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G7-Gipfel stört Gläubige nicht: Fronleichnam ist auch Demo

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Die Prozession in Mittenwald: So war es vor einem Jahr an Fronleichnam in dem Geigenbauerort. Auch am Donnerstag findet die Prozession statt – trotz des Trubels um Obama, Merkel & Co in der Nachbarschaft und der strengen Sicherheitsbestimmungen. © Hornsteiner

Garmisch-Partenkirchen - Fronleichnam im Werdenfelser Land vor dem Gipfel: Der nahende G7-Gipfel 2015 der Staatschefs auf Schloss Elmau stört die Gläubigen nicht bei ihrer Prozession.

Keine Frage, hätte der G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau wie zunächst geplant am 4. und 5. Juni stattgefunden, wäre es eng für die Fronleichnamsprozessionen im Dekanat Werdenfels geworden. Aber so wird der Feiertag am Donnerstag „begangen wie sonst auch“, sagt Dekan Andreas Lackermeier. Um das Treffen der Staatschefs drei Tage später macht sich der Pfarrer im Vorfeld des Hochfests keine Sorgen. Dafür kreisen seine Gedanken aber umso mehr um eine Frage: „Regnet’s oder nicht?“ Doch die Aussichten sind gut, sogar sehr gut: die Temperaturen können bis auf 30 Grad steigen.

Trotz G7-Gipfel 2015: Gläubige können gewohnte Wege gehen

Morgens, ein paar Tage vor Beginn des G7-Gipfels auf Schloss Elmau, wird es noch angenehm kühl sein. Der Dekan will seinen Gottesdienst in Garmisch-Partenkirchen nämlich wie jedes Jahr um acht Uhr morgens auf dem Kirchplatz feiern. Die Prozession kann nur bei trockenem Wetter im Freien stattfinden. „Mit den großen Fahnen und den Kirchenutensilien können wir nicht in den Regen“, sagt Lackermeier. Dann müsste Fronleichnam in kleiner Form in der Kirche stattfinden. „Das wäre sehr bedauerlich.“ Schließlich bereiten sich die Gemeinden seit Wochen auf das Hochfest des Leibes und Blutes Christi vor. Aber wie gesagt: Petrus meint es heuer wohl gut mit den Gläubigen.

In Partenkirchen ziehen die Katholiken vom Kirchplatz zu den vier prächtig geschmückten Altären in der Gemeinde: an der Sebastianskirche, am Florians- und St. Antoniusbrunnen sowie zu einem Familienaltar. Trotz des anstehenden G7-Gipfels und vieler Straßensperren können die Gläubigen bei der Prozession ihre gewohnten Wege beschreiten. „Das ist kein Problem“, sagt Lackermeier. Der Dekan musste die Polizei aber trotzdem um Erlaubnis fragen. Das hatte jedoch nichts mit dem Treffen der Staatschefs zu tun: „Wir gehen ein Stück auf der Bundesstraße.“ Die sichert die Polizei zu diesem Zweck an Fronleichnam ab.

„Dem lieben Gott ist egal, ob man für oder gegen den G7-Gipfel ist.“

Dass die kirchliche Prozession mit Demonstranten ins Gehege kommen könnte, das glaubt Dekan Andreas Lackermeier nicht. „Die können gerne mitgehen“, sagt er sogar. Schließlich sei die Fronleichnamsprozession die Urform der Demonstration. Die erste ihrer Art ist im 13. Jahrhundert in Benediktbeuern verbürgt. „Wir demonstrieren für den eigenen Glauben“, sagt Lackermeier. „Friedlich, aber überzeugt.“ Auch an Fronleichnam gehe es darum, für etwas einzustehen und dafür auf die Straße zu gehen. Teilnehmen könne daran jeder: „Dem lieben Gott ist egal, ob man für oder gegen den G7-Gipfel ist.“

Auf viele Besucher hofft der Dekan ohnehin. „Es wäre natürlich toll, wenn auch zahlreich für unsere Sache demonstriert wird.“ Gewöhnlich kommen viele Touristen zur Prozession nach Partenkirchen, erzählt Lackermeier. „Alle Vereine sind in Tracht, das ist ein beliebtes Fotomotiv“, erzählt Lackermeier. Er glaubt nicht, dass die anstehende Besprechung der größten Industrienationen, also der G7-Gipfel, bei den Besucherzahlen an Fronleichnam zu Buche schlägt. „Die Prozession ist ja vorrangig für die Einheimischen“, sagt Lackermeier. Und immerhin haben auch schon einige Leute bei ihm angerufen, um zu fragen, wann die Prozession stattfindet. „Ein gutes Zeichen.“

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: "Ich hoffe, dass keine Randalierer da sind"

So ganz wird der G7-Gipfel aber nicht von der Fronleichnamsprozession in Garmisch-Partenkirchen ausgespart. „Wir bitten an einer Station dafür, dass die Gäste einen guten Aufenthalt bei uns haben und wohlbehalten wieder heimkommen“, verrät der Dekan. Er bette immer aktuelle Geschehnisse in seine Fürbitten ein. Dass sich die Regierungschefs in den Alpen treffen, sieht er als gutes Zeichen. „Sie sollen die richtigen Schlüsse daraus ziehen, wofür sie in hoher Verantwortung stehen: Für die Schöpfung, für die ganze Welt und für die ihnen anvertrauten Menschen, die hier leben.“ Er hoffe, dass Gottes Schöpfung, die man in Elmau in ganz besonderer Weise erfahren könne, das ihrige in den Politikern bewirkt.

Für den friedlichen Verlauf des G7-Gipfel-Treffens zu beten, ist Lackermeier ein großes Anliegen. „Ich hoffe, dass keine Randalierer da sind.“ Dennoch sieht er dem Gipfel besonnen entgegen: Die Kirche bleibt wie gewohnt geöffnet. Und Polizeischutz während der Prozession wird es auch nicht geben. „Das brauchen wir auch nicht, wir haben ja die Gebirgsschützen dabei“, sagt Lackermeier und lacht.

Susanne Weiss

G7-Gipfel 2015: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

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