Türkei-Spitzelei seit 1976?

"Spiegel": BND späht auch Albanien aus

München - Der Bundesnachrichtendienst hat laut "Spiegel"-Informationen auch Nato-Mitgliedstaat Albanien im Visier. Das Ausspionieren der Türkei soll indes früher begonnen haben als bisher gedacht. 

Wie das Magazin in einer Vorabmeldung am Samstag berichtet, ist im "Auftragsprofil der Bundesregierung" für den BND auch Albanien als sogenanntes "Kernland" aufgeführt. Dies bedeute, dass der deutsche Geheimdienst das Land "operativ aufklärt".

Der Balkanstaat sei bereits vor dem Beitritt zur Nato auf die Zielliste des deutschen Nachrichtendienstes genommen worden, berichtete das Magazin weiter. Der BND interessiere sich dort vor allem für organisierte Kriminalität.

Der "Spiegel" beruft sich auf Unterlagen, die der Anfang Juli festgenommene BND-Mitarbeiter und mutmaßliche US-Spion Markus R. an den US-Geheimdienst CIA weitergeleitet hatte. Der Mann hat gestanden, der CIA mehr als 200 Dokumente übermittelt zu haben.

Türkei-Spitzelei seit 1976?

Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll die Türkei nach einem Medienbericht nicht erst seit der rot-grünen Regierung von SPD-Kanzler Gerhard Schröder ausspionieren, sondern bereits seit 1976. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet nun ohne nähere Angabe von Quellen, die Maßnahme sei bereits mit ausdrücklicher Genehmigung der Bundesregierung von Helmut Schmidt (SPD) beschlossen worden.

Nach dpa-Informationen ist das Land im geheimen „Auftragsprofil der Bundesregierung“ für den Nachrichtendienst in die wichtigste von drei Beobachtungsstufen einsortiert - so wie jene Staaten, in denen deutsche Soldaten stationiert sind. Das alle vier Jahre neu justierte Auftragsprofil wird derzeit aktualisiert. Beteiligt sind unter Federführung des Kanzleramts das Außenamt, die Ministerien für Inneres, Verteidigung und Wirtschaft sowie der BND.

Die Türkei hatte empört reagiert auf das Bekanntwerden der deutschen Spionageaktivitäten. Der Innenexperte der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, sagte „Focus“, es gebe „gute Gründe“ für Lauschoperationen gegen die Türkei. Uhl nannte Menschenhandel, Drogen-Geschäfte und Terrorismus.

dpa/afp

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