Angela Merkel, Kritik
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Bundeskanzlerin Angela Merkel steht in der Flüchtlingskrise in anhaltender Kritik.

Fraktion schreibt an die Kanzlerin

Brief an Merkel: "Zum geltenden Recht zurückkehren"

Berlin - Die Unionsfraktion im Bundestag teilt der Kanzlerin durch einen Brief die Besorgnis über die aktuelle Flüchtlingssituation mit. Das ist der Inhalt des Schreibens.

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin" - so beginnt der Brief, den Unionsabgeordnete nächste Woche an Angela Merkel übergeben wollen. Die Bewältigung der Flüchtlingskrise wird darin "die größte politische und gesellschaftspolitische Aufgabe und Herausforderung unserer Zeit" genannt.

Die Unterzeichner bekennen sich zunächst ausdrücklich zur "humanitären Verantwortung gegenüber jedem Einzelnen, der Schutz vor politischer Verfolgung sucht oder aus Kriegs- oder Bürgerkriegsgebieten zu uns kommt".

Anschließend werden aber die aktuellen Flüchtlingszahlen angeführt: Im vergangenen Jahr seien "über 1 Million Schutzsuchende" aufgenommen worden - und auch in diesem Jahr könnten "wiederum 1 Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen" - oder mehr.

"Angesichts dieser Entwicklung wachsen die Zweifel daran, ob wir tatsächlich 'das' schaffen können, was wir im Interesse unseres Landes - und aller Flüchtlinge - unbedingt schaffen müssten", heißt es weiter mit Verweis auf schnelle Anerkennungsverfahren, angemessene Unterkünfte, Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt.

"Asylrecht kennt keine Quoten, aber..."

Zwar kenne das Asylrecht "weder Höchstzahlen noch Quoten", wird eingeräumt, aber auch Deutschland habe "keine völlig unbegrenzte, schrankenlose Aufnahmekapazität".

Ausdrücklich wird die Entscheidung von Anfang September, die an der Grenze zu Österreich gestrandeten Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland einreisen zu lassen, als "nicht nur nachvollziehbar, sondern auch verständlich" beurteilt.

Dann aber heißt es, dass dies eine Ausnahme "in einer bestimmten Situation beispielsweise zur Vermeidung humanitärer Härte oder für einen eng begrenzten Zeitraum" hätte bleiben müssen. Indem aber die Ausnahmebestimmungen des Asylrechts auch weiterhin angewendet würden und auch über andere EU-Länder kommenden Flüchtlingen die Einreise nach Deutschland nicht verweigert werde, sei keine Begrenzung oder Steuerung der Zuwanderung möglich.

"Daher sind wir der Überzeugung, dass wir - möglichst rasch - wieder zur Anwendung des geltenden Rechts zurückkehren müssen", fordern die Unterzeichner. Denn die von der Bundesregierung angestrebte europäische Lösung sei "in absehbarer Zeit" nicht erreichbar, "jedenfalls nicht so schnell, wie das angesichts des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen unbedingt notwendig wäre".

Abschließend warnen die Unionspolitiker, Deutschland stehe vor einer "Überforderung" und könne auch rechtlich nicht zu "Unmöglichem" verpflichtet werden. "Deshalb halten wir eine Änderung der derzeitigen Zuwanderungspraxis - aus humanitären Gründen - durch die Rückkehr zur strikten Anwendung des geltenden Rechts für dringend geboten".

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