zusammen mit Abdeslam einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein. Von Laachraoui wurden im Zusammenhang mit zwei Anschlagsorten in Paris DNA-Spuren gefunden.

Frankreichs Präsident François Hollande sagte am Freitag, mit den Razzien in Paris und Brüssel werde die für die Terrorattacken in beiden Städten verantwortliche Verbindung zerschlagen.

WIE VIELE TODESOPFER GIBT ES UND SIND DEUTSCHE UNTER DEN OPFERN?

Die belgischen Behörden sprechen bislang von mindestens 31 Toten und rund 300 Verletzten. Die Opfer kamen nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders aus etwa 40 Nationen. Auch eine Deutsche ist getötet worden. Die zunächst als vermisst geltende Aachenerin wurde als ein Todesopfer des Anschlags am Brüsseler Flughafen identifiziert. Andere Deutsche wurden verletzt, mindestens einer schwer.

HAT SICH DIE LAGE IN BELGIEN BERUHIGT?

Am Donnerstagabend hatte Belgien die Terrorwarnstufe von der höchstmöglichen vier auf drei herabgesetzt. Das bedeutet unter anderem, dass es an großen Bahnhöfen im Land keine systematischen Sicherheitskontrollen mehr gibt, sondern nur Stichproben. Eingänge von U-Bahn-Stationen sollen dennoch von Soldaten bewacht werden.

Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall noch bis einschließlich Freitag geschlossen. Die Lufthansa sagte Flüge von Deutschland nach Brüssel bis Ostermontag ab. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert: Bis Karfreitag war noch offiziell Staatstrauer, die Flaggen wehten auf Halbmast. 

WER SIND DIE MUTMASSLICHEN TÄTER?

Die Polizei veröffentlicht ein Foto von drei Männern, die am Flughafen von einer Überwachungskamera erfasst worden sind. Einer von ihnen ist Ibrahim El Bakraoui, der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Der Terrorist, der in der Metro-Station Maelbeek eine Bombe zündete, war wohl sein jüngerer Bruder Khalid. Die beiden Brüder sind tot und konnten anhand ihrer Fingerabdrücke identifiziert werden. 

Der dritte Mann auf den Überwachungsbildern vom Flughafen ist dagegen noch unidentifiziert. Als weiteren Selbstmordattentäter am Flughafen konnten die Behörden Najim Laachraoui ausmachen.

Die Polizei sucht auch nach einem Mann, der auf einem Überwachungsvideo der Metro zusammen mit Khalid El Bakraoui zu sehen ist. Sie unterhalten sich, er steigt allerdings nicht in die Metro, die kurz danach explodiert, ein.

WIE GROSS IST DIE GEFAHR FÜR DEUTSCHLAND?

Die Sorge vor einem Anschlag auf deutschem Boden ist anhaltend hoch - aber das ist schon seit Monaten so. Die Kontrollen an den Grenzen zu den Benelux-Staaten und Frankreich sind nochmals verschärft worden. Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen sind die Sicherheitsmaßnahmen wieder in die Höhe gefahren worden. Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière gibt es aber keine Hinweise auf einen konkreten „Deutschland-Bezug“.

WARUM IMMER WIEDER BRÜSSEL?

Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder in Europa. Hintergrund ist die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße hohe Zahl von Menschen, die als Dschihadisten in das Bürgerkriegsland Syrien gezogen sind. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammen rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus Belgien (Stand: Ende Oktober). Vor allem der Stadtteil Molenbeek hat einen schlechten Ruf. Von dort kamen außer Abdelslam auch andere Islamisten, die an Terroranschlägen beteiligt waren. In Belgiens Hauptstadt lebt man deshalb seit einer Weile mit besonderer Vorsicht. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise gegeben. Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage praktisch zum Erliegen, ohne dass etwas geschah.

dpa

Bilder: Tag 2 nach den Anschlägen in Brüssel

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