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Ein Foto von der Delegationsreise mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD, r.) Eine Broschüre seines Ministeriums sorgt für Ärger.

Frauenrechtlerinnen protestieren

Deutsche Delegation im Iran: Ärger um Kopftuch-Fotos

München - Eine Broschüre zu einer deutschen Wirtschaftsdelegationsreise in den Iran sorgt für Wirbel: In dem Heft sind Fotos von Teilnehmerinnen mit Kopftuch. Das verärgert Frauenrechtlerinnen.

Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums wurde die Broschüre von der deutschen Außenhandelskammer Iran für die Kooperationsbörsen mit iranischen Unternehmen erstellt. Sie habe zur Erleichterung des Dialogs die Namen, Positionen und Fotos aller Delegationsteilnehmerinnen und -teilnehmer enthalten. Ein Teil der Frauen ist darin mit Kopftuch abgebildet. Auch der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) nahm an der Reise teil.

„Die Mullahs verwenden solche Bilder gegen die iranischen Frauen, sagen‚ seht her, euch müssen wir mit tausenden Sittenwächtern kontrollieren, und die Frauen aus dem Westen machen es freiwillig!’“, so zitiert die "Bild" die Ex-Iranerin Fathiyeh Naghibzadeh (52). Kritik an der Broschüre mit den Kopftuchfotos kommt auch von Masih Alinejad, die auf Facebook eine Seite initiiert hat, auf der sich Frauen aus dem Iran ohne Kopftuch zeigen. Dort thematisiert sie auch die Reise der Deutschen Delegation. Deren Verhalten bezeichnet sie als "inakzeptabel".

Ein Sprecher des Infrastrukturministeriums von Mecklenburg-Vorpommern sagte, es sei Konsens vor der Reise gewesen, die Frauen mit Kopftuch abzubilden, damit sie von den Gesprächspartnern im Iran auch erkannt werden. Es sei keine Forderung aus dem Iran gewesen, betonte er. Die Delegationsreise vom 28. Mai bis 2. Juni nach Teheran und Isfahan war von den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt organisiert worden.

Auch aus der Politik gibt es Kritik: Den Leipziger CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Feist zitierte die „Bild“-Zeitung mit den Worten: „Ein Bärendienst für die Frauen im Iran.“ Niemand verlange dort solche Bilder. Generell gilt allerdings, dass sich Frauen in dem muslimischen Land in der Öffentlichkeit nur verschleiert zeigen dürfen.

mm/dpa

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