Nicht mehr zeitgemäß

Fachleute fordern Anpassung des Urheberrechts

Berlin - Das Urheberrecht ist ein Reizthema. Nutzer sind wütend über massenhafte Abmahnungen. Künstler beklagen dagegen, nicht ausreichend für ihre Arbeit bezahlt zu werden.

Der Urheberrecht muss nach Ansicht mehrerer Fachleute grundsätzlich überarbeitet und an die digitale Welt angepasst werden. Starre Regelungen und massenhafte Abmahnungen hätten dessen Akzeptanz empfindlich geschwächt, erklärte der Rechtswissenschaftler Axel Metzger von der Berliner Humboldt-Universität. „Diejenigen, die am Ende die Zeche dafür zahlen, sind die Urheber, deren Rechte nicht mehr gesellschaftlich akzeptiert sind“, sagte Metzger am Mittwoch bei einem Fachgespräch des Bundestagsausschusses Digitale Agenda.

Die Experten sprachen sich dafür aus, dass die Grenzen für die Veränderung und Weiterverbreitung von Inhalten gelockert werden solle. Auch die Nutzung von Texten in Schulen und an Universitäten müsse erleichtert werden: „Wir brauchen mehr Freiheiten“, sagte Metzger. Er plädierte dafür, dass Nutzer auch ohne eine Einwilligung der Urheber Inhalte bearbeiten könnten - dafür aber den Urhebern Geld zahlen sollten.

Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger im Internet lehnten alle fünf Fachleute einhellig ab. „Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist großer Quatsch“, sagte Philipp Otto von der Internet-Seite iRights Lab, die eine Nutzer-nahe Sicht auf die Debatte um das Urheberrecht vertritt.

Die Linken-Abgeordnete Halina Wawzyniak kündigte an, dass die Oppositionsfraktionen von Linken und Grünen am Donnerstag einen entsprechenden Gesetzentwurf im Bundestag einbringen wollen. Von Seiten der Regierungskoalition hieß es, man wolle die Entscheidung einer Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt abwarten. Das Leistungsschutzrecht stellt die Inhalte von Verlagen unter besonderen Schutz gegenüber Suchmaschinen und Nachrichtensammlungen im Internet.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ansbach-Attentäter fremdgesteuert: Wer befahl das Zünden der Bombe?

Ansbach/Gmund - Nach dem Bombenanschlag in Ansbach haben die Ermittler Hinweise darauf entdeckt, dass der Attentäter von einer unbekannten Person in einem Chat direkt …
Ansbach-Attentäter fremdgesteuert: Wer befahl das Zünden der Bombe?

AfD-Vize Gauland will Asylrecht für Muslime aussetzen

Berlin - Im Grundgesetz heißt es, politisch Verfolgte genießen Asyl. Für Muslime soll das nach dem Willen von AfD-Vize Gauland vorerst nicht mehr gelten. Damit steht er …
AfD-Vize Gauland will Asylrecht für Muslime aussetzen

Streit um rechtsstaatliche Prinzipien: Brüssel stellt Polen Ultimatum

Brüssel - Ist der polnische Rechtsstaat in Gefahr? Die Brüsseler EU-Kommission sorgt sich. Nun erhöht sie noch einmal den Druck. Außerdem äußert sich die Kommission zu …
Streit um rechtsstaatliche Prinzipien: Brüssel stellt Polen Ultimatum

Bahn will hunderte Sicherheitskräfte neu einstellen

Ein islamistischer Terrorist verletzt in einem Regionalzug bei Würzburg mit einer Axt und einem Messer fünf Menschen. Solchen Bedrohungen will die Deutsche Bahn mehr …
Bahn will hunderte Sicherheitskräfte neu einstellen

Kommentare