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Trotz der vielen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, soll es keine Steuererhöhungen geben.

Alle Infos zur Flüchtlingskrise

News-Ticker: 110-jähriger Flüchtling erreicht Passau

Berlin - Der nicht ganz unumstrittene Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik wird Angela Merkel laut Peter Altmaier nicht schaden. Die G7 stocken ihre Hilfsgelder auf. Alle Meldungen zur Flüchtlingskrise hier im News-Ticker.

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  • Flüchtlinge kommen nach wie vor nach Deutschland. Alle Informationen bekommen Sie in unserem News-Ticker zur Flüchtlingskrise.
  • Schadet Angela Merkels Flüchtlingspolitik ihrem Ansehen? Peter Altmaier glaubt das nicht.
  • Die G7 haben ihre Flüchtlingshilfe finanziell ausgeweitet - auf knapp 1,7 Milliarden Euro.

  • Wer sind überhaupt die Flüchtlinge, über die jeden Tag zu lesen ist? 10 Fakten über Menschen, die in Deutschland Asyl suchen.

  • Bayern denkt über einen Aufnahmestopp nach

  • Kabinett bringt neues Asylgesetz auf den Weg

  • Polizei fordert nach Massenschlägerei eine nach Religion getrennte Unterbringung von Flüchtlingen.

De Maizière: Flüchtlinge gleich an der Landesgrenze prüfen

+++ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) unterstützt die Idee, Asylgesuche an der Landesgrenze zu prüfen und Menschen ohne Bleibeperspektive sofort abzuweisen. „Wir kennen das vom Flughafenverfahren. Dort kann man jemanden am Flughafen festhalten, prüfen, ob der Asylantrag offensichtlich unbegründet ist und zurückschicken“, sagte de Maizière am Mittwoch im RBB-Inforadio. Ein solches „Landverfahren“ könnten die EU-Mitglieder nach einer EU-Asylrichtlinie einführen. Zuvor hatte bereits CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt solche „Transitzonen“ an der Grenze gefordert. Im ZDF-Morgenmagazin bekräftigte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dies: Der Zuzug von Flüchtlingen müsse unmittelbar an der österreichischen Grenze mit Schnellverfahren begrenzt werden.

+++ Ein 110-jähriger Flüchtling aus Afghanistan ist mit seiner Familie in Passau angekommen. Die Bundespolizei bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks. Demnach war der Hochbetagte mit acht Angehörigen einen Monat lang auf der Flucht. Seine 60-jährige Tochter gab der Polizei gegenüber an, die männlichen Familienmitglieder hätten den blinden und tauben Greis auf zahlreichen Fußmärschen bis nach Deutschland getragen. Grund für die Flucht der Vier-Generationen-Familie sei, dass ihr Heimatort Baghlan unsicher geworden sei. Drei Brüder seien durch die Taliban getötet worden.

+++ Der in der Union nicht unumstrittene Kurs von Angela Merkel in der Flüchtlingspolitik wird die Kanzlerin nach Überzeugung von Kanzleramtsminister Peter Altmaier nicht zu Fall bringen. Sie habe genügend Rückhalt, um bis zum Ende der Legislaturperiode unangefochten im Amt zu bleiben. „Ich habe daran keinen Zweifel“, sagte der CDU-Politiker der „Saarbrücker Zeitung“ (Mittwoch) auf eine entsprechende Frage. Merkel sei entschlossen, die Herausforderung des Flüchtlingszuzugs so zu bewältigen, „dass unser Land am Ende nicht schwächer, sondern stärker dasteht“. Zur massiven Kritik aus der CSU am Kurs der Kanzlerin sagte Altmaier: „Bei einer Aufgabe dieser Dimension ist es ganz normal, dass unterschiedliche Auffassungen bestehen.“ Mit Blick auf sinkende Umfragewerte betonte der Minister: „In den letzten beiden Jahren hatten wir hervorragende Werte. Dass es jetzt in ein oder zwei Umfragen leicht nach unten geht, ist keine Trendwende.“

+++ Noch bis zum Jahresende hat Deutschland den Vorsitz der G7-Gruppe. Bei einem Treffen am Rande der UN-Vollversammlung nutzt man die Gelegenheit, um Milliarden für Flüchtlingshilfe einzusammeln. Berlin stockt auch den eigenen Anteil nochmals auf.

Flüchtlingskrise: Alle Ereignisse vom Dienstag

+++ Mehr Flüchtlinge als jemals zuvor in einem Monat: „Der September wird ein Rekordmonat dieses Jahres - und damit auch für die vergangenen Jahrzehnte", sagte Bundesinnenminister de Maizière am Dienstag in Berlin. Zuletzt seien die Zugangszahlen „sehr hoch“ gewesen. Allein in den vergangenen vier Tagen seien täglich 8000 bis 10 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

+++ Bayern plant Aufnahmestopp für Flüchtlinge: Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen erwägt Bayern nach Angaben von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), im Alleingang „Notmaßnahmen" zu ergreifen. Aus Kabinettskreisen hieß es am Dienstag, es könnten beispielsweise Flüchtlinge abgewiesen werden, die aus anderen EU-Staaten einreisen wollen. Zudem wird in Erwägung gezogen, Flüchtlinge einfach in andere Bundesländer weiterzuschicken. Diese möglichen Schritte seien in der Ministerratssitzung diskutiert worden, verlautete aus Teilnehmerkreisen.

+++ Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein klares Bekenntnis zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen gefordert. „Es ist die drängende Pflicht eines Politikers, auf die begrenzten Aufnahmemöglichkeiten hinzuweisen“, sagte Seehofer am Dienstag. „Bei aller Hilfspolitik sind wir Politiker nicht befreit von der Frage, auch über die Folgen unseres Tuns nachzudenken.“ Seehofer dankte dem Bundespräsidenten Joachim Gauck, der auf die begrenzten Möglichkeiten Deutschlands zur Aufnahme von Flüchtlingen hingewiesen habe.

+++ Nach Hamburg plant nun auch Bremen die Beschlagnahmung von Wohnraum für Flüchtlinge. Leerstehende Gebäude mit einer Fläche von mindestens 300 Quadratmetern sollen auch gegen den Willen der Eigentümer vorübergehend für Flüchtlinge genutzt werden können.

+++ Seit dem Jahresbeginn ist nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als eine halbe Million Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Fast 383.000 Menschen seien in Griechenland, weitere 129.000 Flüchtlinge in Italien angekommen, erklärte das UN-Flüchtlingshochkommissariat am Dienstag. Etwa 2980 Menschen kamen bei dem Versuch, auf häufig kaum seetüchtigen Booten Europa zu erreichen, ums Leben.

+++ Als Reaktion auf die rasant wachsenden Flüchtlingszahlen hat das Bundeskabinett ein umfangreiches Paket mit Gesetzesänderungen im Asylrecht auf den Weg gebracht. Ziel ist, Asylverfahren zu beschleunigen, die Einrichtung neuer Flüchtlingsunterkünfte zu vereinfachen und abgelehnte Antragsteller schneller in ihre Heimat zurückzuschicken.

+++ Ein 20 Jahre alter Flüchtling aus dem Irak ist in der Nähe der nordfranzösischen Hafenstadt Calais im Laderaum eines Lastwagens ums Leben gekommen. Zwei Verwandte, die mit ihm im Fahrzeug waren, wurden nicht verletzt, teilte die Präfektur von Calais am Dienstag mit. Das Trio hatten wohl versucht, heimlich nach Großbritannien zu gelangen. Der Fahrer des Lasters fand den Toten demnach, als er nahe des Hafens von Calais seine Ladung inspizierte.

+++ Mehr als 1100 Flüchtlinge sind am Montag bei zahlreichen Einsätzen vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet worden. Insgesamt 1151 Menschen seien von kenternden Booten aufgenommen worden, teilte die italienische Küstenwache.

+++ Auch nach Wiedereinführung der Grenzkontrollen in Deutschland bleibt die Zahl der einreisenden Asylbewerber nach Medieninformationen hoch. Pro Tag kämen im Durchschnitt etwa 10 000 Flüchtlinge in Deutschland an, berichtet die „Bild“-Zeitung (Dienstag) unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Bundesregierung hatte Mitte September als Reaktion auf den starken Andrang vorübergehend wieder Grenzkontrollen eingeführt. Seitdem sind nach Informationen der Zeitung insgesamt mehr als 150 000 Flüchtlinge eingereist.

+++ Kubas Präsident Raúl Castro hat Europa für die Flüchtlingskrise im Nahen Osten und in Afrika verantwortlich gemacht. „Die EU muss die sofortige und komplette Verantwortung an der Krise übernehmen, die sie selbst mit ausgelöst hat“, sagte Castro am Montag vor der UN-Vollversammlung in New York. „Die Flüchtlinge sind ein direktes Resultat der Destabilisierung im Nahen Osten und Nordafrika durch die Nato und andere Staaten.“

+++ Trotz der Massenschlägerei in einer Notunterkunft in Kassel haben sich SPD-Politiker gegen eine Trennung von Flüchtlingen nach Religion oder Herkunft ausgesprochen. „Eine Trennung nach Religionen oder gar Ethnien ist bei dem derzeitigen Ansturm kaum praktikabel“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz.

+++ Die CSU will illegale Einreisen von Flüchtlingen künftig direkt an den Grenzen verhindern. Dazu müsse das bestehende Flughafenverfahren auch auf Landgrenzen ausgeweitet werden, sagte Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagsausgabe). Flüchtlinge ohne Asylperspektive könnten dann schon an der Grenze zurückgewiesen werden. Das an Flughäfen etablierte Verfahren müsse auch an Landgrenzen möglich sein, forderte die CSU-Politikerin. "Das würde eine dringend nötige Entlastung schaffen." Praktisch bedeute dies, dass an Grenzen eine Art "Transitzone" eingerichtet werde. Dort könne die erste Prüfung vorgenommen werden. Die Möglichkeit zur Einrichtung solcher Zonen an den Grenzen sei in der EU-Asylverfahrensrichtlinie vorgesehen. Berlin habe diese Richtlinie bisher aber noch nicht umgesetzt.

+++ Vor der libyschen Küste sind erneut zahlreiche Flüchtlinge aus Seenot gerettet worden. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Küstenwache des Landes berichtete, seien bei insgesamt elf Rettungseinsätzen am Montag 1151 Bootsflüchtlinge in Sicherheit gebracht worden. Immer wieder werden Hunderte Flüchtlinge aus Booten vor der Küste des nordafrikanischen Staates gerettet.

Vom 7. Oktober an wird der EU-Militäreinsatz gegen kriminelle Schleuser im Mittelmeer ausgeweitet. Auf dieses Datum verständigten sich die Botschafter der EU-Staaten, wie der Ministerrat am Montag in Brüssel mitteilte. Bislang war nur bekannt, dass es im Monat Oktober losgehen sollte.

Ziel des Einsatzes ist, Schleusern im Mittelmeer das Handwerk zu legen, indem verdächtige Schiffe aufgebracht und zerstört werden. Die EUNAVFOR Med genannte Mission wird laut EU-Mitteilung in „Sophia“ umbenannt - nach einem Flüchtlingsbaby, das im August vor der Küste Libyens auf einem Schiff der Mission auf die Welt gekommen sei.

+++ In Freilassing ist ein Taxifahrer festgenommen worden, weil er versucht hat, Flüchtlinge aus Syrien über die Grenze nach Deutschland zu schleusen. Die Polizei gab an, dass solche Fälle nicht ungewöhnlich seien. 

Flüchtlingskrise: Alle Entwicklungen von Montag

+++ Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat als Konsequenz aus der Flüchtlingskrise Freizügigkeit für alle Menschen gefordert. „In einer Welt, in der Waren, Geld und Daten frei ausgetauscht werden, ist es absurd, den Strom von Menschen aufzuhalten“, sagte Rousseff am Montag vor der UN-Vollversammlung in New York. „Die verständliche Empörung nach den Bildern von einem toten Flüchtlingsjungen am Strand der Türkei und 71 erstickten Menschen in einem Lastwagen in Österreich muss sich in eindeutige Solidarität verwandeln. Brasilien, geschaffen mit Flüchtlingen, wird immer die Arme ausstrecken.“

+++ Angesichts der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen warnen immer mehr Unionspolitiker vor einer Überforderung Deutschlands. Die Menschen fragten sich zunehmend, ob Gesellschaft und Arbeitsmarkt tatsächlich in der Lage seien, nächstes Jahr erneut 800 000 Flüchtlinge zu integrieren, sagte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach der "Passauer Neuen Presse". "Die Zweifel werden immer größer, und sie sind berechtigt." Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte von Grenzen bei der Aufnahme von Flüchtlingen gesprochen: "Unsere Aufnahmekapazität ist begrenzt, auch wenn noch nicht ausgehandelt ist, wo diese Grenzen liegen." Lesen Sie hier mehr dazu.

+++ In Pinnow in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Unbekannter Steine auf eine Asylbewerberunterkunft geworfen. Wie die Polizei am Montag in Neubrandenburg mitteilte, wurden bei dem Angriff in der Nacht zum Sonntag zwei Fenster durch Feldsteine zerstört. Eine auf das Gebäude geworfene Bierflasche zerschellte an einem weiteren Fenster. Menschen wurden nicht verletzt. Ein Mitarbeiter des Wachschutzes war durch Rufe der Heimbewohner alarmiert worden. Er sah nach Polizeiangaben noch einen Tatverdächtigen weglaufen, der anschließend mit einem Auto flüchtete. Die Fahndung nach dem Täter blieb zunächst erfolglos.

Ban Ki Moon: "Ich dränge Europa, mehr zu tun"

+++ UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat ein größeres Engagement Europas für die Flüchtlinge und die Krisen im Nahen Osten gefordert. „Ich dränge Europa, mehr zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Europa, dass die Hilfe der Welt suchte“, sagte Ban am Montag zum Beginn der jährlichen Generaldebatte der UN-Vollversammlung.

Die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen sind nach den Worten von Ban dramatisch unterfinanziert. „Die Welt verschwendet Billionen für Waffen. Warum ist es einfacher, Geld zur Zerstörung von Menschen und des Planeten zu finden als zu deren Schutz?“

+++ Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen weiter deutlich zu. Die Polizei zählte im laufenden Jahr bis zum 21. September bundesweit 437 Übergriffe auf Asylunterkünfte, wie das Bundeskriminalamt am Montag auf dpa-Anfrage in Wiesbaden mitteilte. Im gesamten vergangenen Jahr waren es etwa 200 Delikte gewesen.

Überwiegend handele es sich um Sachbeschädigungen, Propagandadelikte und Fälle von Volksverhetzung, erklärte die Behörde. Seit einigen Monaten erreichten die Taten aber eine neue Quantität und Qualität. 59 Fälle im laufenden Jahr waren demnach Gewalttaten, davon 26 Brandstiftungsdelikte. Die bisherige Höchstmarke von Gewalttaten gegen Flüchtlingsheime - 28 im vergangenen Jahr - hat sich damit bereits verdoppelt.

+++ Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hält Leistungskürzungen für Asylbewerber für notwendig, wenn sie Regeln nicht einhalten. „Wer das Asylrecht in Anspruch nimmt, muss sich zu unseren rechtsstaatlichen Spielregeln, zu den Grundsätzen unserer Verfassungskultur bekennen“, sagte die rheinland-pfälzische CDU-Chefin der „Bild“-Zeitung (Montag). „Wir sollten uns das Beispiel bei Hartz-IV-Empfängern anschauen: Bei Nichteinhaltung von Vereinbarungen kann es zu Leistungskürzungen kommen.“ Klöckner bekräftigte ihre Forderung nach einem Gesetz zur Integrationspflicht. Ein Imam hatte ihr nach ihren Angaben in einem Flüchtlingsheim den Handschlag verweigert, weil sie eine Frau ist.

Papst: Mauern und Zäune nicht die Lösung

+++ Papst Franziskus hat den Bau von Mauern und Zäunen in Europa zur Abschreckung von Flüchtlingen als destruktiv kritisiert. „Mauern sind nie Lösungen. Das Problem bleibt, aber es bleibt mit mehr Hass“, sagte der Papst auf dem Rückflug von seinem neuntägigen Besuch in Kuba und den USA nach Rom in der Nacht zum Montag. „Alle Mauern stürzen ein. Heute, morgen oder nach zehn Jahren, aber sie fallen. Es ist keine Lösung.“

Zwar gebe es angesichts der Flucht Tausender Menschen nach Europa derzeit einige Schwierigkeiten, aber die Lösungen müssten „im Dialog zwischen den Ländern“ gefunden werden, sagte das katholische Kirchenoberhaupt im Flugzeug nach Rom. „Es ist nicht leicht, Lösungen zu finden. Aber Mauern sind nie Lösungen, Brücken hingegen immer.“ Ungarn hatte seine Grenze zu Serbien mit einem 175 Kilometer langen Zaun geschlossen.

Zahl der Flüchtlinge an bayerischen Grenzen unverändert hoch

+++ Die Zahl der Flüchtlinge an den bayerischen Grenzen ist unverändert hoch. Am Sonntag zählte die Bundespolizei im Freistaat etwa 4000 Migranten. „Es gibt keine Entspannung. Die Zahl der Flüchtlinge ist nach wie vor sehr hoch und die Unterkünfte sind voll“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Montag. Alleine in der Passauer Dreiländerhalle sind derzeit 700 Menschen untergebracht. Am Montagvormittag kamen am Passauer Bahnhof etwa 400 Migranten mit Sonderzügen an.

In Freilassing und Rosenheim hatte die Bundespolizei am Sonntag etwa 2600 Flüchtlinge gezählt. In einem EuroCity aus Bologna trafen die Rosenheimer Bundespolizisten auf 139 unerlaubt Eingereiste, in einem Fernreisezug, der in Verona gestartet war, befanden sich 143 Migranten und in einem Zug aus Trento waren es 124. Nach Angaben der Bundespolizei hatte es sich überwiegend um Personen aus afrikanischen und arabischen Ländern gehandelt.

+++ Seit Beginn der Flüchtlingskrise im Frühjahr haben rund 200 000 Menschen auf der Balkanroute Serbien in Richtung Österreich und Deutschland durchquert. Das berichtete der Direktor des serbischen Asylzentrums, Rados Djurovic, am Montag im Staatsfernsehen in Belgrad. Zur Zeit kämen täglich rund 1000 neue Flüchtlinge aus Griechenland und Mazedonien ins Land, die dann weiter über Kroatien und Ungarn nach Österreich geleitet würden.

+++ Als Reaktion auf gewaltsame Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine nach Religionen getrennte Unterbringung der Asylsuchenden gefordert. "Wir müssen alles tun, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern", sagte der GdP-Vizevorsitzende Jörg Radek der "Welt" vom Montag. "Eine getrennte Unterbringung auch nach den Religionen halte ich für absolut sinnvoll." Die Polizei werde "vermehrt" zu Auseinandersetzungen in Flüchtlingsheimen gerufen. Wenn 4000 Menschen in einem Heim mit eigentlich nur 750 Plätzen untergebracht seien, "dann führt diese Enge zu Aggressionen, wo selbst eine Winzigkeit wie der Gang zur Toilette zu einer Handgreiflichkeit führt", sagte Radek. Weil sich die unterschiedlichen Gruppen solidarisierten, käme es vermehrt zu Massenschlägereien. "Da reicht es nicht, wenn wir einen Streifenwagen hinschicken, da sind dann bis zu 21 Streifenwagen im Einsatz."
Bis zu 50 Polizisten waren am Sonntag auf dem Gelände des alten Flughafens Kassel-Calden im Einsatz. Auslöser des Gewaltausbruchs war eine Rangelei zwischen zwei Bewohnern während der Essenausgabe. Der Streit eskalierte und führte zu einer Prügelei zwischen jeweils etwa 60 Menschen auf beiden Seiten. Die Polizei konnte die Lage zunächst beruhigen, am Abend verschärfte sich die Situation jedoch wieder. Dann standen sich laut Polizei 70 Pakistaner und 300 Albaner gegenüber.

Türkei will Flüchtlingslager in Syrien bauen

+++ Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise schlägt die Türkei der Europäischen Union den Bau riesiger Flüchtlingslager in Syrien vor. Drei Containerstädte für jeweils 300.000 Menschen seien möglich, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu laut Medienberichten vom Montag vor türkischen Journalisten am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Wenn die EU die Containersiedlungen bezahle, könne die Türkei den Bau übernehmen. Laut Davutoglu sollen die Siedlungen in einer Schutzzone im Norden Syriens entstehen. Die Türkei fordert seit langem die Einrichtung einer solchen Zone. Den in der EU diskutierten Vorschlag zur Einrichtung von EU-finanzierten Flüchtlingslagern in der Türkei lehnte Davutoglu erneut ab.

+++ Abgeordnete des Schweriner Landtags, darunter auch Vertreter der NPD-Fraktion, besuchen heute die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Horst. Eigentlich hatte das Innenministerium der rechtsextremen Partei einen solchen Besuch zunächst untersagt. Daraufhin war die NPD, die nur noch in Mecklenburg-Vorpommern im Landtag sitzt, vor das Landesverfassungsgericht gezogen. Die Greifswalder Richter stellten fest, dass verfassungsrechtlich garantierte Abgeordnetenrechte verletzt wurden und entschieden, dass NPD-Abgeordnete unter Auflagen das Flüchtlingsheim besichtigen dürfen. Lesen Sie hier mehr dazu.

+++ Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Katja Suding hat vor einer Beschlagnahme leerer Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen gewarnt. Die möglichen Zwangsmaßnahmen seien „brandgefährlich“, sagte die FDP-Politikerin im Gespräch mit der „Thüringischen Landeszeitung“ (Montag). „Man muss sich dann nicht wundern, wenn irgendwann die Stimmung kippt“, betonte sie. In Bürgergesprächen würden Eigentümer ihre Immobilien freiwillig anbieten - doch das würde häufig ignoriert. Statt Zwangsmaßnahmen anzuordnen, sollten sich „alle Beteiligten an einen Tisch“ setzen. Die Länder sehen die Beschlagnahme als letztes Mittel.

+++ Die UN-Vollversammlung am Montag dreht sich hauptsächlich um das Thema "Syrien". Am Rande der Konferenz treffen US-Präsident Obama und der russische Staatschef Putin aufeinander, um über die Rolle des syrischen Machthabers Assad in Syrien zu sprechen.

Lesen Sie hier mehr zur UN-Vollversammlung.

+++ Bei einer stundenlangen Massenschlägerei in einem Zeltlager für Flüchtlinge in Kassel-Calden sind mindestens neun Menschen leicht verletzt worden. In dem Lager auf dem alten Flughafen seien am Sonntagnachmittag mehrere Hundert Flüchtlinge aneinandergeraten, sagte ein Polizeisprecher in Kassel am Abend. Die Lage sei unübersichtlich. Viele Polizeikräfte seien vor Ort. Die Verletzten seien vorsorglich in Kliniken gebracht worden. In der Aufnahmeeinrichtung Kassel-Calden leben nach Angaben des Sprechers derzeit etwa 1500 Menschen.

+++ Auch in der kommenden Woche soll es zur Entlastung Österreichs weitere Sonderzüge für Flüchtlinge von Salzburg nach Deutschland geben. Die Innenministerien beider Länder hätten sich am Sonntag darauf geeinigt, den Einsatz zu verlängern, sagte ein Sprecher von Thomas de Maizière am Abend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Unklar sei aber, ob aus logistischen Gründen tatsächlich schon am Montag wieder Züge fahren könnten. Nach Angaben der Bahn werden am Montag zwei Sonderzüge ab Salzburg fahren, einer ins Ruhrgebiet, der andere nach Berlin.

Frankreich zerstört IS-Ausbildungscamp

+++ Die kalte Jahreszeit naht - da ist in vielen Jugendherbergen kaum Betrieb. Deswegen wollen die Jugendherbergen in Deutschland Tausenden Flüchtlingen eine Unterkunft bieten. „Wir fühlen uns verpflichtet, Menschen in Not zu helfen. In der aktuellen Situation können wir helfen, Flüchtlingen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben“, sagte Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks, der dpa. Ab 1. Oktober könnten in Nordrhein- Westfalen, Bayern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen insgesamt 3800 Flüchtlinge vorübergehend in Jugendherbergen wohnen. Auch in anderen Bundesländern wollen Jugendherbergen verhindern, dass die Menschen im Winter in Zelten leben müssen.

+++ Erstmals seit Beginn des Syrienkrieges hat Frankreich Luftangriffe in Syrien auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflogen. Dabei sei ein Ausbildungslager des IS im Osten des Landes zerstört worden, teilte Staatspräsident François Hollande am Sonntag bei einer UN-Veranstaltung in New York mit. Die Bevölkerung müsse vor der Gewalt der Islamisten ebenso geschützt werden wie vor „den mörderischen Bombenangriffen von (Präsident) Baschar al-Assad“, erklärte der Élyséepalast.

+++ Inmitten der Flüchtlingskrise hat die rechte FPÖ bei Landtagswahlen in Oberösterreich massive Gewinne eingefahren. Laut einer Hochrechnung im Auftrag des öffentlichen Senders ORF kam sie am Sonntag auf 31,5 Prozent der Stimmen, mehr als doppelt so viel wie bei der vorigen Wahl im Jahre 2009. Die Rechtspopulisten lagen damit nur wenig hinter der konservative ÖVP von Ministerpräsident Josef Pühringer, die um 11 Prozentpunkte auf 35,8 Prozent abrutschte. Die Flüchtlingskrise hatte im Vorfeld des Urnengangs alle anderen Themen überlagert; die Wahl im Bundesland an der bayerischen Grenze wurde deshalb als Stimmungstest für ganz Österreich gesehen.

+++ In Heidenau bei Dresden sind vier Flüchtlinge aus Pakistan von russischstämmigen Jugendlichen angegriffen worden. Nach Polizeiangaben sind bei der Attacke am Samstagabend zwei der vier Asylbewerber verletzt worden. Einem der Asylbewerber sei mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen worden, sagte der Polizeisprecher. Er habe wegen einer Platzwunde im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ein zweiter Pakistaner habe Kratzwunden im Gesicht gehabt. Der Hintergrund des Streits war zunächst unklar.

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen kein Ende

+++ Die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen kein Ende. Am Wochenende kam es erneut an verschiedenen Orten zu Randale und teils gewalttätigen Protesten gegen Asylbewerber. Nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat es in diesem Jahr bislang 22 Brandanschläge auf Asylbewerberheime gegeben.

+++ Knapp 4000 Flüchtlinge haben am Sonntag das griechische Festland erreicht. Fähren brachten die Menschen von der Ägäis-Insel Lesbos nach Piräus, wie das staatliche Fernsehen (ERT) berichtete. Befragt von Reportern wohin sie wollen, nannten die Flüchtlinge fast einstimmig Westeuropa als ihr Ziel.

+++ Das Bundesinnenministerium hat Berichte aus Österreich zurückgewiesen, wonach per Beschluss die deutschen Sonderzüge für Flüchtlinge aus Salzburg gestoppt wurden. Bislang gebe es keinen solchen Plan, sagte ein Sprecher des Ministerium in Berlin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit liefen aber entsprechende Gespräche. Die Berliner Senatsverwaltung teilte mit, dass am Montagvormittag (11.00 Uhr) ein Sonderzug aus Salzburg mit 450 Menschen in der Hauptstadt erwartet werde.

Die Stadt Salzburg hatte mitgeteilt, dass ab Montag keine Sonderzüge mehr von dort nach Deutschland fahren sollen. Der Bürgermeister Heinz Schaden äußerte sich besorgt: „Rotes Kreuz und Caritas sprechen schon von einer sich ankündigenden humanitären und sanitären Katastrophe an der Grenze nach Freilassing“, wurde Schaden in der Mitteilung zitiert. „Diese droht uns auch am Bahnhof, wenn weitere Züge aus Wien, Graz oder Villach kommen.“

+++ Die Unterkünfte für Flüchtlinge werden knapp, Kommunen suchen dringend nach Wohnungen. Auch Forderungen nach der Beschlagnahmung von Gebäuden werden laut. Allerdings ist die Maßnahme in vielen Bundesländern bislang kein Thema, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Als Drohkulisse wirkt das Thema aber durchaus. Und rechte Kreise versuchen, es für sich zu instrumentalisieren.

Gegner der Flüchtlingspolitik demonstrieren in Mecklenburg-Vorpommern

Peter Altmaier.

+++ Trotz der starken Belastung des Haushalts durch den starken Zustrom an Migranten schließt die Bundesregierung eine Erhöhung von Steuern und Abgaben aus. „Wir haben den Wählern versprochen, dass es keine Steuererhöhungen oder andere Abgabenerhöhungen geben wird“, sagte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Dieses Versprechen werde eingehalten.

+++ In Mecklenburg-Vorpommern haben am Wochenende an mehreren Orten Gegner der aktuellen Flüchtlingspolitik demonstriert. An den meist von rechten Gruppen organisierten Kundgebungen in Stralsund, Demmin, Burg Stargard (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), Wismar und Ueckermünde (Kreis Vorpommern-Greifswald) nahmen nach Angaben der Polizei insgesamt mehr als 1000 Menschen teil.

Bei einer Demonstration der sogenannten MV-Patrioten in Stralsund, der mit 440 Teilnehmern größten Veranstaltung, wurden am Freitagabend drei Menschen bei Auseinandersetzungen mit linken Gruppen leicht verletzt. In Demmin zogen am Samstag rund 280 Demonstranten mit Schildern wie "Die Presse lügt" durch die Stadt, darunter ein NPD-Landtagsabgeordneter und nach Einschätzung der Stadtverwaltung erstmals etwa 70 Einheimische. In Wismar-Wendorf marschierten rund 150 Rechte durch den Stadtteil, in dem es eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber gibt.

Bereits am Freitagabend hatten etwa 60 dunkel gekleidete Personen unangemeldet in Ueckermünde gegen Asylbewerber demonstriert. Die Demonstranten führten ein Plakat mit der Aufschrift "Kein Ort für Asylanten" mit. Als Beamte eintrafen, flohen sie in alle Richtungen.

Flüchtlinge: Fast 10.000 Asylbewerber treffen in Kroatien ein

+++ In Kroatien sind am Freitag fast 10.000 Flüchtlinge eingetroffen - einer neuer Rekord für das Land. In den vergangenen zehn Tagen hätten damit insgesamt 65.000 Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten die Grenzen zu dem EU-Land überquert, teilte das Innenministerium in Zagreb am Samstag mit. Nach der Schließung der Grenze zwischen Ungarn und Serbien Mitte September waren tausende Flüchtlinge in das Nachbarland Kroatien ausgewichen, um von dort weiter über Slowenien oder Ungarn nach Nord- und Mitteleuropa zu reisen.

+++ Die Bundesregierung hat einen Bericht des Spiegel über angebliche Pläne zurückgewiesen, wonach Flüchtlingen aus Syrien künftig Aufenthalt gewährt werden soll, ohne dass sie das Asylverfahren durchlaufen müssen. Derartige Pläne gebe es nicht, sagte eine Regierungssprecherin am Samstag in Berlin. Auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, die Meldung treffe nicht zu.

+++ Die Bundesregierung plant einem Bericht zufolge, Flüchtlingen aus Syrien künftig Aufenthalt zu gewähren, ohne dass sie das Asylverfahren durchlaufen müssen. Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel vorab aus seiner neuen Ausgabe berichtet, soll auf diese Weise das für Asylverfahren zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) entlastet werden. Es solle sich ganz auf die weniger aussichtsreichen Asylverfahren konzentrieren und diese schneller abarbeiten können.

Dem Bericht zufolge könnten syrische Flüchtlinge dann direkt für drei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, ohne das reguläre Asylverfahren durchlaufen zu müssen. Syrer mit dem geplanten Aufenthaltsstatus dürften jedoch keine Verwandten aus ihrer Heimat nachholen, berichtet der Spiegel unter Berufung auf Koalitionskreise.

+++ Immer mehr Flüchtlinge treffen beim jüngsten EU-Mitglied Kroatien ein: Allein am Freitag sei mit fast 10.000 Menschen ein neuer Tagesrekord erzielt worden, teilte das Innenministerium am Samstag in Zagreb mit.

Flüchtlinge werden mit Bussen und Zügen an die Grenzen gebracht

+++ Seit die Flüchtlinge vor zehn Tagen erstmals Kroatien als Transitland wählten, seien es 65.000 Menschen gewesen, berichtete das Ministerium weiter. Fast alle werden mit Bussen und Zügen an die ungarische Grenze gebracht, von wo sie nach Österreich weitergeleitet werden.

+++ Kroatien hat die Sperrung seiner Grenze für serbische Fahrzeuge wieder aufgehoben. Die Grenze sei seit 17.00 Uhr wieder "für alle Autos unabhängig ihres Nummernschildes" geöffnet, teilte Innenminister Ranko Ostojic am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Kroatien hatte angesichts des durch die Schließung der serbisch-ungarischen Grenze ausgelösten Flüchtlingsansturms auf sein Territorium die Grenze zu Serbien vor einigen Tagen für serbische Fahrzeuge gesperrt.

+++ In der geplanten neuen Berliner Erstregistrierungsstelle in der Bundesallee soll vom 1. November an auch ein Zentrum für Westbalkan-Flüchtlinge entstehen. Ziel sei es, deren meist aussichtslose Asylanträge an einem Tag zu bearbeiten, kündigte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Freitag an. Voraussetzung sei, dass dort das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), die Ausländerbehörde, die Polizei und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Hand in Hand arbeiten könnten, um die Verfahren deutlich zu beschleunigen. Der Probelauf dafür erfolge derzeit gerade in dem Polizeigebäude Kruppstraße, sagte Czaja.

Flüchtlinge: BAMF soll 3000 zusätzliche Stellen bekommen

+++ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will erreichen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 3000 zusätzliche Stellen bekommt. Ziel sei eine Personalstärke von 6300 Mitarbeitern, sagte de Maizière am Freitag in Berlin. Derzeit hat die Behörde, die für die Bearbeitung aller Asylanträge in Deutschland zuständig ist, mehr als 3000 Mitarbeiter. Davon sind etwa 550 Asylentscheider.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, der inzwischen auch das BAMF leitet, hatte am Donnerstag beim Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt für eine solche Personalaufstockung geworben. „Ich unterstütze das“, sagte de Maizière. Die Pläne müssten noch mit dem Bundesfinanzministerium besprochen werden. Er sei aber zuversichtlich, dass es hier zu einer Einigung kommen werde. Zu den Kosten äußerte sich der Minister nicht.

+++ Ein paar Dutzend Demonstranten haben in der Nacht zum Freitag einen Bus mit knapp 50 neu angekommenen Flüchtlingen in Südfinnland attackiert. Einige warfen in der Nähe eines neu eingerichteten Asylzentrums in Lahti mit Steinen und Feuerwerkskörpern auf den Bus. Unter den Flüchtlingen waren viele Familien mit Kindern. Verletzt wurde niemand. „Es scheint so, als habe es sich vor allem um Anwohner gehandelt“, sagte Polizeiinspektor Pekka Kokkonen der Deutschen Presse-Agentur. „Die meisten waren betrunken, und sie sind dorthin gekommen, nachdem sie in der Zeitung gelesen hatten, dass Asylbewerber ankommen sollten.“

Die Polizei untersucht, ob eine Gruppe hinter der Aktion steckt. Einer der Demonstranten trug ein Outfit im Stil des Ku Klux Klans. Zwei mussten laut dem Fernsehsender YLE Strafen für das Werfen von Feuerwerkskörpern zahlen.

+++ Nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes werden vor der griechischen Insel Kalymnos seit Freitagmorgen sieben Menschen vermisst. Fischer konnten einen Flüchtling aus den Fluten retten und benachrichtigten die Behörden. Laut Aussage eines geretteten Flüchtlings sei das Flüchtlingsboot zwischen Kalymnos und der unbewohnten griechischen Insel Kalolimnos gekentert, teilte die Küstenwache mit.

Flüchtlinge: Gabriel wirbt für Zusammenarbeit mit Russland

+++ Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich angesichts der Flüchtlingskrise und des Bürgerkriegs in Syrien für ein besseres Verhältnis zu Russland ausgesprochen. „Wir werden unser Verhältnis zu Russland ändern müssen“, sagte der Vize-Kanzler am Freitag. Der Ukraine-Konflikt dürfe nicht so sehr belasten, dass Russland als Partner in Syrien ausfalle: „Wir brauchen eine Verständigung mit Russland.“

+++ In Nürnberg könnten demnächst Flüchtlinge in der Firmenzentrale des insolventen Heimtextilhändlers ARO unterkommen. Der bisherige Firmenchef und frühere Präsident des 1. FC Nürnberg, Michael A. Roth, habe dem Sozialamt der Stadt ein entsprechendes Angebot unterbreitet, berichtete ein Behördenmitarbeiter am Freitag. Er bestätigte damit einen Bericht des „Bayerischen Rundfunks“.

Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen. „Wir haben uns das Gebäude angeschaut und müssen nun sehen, ob wir darin eine Unterkunft für Asylbewerber realisieren können“, sagte der Behördenmitarbeiter. Der 80-jährige Roth selbst wollte sich zu den Plänen nicht äußern.

+++ An den Grenzen innerhalb der EU sowie an den Außengrenzen bleibt der Andrang schutzsuchender Flüchtlinge weiterhin hoch. Nach Angaben der Polizei trafen seit Mitternacht bis zum frühen Freitagmorgen rund 4500 Menschen über Ungarn kommend in Österreich ein. Am Donnerstag hatten 7500 Flüchtlinge die Grenze überquert. Die meisten Menschen wollen nach Deutschland weiterreisen.

In Ungarn erklärte die Polizei am Freitag, dass am Vortag gut 8100 Schutzsuchende angekommen seien. Am Mittwoch hatten die ungarischen Behörden mit mehr als 10.000 Ankommenden einen neuen Rekord verzeichnet. Die allermeisten Menschen reisen von Kroatien nach Ungarn ein, nachdem Budapest Mitte des Monats seine Grenze zu Serbien dichtgemacht hatte. In Kroatien kamen allein am Donnerstag 8500 Flüchtlinge an.

Bild von Flüchtlingsbild rührt ganz Deutschland

+++ Ein von einem Flüchtlingskind gemaltes Bild macht derzeit in den sozialen Netzwerken die Runde. Einfach, aber mehr als eindrücklich wird dort noch einmal das Grauen des Bürgerkrieges in Syrien einerseits, und Deutschland als sichere Zuflucht andererseits aufgezeigt.

Unter der deutschen Flagge steht ein großes Haus mit einem langen Zufahrtsweg und Menschen mit Koffern. Die deutsche Fahne und die Polizei sind jeweils von roten Herzen umrahmt. „Wie das Kind die beiden Welten sieht, ist schon schwer beeindruckend“, sagte am Freitag der Sprecher Bundespolizeiinspektion Freyung, Thomas Schweikl.

Wir schließen uns den Beamten in Passau an. Dieses Bild macht einen sprachlos.

+++ Der ausgeglichene Haushalt im Bund ist trotz des Mehraufwandes für die Flüchtlinge laut Finanzminister Wolfgang Schäuble offenbar nicht in Gefahr. Die schwarze Null soll laut ihm stehen.

+++ Von den Ergebnissen des Flüchtlingsgipfel sind nicht alle begeistert. Während Familienministerin Manuela Schwesig die Anstrengungen des Bundes lobt,kommt von den Länderregierungen eher Kritik.

+++ Der Bund stockt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise seine Finanzhilfen für Länder und Kommunen massiv auf. Die Regierung stellt den Ländern 670 Euro Pauschale pro Flüchtling und Monat zur Verfügung, teilte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten im Kanzleramt mit. Unterstellt seien 800 000 Flüchtlinge und eine durchschnittliche Bearbeitungszeit der Fälle von fünf Monaten. Zudem würden 500 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt sowie 350 Millionen Euro für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Wie es weiter hieß, erhalten die Länder auch weitere Mittel für Kita-Ausbau und Familienpolitik. So sollen die freiwerdenden Mittel aus dem gekippten Betreuungsgeld dafür auf die Länder verteilt werden. Nach Angaben Merkels übernimmt der Bund mit der Pro-Kopf-Pauschale die Risiken für die Bearbeitungsprozesse von den Ländern und die Zahl der Asylbewerber. Die Kanzlerin sprach von einem atmenden System.

Bund und Länder einigen sich

+++ Bund und Länder haben sich in der Flüchtlingskrise auf eine Kostenverteilung und ein umfangreiches Paket an Gesetzesänderungen geeinigt. Das teilte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend nach einem Spitzentreffen mit den Ministerpräsidenten der Länder im Kanzleramt in Berlin mit.

+++ Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat wegen der zusätzlichen Anforderungen für den Unterricht von Flüchtlingskindern die Einstellung zusätzlicher Lehrer gefordert. Bundesweit würden etwa 10.000 neue Lehrer benötigt, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Wolfgang Pieper am Donnerstag in Berlin.

+++ Die CSU will erreichen, dass nicht mehr alle Bürgerkriegsflüchtlinge in Europa aufgenommen werden. In einem Forderungskatalog der CSU-Landtagsfraktion zum Abschluss ihrer Herbstklausur heißt es an erster Stelle, auf europäischer Ebene müssten Kontingente für die Zuwanderung von Bürgerkriegsflüchtlingen festgelegt werden: „Unsere oberste Priorität muss sein, den Flüchtlingszustrom künftig einzudämmen.“

+++ In Berlin haben sich am Donnerstagnachmittag Spitzenvertreter von Bund und Ländern zum Flüchtlingsgipfel getroffen. An dem Treffen im Kanzleramt nehmen neben Kanzlerin Angela Merkel das gesamte Bundeskabinett sowie alle Regierungschefs der 16 Bundesländer teil. +++ Auf dem Treffen soll nach wochenlangen Diskussionen ein Maßnahmenbündel zur Bewältigung der großen Flüchtlingszahlen in Deutschland geschnürt werden. Eine der zentralen Fragen ist, mit wie viel Geld der Bund Länder und Kommunen unterstützt.

135.000 in Bayern angekommen

+++ Wie das bayerische Sozialministerium am Donnerstag bestätigte, sind in den ersten drei Septemberwochen mehr als 135.000 Flüchtlinge im Freistaat Bayern angekommen. Von Januar bis Ende August 2015 waren in Bayern rund 130.000 Migranten gezählt worden. Wie viele Flüchtlinge in Bayern registriert wurden, konnte das Ministerium nicht mitteilen. Viele Flüchtlinge seien direkt in andere Bundesländer weitergeleitet und dort registriert worden, sagte eine Ministeriumssprecherin.

+++ Ein Sonderzug mit rund 500 Flüchtlingen ist wegen Krätze-Verdachts bei mehreren Menschen am Mittwochnachmittag für mehr als zwei Stunden am Bahnhof Göttingen gestoppt worden. Eine Mutter und ihre beiden Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Donnerstag. Nach der Behandlung sei die Familie zum Zug zurückgebracht worden. 

Der aus Salzburg kommende Zug war auf dem Weg nach Uelzen.

++ Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zur Bewältigung der Flüchtlingskrise eine "nationale, europäische und globale Kraftanstrengung" gefordert. "Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute", sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag.

+++ "Tatort"-Kommissar Axel Milberg packt an: Der beliebte Schauspieler hilft in München bei der Versorgung von Flüchtlingen.  

+++ Mehr als 4000 Migranten haben am Donnerstagmorgen an der griechisch-mazedonischen Grenze auf eine Gelegenheit gewartet, weiter nach Westeuropa zu reisen. In den vergangenen 24 Stunden waren nach Berichten von örtlichen Medien mehr als 100 Busse aus Südgriechenland an der griechischen Bahn-Grenzstation von Idomeni angekommen. Die mazedonischen Behörden lassen die Menschen geordnet in Gruppen von rund 50 Menschen über die Grenze kommen, berichteten Augenzeugen.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge zur Integration aufgefordert. Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zählten neben den aktuellen Herausforderungen auch "längerfristige Aufgaben, also vorneweg die Integration der Menschen, die dauerhaft bei uns bleiben werden", sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag in einer Regierungserklärung. "Dazu gehört, dass wir von ihnen erwarten, die Regeln und Werte zu respektieren, die unsere Verfassung vorgibt, und sich auf dieser Grundlage in unsere Gesellschaft zu integrieren."

+++ Merkel (CDU) hat die Flüchtlingskrise als „nationale, europäische und globale Kraftanstrengung“ bezeichnet. Dabei sei besonders die Europäische Union in punkto Humanität und Umgang mit Asylsuchenden gefragt, sagte Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung nach dem EU-Flüchtlingsgipfel in Brüssel. „Unser Umgang mit der aktuellen Krise wird unseren Kontinent auf lange Sicht prägen.“

Rekord der Flüchtlingszahl in Ungarn 

+++  Ungarns Polizei hat am Mittwoch insgesamt 10 046 neu angekommene Flüchtlinge gezählt. Das teilte die Behörde am Donnerstag auf ihrer Homepage mit. Dies ist für einen einzigen Tag ein absoluter Rekord.

+++ Im größten Flüchtlingsdrama seit dem Zweiten Weltkrieg nehmen die Europäer Milliarden zur Krisenbekämpfung in die Hand. Mit diesem Kraftakt wollen die EU-Staaten ihre gemeinsamen Außengrenzen besser sichern und schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen. Das beschloss der EU-Sondergipfel am Donnerstagmorgen in Brüssel.

AFP/dpa/js

Das passierte am Mittwoch: Der News-Ticker zur Flüchtlingskrise von Mittwoch  

Xaver Bitz

Xaver Bitz

E-Mail:xaver.bitz@merkur.de

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