Schloss-Herr im Interview

G7-Gipfel: Wie Obama und Merkel wohnen

Krün - Der G7-Gipfel auf Schloss Elmau steht kurz bevor. Wir haben uns vor einiger Zeit im Schloss umgeschaut und mit dem Schloss-Herrn Dietmar Müller-Elmau gesprochen.

G7-Gipfel in Elmau: Wir haben den Suiten-Test gemacht

Es gibt Dinge, für die braucht auch der Präsident einer Supermacht eine Gebrauchsanweisung. Fürs Klo auf Schloss Elmau zum Beispiel. Wenn Barack Obama am 7. Juni für 36 Stunden zum G7-Gipfel anreist und seine Suite betritt, wird da ein Blatt Papier liegen. Zweiseitig bedruckt mit fantastischen Sachen, die die Toilette kann. Tornado-Spülung, Power-Deodorizer, Wassertemperatur-Regler. Luxus überall. So ist das in der Welt der Mächtigen und Reichen.

G7. Das sind die großen Sieben, die Staatschefs der bedeutendsten Industrienationen der Welt: Deutschland, USA, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan und Kanada. Die kriegen, ist ja klar, die tollsten Zimmer in Elmau.

Praktisch, dass Schlossherr Dietmar Müller-Elmau, 60, vor einer Woche sein neues Hotel eröffnet hat. Das „Retreat“, ein Luxus-Hotel hinter dem Luxus-Schloss-Hotel, mit genügend Suiten für die Gipfel-Politiker. Die Summit-Suite zum Beispiel, („Summit“ ist englisch für „Gipfel“): 125 Quadratmeter, Wohnzimmer, Ankleidezimmer, Südbalkon, Preis pro Nacht und Person: 900 Euro.

Wer wo schläft, wo Platz für die Bodyguards ist oder die Stylisten – angeblich weiß das noch kein Mensch. Die Bundesregierung plant das gerade, ab 22. Mai mietet sie das ganze Hotel. „Sie ist dann Hausherrin“, sagt Müller-Elmau und hebt die Hände. Er habe dann nichts mehr zu sagen.

Selbst wenn er schon wüsste, der Japaner kriegt das und das Zimmer, gleich neben dem Kanadier, und Frau Merkel besetzt den kompletten Westflügel, dann dürfte das natürlich niemand wissen. Aus Sicherheitsgründen. Aber: „Die Suiten sind eh alle gleichwertig“, sagt Müller-Elmau. Manche kann man durch Zwischentüren zu 220-Quadratmeter-Super-Suiten erweitern. Für Zimmer-Neid gibt’s keinen Grund, jeder kriegt denselben Schnickschnack. G7-Gipfel 2015: 24-Quadratmeter-Bad für Obama

Wenn also Obama nachts traumhappert aus dem Bett ins Bad schlurft, geht automatisch das Licht an. Sanft, damit er nicht gleich ganz wach wird, der Herr Präsident. Kuschelt er sich wieder ins Kissen, wird’s von allein wieder dunkel.

Energie fürs Lichtschalter-Suchen – gespart. Kann er trotzdem nicht wieder einschlafen: Die Leselampe am Nachttisch ließ Müller-Elmau extra anfertigen, weil ihm die Standard-Leuchten nicht gut genug waren.

Morgens, beim Zähneputzen im 24-Quadratmeter-Bad, schaut Obama auf die Berge. Von der freistehenden Badewanne aus auch, vom Bett aus sowieso. Links, rechts, geradeaus. Eh schön. Aber Luxus, das ist ein bisserl mehr als ein perfektes Zimmer, das noch nagelneu riecht. Dass nämlich alles geht, immer, zu jeder Zeit.

Drückt der Präsident in seiner Suite das Zimmerservice-Knöpfchen, klingelt das Handy von Michaela Gäng, 43, Hosenanzug, Hochsteckfrisur. Eine Schweizer Zeitung hat sie einmal die „Gouvernante der Reichen und Schönen“ genannt, da war sie Hausdame in Gstaadt. Auf Schloss Elmau ist sie „Executive Housekeeper“, die Chefin der 60 Zimmermädchen.

Man kennt das ja aus Filmen, absurde Sonderwünsche in Sternehäusern. Michaela Gäng hat sie live erlebt. Gäste, die mit Laster, Möbeln und Feng-Shui-Berater anreisen, damit es in der Suite ausschaut wie daheim. Gäste, die zornig werden, wenn Waschlappen die falsche Farbe haben. Luxus für Staatschefs beim G7-Gipfel: Acht verschiedene Kissen zur Auswahl

Alles schon gehabt, jedoch nicht auf Schloss Elmau. „Unsere Gäste sind nicht so überkandidelt“, sagt sie. Die meisten wollen ihre Ruhe, das Topmodel (gerade in der Suite neben uns!), der FC Bayern-Star, der Schauspieler. Auch bei den Staatschefs geht Gäng nicht von unerfüllbaren Wünschen aus. Und wenn, dann werden die vorher gemeldet.

Vorbereitet ist ihr Team auf alles, Stichwort Kissenmenü. Obama, Merkel und die anderen haben acht verschiedene Kissen zur Auswahl. Weich, nicht so weich, Kirschkern, mit und ohne Federn. Weiche, mittelweiche, harte Matratzenauflagen. Bademäntel Größe S bis XXXL, wer mag mit eingesticktem Namen, in allen Farben. Will Merkel nicht im blauen Mantel zum Pool oder in die Finnische Sauna marschieren, bringt Gäng halt die Lieblingsfarbe.

Und was, wenn Obama um 3 Uhr einen Burger will? Mit Beef eines glücklichen Büffels aus Zentral-Texas? Oder Shinzo Abe, der Japaner, Sushi vom Blauflossen-Thunfisch, und zwar pronto? Bei solchen Fragen winkt Müller-Elmau ab: „In einem Fünf-Sterne-Haus kommt sowas ständig vor, dass jemand nachts Hunger bekommt.“

Schon allein wegen der Zeitverschiebung. Oder: Einmal haben sie für einen Gast ein koscheres Menü aus einem Münchner Restaurant holen lassen. Für einen anderen Fleisch aus Straßburg, Frankreich.

Kleiner Tipp an die Sterneköche in Elmau. Angela Merkels Lieblingsessen: Königsberger Klopse. Sollten immer vorrätig sein.

G7-Gipfel 2015: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel 2015 haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Von Carina Lechner

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