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Meist im Doppelpack: FDP-Generalsekretär Föst (rechts) und Landeschef Duin.

Wer ist der Münchner?

FDP-Spitzenkandidatur: Mit Daniel Föst "namenlos" in die Schicksalswahl

München - Daniel wer? Der Münchner Daniel Föst soll bayerischer FDP-Spitzekandidat für den Bund werden. Doch bisher wird der Generalsekretär eher als Anhängsel von Landeschef Duin wahrgenommen. Das Ringen um Profil beginnt.

Wenn in den vergangenen Jahren irgendwo in Bayern ein FDP-Termin stattfand, traten meist zwei Männer auf. Der eine etwas über 60, leutselig, stets steile Thesen im Gepäck: Bayerns Landeschef Albert Duin. Der andere, knapp 40, bärtig, zurückhaltender, überlegter: Daniel Föst, Landesgeneralsekretär. Wenn überhaupt etwas aus dem kleinen Kreis einer Pressekonferenz nach außen drang, waren es Duins Thesen. Wer zitiert schon einen Generalsekretär, wenn der Vorsitzende da ist?

Wenn es nach Föst geht, soll es das liberale Doppelpack bald seltener geben. Denn das Problem ist: Duin ist zwar Landesvorsitzender. Aber Föst soll demnächst Spitzenkandidat der Bayern-FDP für die Bundestagswahl werden. Jener Wahl, von der alle liberale Spitzenpolitiker sagen, an ihr entscheide sich das Schicksal der Partei. Im März 2017 will sich Föst nominieren lassen. Gegenkandidaten sind nicht in Sicht. Höchste Zeit, sich aus dem Windschatten zu wagen.

In kaum einem Flächenland ist die Herausforderung so groß wie in Bayern. 2013 war die Partei aus dem Bundestag geflogen. Nach dem historischen Schock vollzog wohl kein Landesverband einen derartigen personellen Umbruch wie die Bayern-FDP. Verdiente, wenigstens ansatzweise öffentlich bekannte Liberale ließ die Basis links liegen. Duin und Föst wurden völlig überraschend an die Spitze gespült.

Seither gilt: Duin ist Bauch und Herz der Landespartei, setzt laute Botschaften. Föst sieht sich eher als Nervensystem, kümmert sich um interne Abläufe und Strategie. „Er ist eindeutig der Aktivposten im Führungsduo“, sagt ein FDP-Mann anerkennend. Er müsse sich aber stärker emanzipieren. Statt im Doppelpack müssten beide getrennt auftreten – und der Partei so mehr Reichweite verschaffen.

In Umfragen liegt die Bundes-FDP recht stabil bei sechs Prozent

Intern ist Föst seit langem vernetzt. Er war Chef der Jungen Liberalen in München, dann Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes und Mitglied des oberbayerischen Bezirkstags. Programmatisch sieht er sich vor allem als Finanz- und Wirtschaftspolitiker – was auch an seiner Laufbahn liegt: aufgewachsen in der Rhön, Möbelverkäuferlehre in Hamburg, dann BWL-Studium bis zum Vordiplom in Passau. Danach arbeitete Föst zunächst im elterlichen Möbelgeschäft mit Niederlassungen in ganz Deutschland. Die Firma war in einer Schieflage, er stieg für mehrere Jahre ein. Seit 2006 berät er in München Kleinstfirmen im Marketing – Bäckereien, Metzgerläden. Zudem ist er an zwei kleinen Internetunternehmen beteiligt.

Doch die Unternehmertätigkeit ruht. Für die Politik hat er sich eine Auszeit genommen. Er spricht von einem „Sabbatical“. Auch seine Familie dürfte der 40-jährige Liberale, der demnächst zum zweiten Mal Vater wird, gerade weniger sehen. Doch wenn alles gut geht, könnte sich das lohnen. In Umfragen liegt die Bundes-FDP recht stabil bei sechs Prozent. Der Wiedereinzug in den Bundestag ist wahrscheinlich. Die bayerischen Liberalen rechnen dann mit bis zu sieben Abgeordneten.

Bis dahin ist es für Föst noch ein gutes Stück Arbeit. Die Landespartei tüftelt an ihrer Wahlkampfstrategie. Dieser Tage schaut der Landesgeschäftsführer der Partei in Washington den Kampagnenmanagern von Hillary Clinton über die Schulter. Inhaltlich will Föst die Landespartei breit aufstellen. Liberales Denken müsse für alle Lebensbereiche gelten, meint er. Vor allem aber dürfe die Partei nie wieder in die Arroganz früherer Jahre abgleiten. Demütiger wolle man auftreten, näher an den Menschen. „Wir werden uns hüten wieder in Selbstbegeisterung zu verfallen – diese Zeiten sind vorbei.“ Vor allem aber muss der designierte Spitzenmann irgendwie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Kürzlich hielt er schon beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg die Hauptrede für die FDP. Immerhin.

Ganz allein auf Daniel Föst will sich aber auch Daniel Föst nicht verlassen. Für 20 Wahlkampfauftritte im Freistaat hat sich die Landespartei schon die Dienste von Bundeschef Christian Lindner gesichert. Dass der Erfolg der FDP vor allem von ihrem populären Vorsitzenden abhängt, ist auch den Liberalen in Bayern klar.

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