Der Einsatz laufe, um die Urheber des Anschlags vom Mittwoch mit zwölf Toten auszuschalten, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. Foto: Etienne Laurent
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Der Einsatz laufe, um die Urheber des Anschlags vom Mittwoch mit zwölf Toten auszuschalten, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. Foto: Etienne Laurent
Die Polizei muss viele Menschen vor Ort in Sicherheit bringen. In der Nähe des Fabrikgeländes befinden sich auch zwei Schulen. Foto: Etienne Laurent
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Die Polizei muss viele Menschen vor Ort in Sicherheit bringen. In der Nähe des Fabrikgeländes befinden sich auch zwei Schulen. Foto: Etienne Laurent
"Niemals Pegida!": Blumen, Karten und Kerzen vor der französischen Botschaft in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini
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"Niemals Pegida!": Blumen, Karten und Kerzen vor der französischen Botschaft in Berlin. Foto: Maurizio Gambarini
Die nächste Ausgabe soll in einer Auflage von einer Million Exemplaren erscheinen. Foto: Gerd Roth/Archiv
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Die nächste Ausgabe soll in einer Auflage von einer Million Exemplaren erscheinen. Foto: Gerd Roth/Archiv
Nach dem Fund von Molotow-Cocktails in einem Fluchtauto gehen die französischen Ermittler davon aus, dass das Duo weitere Anschläge geplant hatte. Foto: Yoan Valat
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Nach dem Fund von Molotow-Cocktails in einem Fluchtauto gehen die französischen Ermittler davon aus, dass das Duo weitere Anschläge geplant hatte. Foto: Yoan Valat
Hubschrauber über der Fabrik. Foto: Yoan Valat
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Hubschrauber über der Fabrik. Foto: Yoan Valat

Polizei kesselt mutmaßliche Attentäter von Paris ein

Paris (dpa) - Nach dem islamistischen Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einer beispiellosen Verfolgungsjagd hat die französische Polizei die mutmaßlichen Attentäter eingekesselt.

Etwa 50 Kilometer nordöstlich von Paris ist ein Großeinsatz gegen die gesuchten Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34) in vollem Gange. Die als Terroristen gesuchten Männer haben sich am Freitag schwerbewaffnet in einer Druckerei verschanzt und mindestens eine Geisel genommen.

Das Industriegebiet des Orts Dammartin-en-Goële ist weiträumig abgesperrt. Helikopter flogen über die 8000-Einwohner-Gemeinde, Sondereinheiten der Polizei und Militärkräfte sind im Einsatz. In den französischen Medien gibt es Spekulationen, dass die mit Kalaschnikows bewaffneten Islamisten bei einem möglichen Zugriff der Polizei als Märtyrer sterben wollen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnete den Anschlag auf "Charlie Hebdo" als Start einer größeren Terrorkampagne mit weiteren Angriffen in Europa und den USA. "Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen", sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden beim Freitagsgebet in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul. "Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein."

Die Männer, die auch Kontakt zu Al Kaida in Jemen gehabt haben sollen, sollen am Mittwoch die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" gestürmt und zwölf Menschen getötet haben. "Es läuft ein Einsatz, um die Verantwortlichen des feigen Attentats vor zwei Tagen zu neutralisieren", sagte Innenminister Bernard Cazeneuve. Präsident François Hollande betonte, es müsse nun alles zum Schutz der Franzosen getan werden.

Unmittelbar vor der Geiselnahme hatte es an einer Straßensperre in der Nähe von Dammartin-en-Goële eine Schießerei mit den Gesuchten gegeben. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei an einer Nationalstraße habe es aber keine Verletzten gegeben, sagte ein Sprecher des Pariser Innenministeriums dem Radiosender France Inter. Die Männer seien auf dem Weg nach Paris gewesen.

Nach der Schießerei seien die Gesuchten in das Industriegebiet gefahren und hätten in einer Druckerei mindestens eine Geisel genommen. Der Sprecher sagte, man habe noch keinen Kontakt zu den Männern aufgenommen. Es sei aber normal, dass es im Laufe einer solchen Aktion irgendwann Verhandlungen gebe.

Die Brüder Kouachi sollen am Mittwoch schwarz vermummt die Redaktion des Magazins im Herzen der französischen Hauptstadt gestürmt und mit Sturmgewehren um sich geschossen haben. Unter den zwölf Todesopfern waren acht Journalisten von "Charlie Hebdo" und ein weiterer Kollege, der unter anderem für den Radiosender France Inter arbeitete. "Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen angefeindet worden.

Die Bewohner der Gemeinde Dammartin-en-Goële sollten wegen des Anti-Terroreinsatzes die Häuser nicht verlassen. Kinder blieben in den Schulen und würden dort gesichert, hieß es auf der Internetseite des kleinen Ortes nordöstlich von Paris.

Der Flughafen Paris Charles de Gaulle, der nur wenige Kilometer von Dammartin-en-Goële entfernt ist, sperrte die beiden nördlichen Landebahnen. Die landenden Flugzeugen werden auf die zwei Start- und Landebahnen im Süden des Flughafens umgeleitet.

Der Radiosender France Info sprach am Freitag mit einem Geschäftsmann, der behauptete, er habe einem der verdächtigen Männer in der Druckerei die Hand geschüttelt, weil er dachte, es handele sich um ein Mitglied der Sondereinheit der Polizei. Der Geschäftsmann sagte, er habe den Chef der Druckerei treffen wollen. Bei seiner Ankunft seien der Druckereichef und ein schwarzgekleideter und schwerbewaffneter Mann ihm entgegen gekommen. "Wir schüttelten uns die Hand und mein Kunde riet mir wieder zu gehen." Der andere Mann habe zu ihm gesagt: "Gehen Sie, wir töten keine Zivilisten."

Unterdessen hat die Polizei nach den tödlichen Schüssen auf eine Polizistin im Süden von Paris am Donnerstag zwei Verdächtige festgenommen. Sie seien am Freitagmorgen in der Region Essonne südlich von Paris geschnappt worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeiquellen.

Nach Informationen französischer Medien sollen sich die Festgenommenen und die beiden mutmaßlichen Angreifer auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" kennen. Innenminister Cazeneuve hatte am Donnerstag noch gesagt, es gebe bisher keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen den beiden Taten. Bei dem Schusswechsel war am Donnerstagmorgen eine Beamtin tödlich verletzt worden. Sie starb wenige Stunden nach dem Vorfall. Ein zweiter Polizist war verletzt worden.

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